Steuernachzahlung vermeiden als Selbstständiger

Moritz Lampkemeyer 08. August 2018 0
Steuernachzahlung vermeiden als Selbstständiger

Eine Steuernachzahlung ist der Horror f√ľr jeden Selbstst√§ndigen. Denn als wenn die Steuererkl√§rung nicht schon aufwendig genug w√§re, kommt das Finanzamt hinterher um die Ecke und will noch mehr Geld. Dabei warst du doch schon das ganze Jahr √ľber ein braver Steuerzahler!?

Wer dann trotz saftiger Steuernachzahlung nicht Pleite geht, nagt meist trotzdem noch l√§nger daran. Viele Selbstst√§ndige m√ľssen deswegen sogar ihren Urlaub¬†streichen oder sogar einen Kredit aufnehmen.

Umsatzsteuer, Einkommensteuer, Gewerbesteuer, K√∂rperschaftsteuer... F√ľr alle Steuern k√∂nnen theoretisch Steuernachzahlungen anfallen. Auf welche du achten solltest und was du w√§hrend des Jahres bereits erledigen kannst, erkl√§ren wir dir in diesem Beitrag.

Wir haben uns daf√ľr Rat von einem Experten geholt: Christian De√°k, Steuerberater bei der DHW Steuerberatung, hat einige wichtige Fragen rund um Thema Steuernachzahlung beantwortet und gemeinsam geben wir 5 n√ľtzliche Tipps, wie du Steuernachzahlungen vermeiden kannst.

steuernachzahlung vermeiden tipps christian deak dhw

Zum Thema Steuernachzahlung haben wir Steuerberater Christian De√°k von der DHW Steuerberatung um Rat gefragt

Welche Steuern musst du √ľberhaupt zahlen?

Vorab kl√§ren wir, welche Steuern dich als Selbstst√§ndigen √ľberhaupt betreffen und wo dabei Steuernachzahlungen anfallen k√∂nnen.

Wie eingangs erwähnt gibt es vier relevante Steuern: Umsatzsteuer, Einkommensteuer, Gewerbesteuer und Körperschaftsteuer. Diese Steuern lassen sich nochmal in zwei verschiedene Bereiche aufteilen: Ertragsteuer und Umsatzsteuer.

Die Ertragsteuer

Eine Ertragsteuer besteuert, wie der Name schon sagt, den Ertrag, also das Einkommen bzw. den Gewinn. Abhängig von der Rechtsform deiner Unternehmung bist du von einer anderen Steuer betroffen.

Christian De√°k: Generell gilt: K√∂rperschaften (wie UG(h), GmbH, AG) zahlen Gewerbesteuer und K√∂rperschaftsteuer. Nat√ľrliche Personen, die keinen ‚ÄúKatalogberuf‚ÄĚ nach ¬ß 18 EStG aus√ľben (Steuerberater, Rechtsanw√§lte, K√ľnstler, etc.) zahlen Einkommensteuer und Gewerbesteuer. Die Gewerbesteuer an sich zahlt man vereinfacht ausgedr√ľckt ab einem Gewinn von mehr als 24.500 ‚ā¨ und sie kann zum Gro√üteil auf die zu zahlende Einkommensteuer angerechnet werden!

Einkommensteuer

Alle nat√ľrlichen Personen m√ľssen Einkommensteuer zahlen. Arbeitnehmer m√ľssen sich jedoch nicht damit besch√§ftigen. F√ľr sie zahlt der Arbeitgeber die Steuer anteilig direkt an das Finanzamt. Selbstst√§ndige hingegen m√ľssen die Steuer selbst abf√ľhren. Die H√∂he bemisst sich durch die H√∂he deines Einkommens . Entweder zahlst du diese Steuern quartalsweise im Voraus oder als Steuernachzahlung. Doch dazu sp√§ter mehr.

Wichtig: Bist du nebenberuflich selbstständig, zahlst du sowohl Lohnsteuer als auch Einkommensteuer.

Körperschaftsteuer

Alle juristischen Personen (z.B. Kapitalgesellschaften) hingegen m√ľssen K√∂rperschaftsteuer an den Staat abf√ľhren. Sie entspricht der Einkommensteuer f√ľr nat√ľrliche Personen, nur eben f√ľr GmbH und AG. Auch f√ľr die K√∂rperschaftsteuer fallen quartalsweise Vorauszahlungen an und auch Steuernachzahlungen sind nach Abgabe der Steuererkl√§rung m√∂glich.

Gewerbesteuer

Wer ein Gewerbe betreibt,¬†zahlt Gewerbesteuer. Dabei musst du als Selbstst√§ndiger jeden Euro √ľber dem Freibetrag von 24.500 Euro besteuern. Auch die Gewerbesteuer musst du quartalsweise im Voraus zahlen. Somit k√∂nnen auch hier, nach Abgabe der Steuererkl√§rung, Nachzahlungen anfallen.

F√ľr Kapitalgesellschaften gibt es √ľbrigens keinen Freibetrag. Hier muss deine GmbH, genau wie bei der K√∂rperschaftsteuer, jeden gewonnenen Euro versteuern.

Die Umsatzsteuer

Der wohl prominenteste und wichtigste Vertreter der Steuern ist die Umsatzsteuer. In Deutschland macht die Umsatzsteuer √ľber 30% des gesamten Steueraufkommens aus. Umsatzsteuer f√§llt immer an, wenn ein Produkt oder eine Dienstleistung verkauft wird.

Da die Umsatzsteuer eigentlich f√ľr Endverbraucher gilt, kannst du dir als Selbstst√§ndiger im Umkehrschluss die gezahlte Umsatzsteuer als Vorsteuer¬†durch das Finanzamt von deiner Umsatzsteuerzahllast abziehen lassen.

Sofern du nicht von der Kleinunternehmerregelung¬†Gebrauch machst, musst auch du Umsatzsteuer von deinen Kunden einziehen und an das Finanzamt abf√ľhren.¬†

Wie entstehen Steuernachzahlungen?

Christian Deák: Nachzahlungen können nur entstehen, wenn die Vorauszahlungen nicht hoch genug waren und nicht angepasst wurden. Dies passiert in der Praxis regelmäßig: Das Finanzamt weiß erst was man verdient hat, wenn ein Jahresabschluss mit den dazugehörigen Steuererklärungen abgegeben wurde.


Christian Deák erklärt im Video, wie du Steuernachzahlungen vorbeugen kannst.

Das Finanzamt weiß nicht, was du verdienst

Ein weit verbreiteter Mythos ist, dass das Finanzamt durch die monatlich oder viertelj√§hrlich abgegebene Umsatzsteuervoranmeldung Einblick in deine Zahlen hat und somit ja wei√ü, was du verdienst. Das ist zwar nicht richtig so, aber zumindest eine Steuernachzahlung f√ľr die Umsatzsteuer l√§sst sich vermeiden.

Christian De√°k: Es gibt Ertragsteuern (Einkommensteuer, Gewerbesteuer, K√∂rperschaftsteuer) und Umsatzsteuern. Eine Steuernachzahlung im Bereich der Umsatzsteuer kann theoretisch kaum vorkommen, wenn du unterj√§hrig alles korrekt verbuchst und meldest. Die gesamte Nachzahlung w√§re demnach 0,00 Euro, da unterj√§hrig bereits alles gemeldet und abgef√ľhrt wurde.

Steuernachzahlungen durch Ertragsteuern

Christian De√°k: Die ber√ľhmten Nachzahlungen kommen dadurch zustande, dass nun die Ertragsteuern nachgefordert werden (wie oben erw√§hnt: Einkommensteuer, K√∂rperschaftsteuer, Gewerbesteuer).

Ein Beispiel:

Der Jahresabschluss 2016 und alle dazugeh√∂rigen Steuererkl√§rungen werden vom Steuerberater im September 2017 erstellt und gemeldet. Die Nachzahlung betr√§gt insgesamt 20.000 ‚ā¨.

Der Bescheid ergeht im Januar 2018.

Da bislang auch das Kalenderjahr 2017 abgelaufen ist (Bescheid ergeht ja im Januar 2018), werden nun folgende Zahlungen fällig:
1. Nachzahlung f√ľr 2016: 20.000 ‚ā¨
2. Nachtr√§gliche Vorauszahlung 2017: 20.000 ‚ā¨
Summe: 40.000 ‚ā¨ - zahlbar innerhalb von 4 Wochen!

Zudem werden nun quartalsweise 5.000 ‚ā¨ von deinem Konto im laufenden Jahr 2019 abgebucht. Dies ergibt nat√ľrlich auch Sinn: W√ľrdest du konstante Einnahmen und Ausgaben haben, so kann es hier nicht mehr zu hohen Nachzahlungen kommen. Du hast bereits unterj√§hrig 20.000 ‚ā¨ im Voraus gezahlt.

Demnach weiß das Finanzamt immer (dies ist systembedingt) zu spät, was du verdienst.

Über 70.000 Selbstständige und kleine Unternehmen vertrauen FastBill

Mit FastBill kannst du alle Aufgaben von der Rechnungsstellung bis zur kompletten Buchhaltung erledigen. Egal, was du machen willst: Wir haben die passende Lösung!
Jetzt Beratung vereinbaren

Achtung: Augen auf auch bei der Krankenversicherung

Keine Steuernachzahlung, aber trotzdem wichtig: Auch bei der freiwillig gesetzlichen Krankenversicherung kann es f√ľr dich, wie bei den zuvor genannten Steuern, zu Nachzahlungen kommen.

Christian Deák: Die freiwillig gesetzliche Krankenversicherung bemisst sich ebenfalls an dem ergangenen Steuerbescheid und kann empfindliche Nachzahlungen verlangen. Die Sozialversicherungsträger können ebenfalls erst dann wissen was du verdient hast, wenn der Steuerbescheid ergangen ist. Bis dahin sind deine Zahlungen allenfalls geschätzt und werden demnach nachgefordert.

Eine Alternative bietet die private Krankenversicherung mit fixen Beitragss√§tzen. Hier gilt es im Einzelfall zu pr√ľfen, ob eine private KV g√ľnstiger ist. Sprich hierzu aber bitte mit deinem Steuerberater und nicht mit den Versicherungsvertretern.¬†ūüėČ

Wie du Steuernachzahlungen vermeiden kannst

So, genug Horrorszenarien durchgespielt. Jetzt bekommst du von uns die versprochenen 5 Tipps, mit denen du Steuernachzahlungen vermeiden kannst. Wenn du diese Tipps befolgst, solltest du nach der n√§chsten Steuererkl√§rung keine Probleme bekommen. Nach der Infografik haben wir die f√ľnf Punkte nochmal im Detail ausgef√ľhrt.

steuernachzahlung vermeiden infografik 5 tipps compressed

Infografik: 5 Tipps zur Vermeidung von Steuernachzahlungen

Umsatzsteuer immer korrekt abf√ľhren

Wie oben von Christian De√°k beschrieben, d√ľrfte die Umsatzsteuer eigentlich kein Problem darstellen. Wenn du sie korrekt abf√ľhrst, hast du keine Steuernachzahlung zu bef√ľrchten. Achte darauf, dass du - sofern du umsatzsteuerpflichtig bist - die Steuer von deinen Kunden einziehst und an das Finanzamt abf√ľhrst.

Christian Deák erklärt die Umsatzsteuervoranmeldung

Mit FastBill musst du beim Rechnungen schreiben √ľbrigens nicht gro√ü rechnen, sondern weist die Steuer direkt korrekt auf deinen Rechnungen aus.

‚ě°ÔłŹ¬†Tipp #1: F√ľhre die Umsatzsteuer bereits unterj√§hrig korrekt ab!

Ertragsteuern im Voraus zahlen

Sofern m√∂glich, solltest du deine Ertragsteuern unbedingt im Voraus zahlen. Eine St√ľckelung nach Quartalen ist deutlich einfacher zu bewerkstelligen, als eine gro√üe Steuernachzahlung nach Abgabe der Steuererkl√§rung.¬†

Zahlst du im Voraus, merkst du außerdem schnell, ob deine Finanzplanung sinnvoll ist. Läuft es nicht gut, musst du so nur ein Quartal etwas spartanischer leben. Im Vergleich zu einem ganzen Jahr, wenn du die Ertragsteuer komplett nach der Steuererklärung zahlst.

‚ě°ÔłŹ¬†Tipp #2: Zahle die Ertragsteuern im Voraus!

Passende Betr√§ge direkt zur√ľcklegen

Um gar nicht erst in Bedr√§ngnis zu geraten, solltest du von deinen Eink√ľnften direkt anteilig etwas f√ľr die Umsatzsteuer und die Einkommensteuer zur√ľcklegen. Lege f√ľr dich passende Steuers√§tze fest. Wieviel Prozent Einkommenssteuer du bezahlen musst, ist √ľbrigens auch abh√§ngig von deiner Steuerklasse. Hier eine kurze √úbersicht:

Steuerklassen Familienstand
Steuerklasse 1 ledig, verwitwet, getrennt/geschieden
Steuerklasse 2 alleinerziehend, getrennt lebend
Steuerklasse 3 Verheiratete mit höherem Einkommen, Bezieher von Elterngeld
(nur in Kombination mit Steuerklasse 5)
Steuerklasse 4 Verheiratete mit gleichen Einkommen
Steuerklasse 5 Verheiratete mit geringerem Einkommen
(nur in Kombination mit Lohnsteuerklasse 3)
Steuerklasse 6 Zweit- oder Nebenjob
(unabhängig vom Familienstand)


Verkaufst du √ľberwiegend Waren oder Dienstleistungen zu 19% Umsatzsteuer, solltest du direkt 19% deiner Eink√ľnfte f√ľr die Umsatzsteuer zur√ľcklegen.

Lege au√üerdem einen Satz f√ľr die Einkommensteuer fest, ber√ľcksichtige deine Wachstumspl√§ne und schlag ruhig ein paar Prozente drauf. Hast du letztes Jahr z.B. 27% Einkommensteuer gezahlt, lege am besten direkt 30% oder noch etwas mehr zur√ľck.

So bist du garantiert auf der sicheren Seite und kannst dir im Zweifelsfall n√§chstes Jahr einen Urlaub von den R√ľckzahlungen g√∂nnen.

Eine solche Funktion hat beispielsweise das Gesch√§ftskonto von¬†Kontist¬†direkt integriert. Hier definierst du Steuers√§tze und die Banking-App legt automatisch die jeweiligen Betr√§ge zur√ľck. Kontist verf√ľgt au√üerdem √ľber eine einzigartige Integration zu FastBill, die eine Echtzeit-Synchronisierung von Buchhaltung und Banking m√∂glich macht.

Auch N26 geht mir Spaces¬†nun in eine √§hnliche Richtung, wenngleich die Automatisierung noch nicht vorhanden ist. Automatisierte Spaces f√ľr Gesch√§ftskonten w√§ren hier eine tolle Erg√§nzung f√ľr Selbstst√§ndige.

‚ě°ÔłŹ¬†Tipp #3: Nutze ein smartes Bankkonto!

Finanzen im √úberblick behalten

Eine gute Finanzplanung ist das A und O f√ľr jeden Selbstst√§ndigen. Hast du deine Liquidit√§t nicht im Blick, kann es fr√ľher oder sp√§ter schnell mal eng werden. Wichtig ist, dass du stets einen √úberblick hast, welche Ausgangs- und Eingangsrechnungen bereits bezahlt bzw. noch offen sind. Hierbei hilft vor allem eine Buchhaltungssoftware wie FastBill. Hier siehst du immer auf einen Blick, was bezahlt ist und was nicht.

Wenn du diese Dinge automatisieren und nicht selbst nachverfolgen willst, schau dir FastBill Premium an. Mit FastBill Premium musst du nie wieder Belege sammeln und sortieren, Bankkonten und Belege abgleichen oder deine vorbereitende Buchhaltung selbst machen. Dar√ľber hinaus bekommst du zwei Mal pro Monat einen Report √ľber offene und fehlende Belege.

‚ě°ÔłŹ¬†Tipp #4: Behalte deine Finanzen im √úberblick

Unterst√ľtzung vom Experten: Dein Steuerberater

Trotz der besten Vorbereitung hast du wahrscheinlich oft weder Zeit noch Lust, dich um Steuerr√ľcklagen und Hochrechnungen zu k√ľmmern. Zum Gl√ľck gibt es genug Experten, die sich damit auskennen und dich unterst√ľtzen k√∂nnen.

Ein guter Steuerberater ist buchst√§blich Gold wert. Er h√§lt dir nicht nur den R√ľcken frei, sodass du dich um dein Unternehmen k√ľmmern kannst, sondern hilft dir auch aktiv dabei Steuernachzahlungen zu vermeiden oder steuerliche Gestaltungsr√§ume zu finden.

Nach dem Motto "Nie wieder Buchhaltung" bieten wir Selbstst√§ndigen eine tiefe Verzahnung mit der DHW Steuerberatung an. Christian De√°k selbst nutzt FastBill aktiv und empfiehlt es seinen Mandanten im Rahmen unseres gemeinsamen Rundum-Sorglos-Services f√ľr die Buchhaltung.

Christian De√°k: Um den Horror von Steuernachzahlungen zu verhindern, f√ľhren wir von der DHW Steuerberatung zweimal j√§hrlich eine kostenlose Steuerhochrechnung f√ľr dich durch! Hier teilen wir dir mit, wieviel Geld du noch zur√ľcklegen solltest. Dies kann auch unter Ber√ľcksichtigung von saisonalen Schwankungen erfolgen.

Um dir als Selbständigen, der sich mit solchen Dingen nicht selber beschäftigen möchte, eine finanzielle Sicherheit geben zu können, kannst du dir bei der DHW Steuerberatung diesen Service buchen. Dann spart man sich das böse Erwachen.

‚ě°ÔłŹ Tipp #5: Suche dir einen innovativen Steuerberater!

Noch keine Kommentare vorhanden

Was denkst du?