Klasse statt Masse – Der Preis für einen guten Werbetext

Julian Moeser 05. August 2014 8
Klasse statt Masse – Der Preis für einen guten Werbetext

*** Ein Gastbeitrag vom FastBill-Kunden Sammy Zimmermanns – Journalist, Blogger & PR-Berater. ***

Auf der Suche nach dem guten Text: Wie viel kostet er?

Ich bin freier Journalist und Blogger und mir fällt immer wieder auf, wie unterschiedlich die Ansprüche und das Endergebnis von Internettexten sind. Meiner Meinung nach liegt das an der unterschiedlichen Preisgestaltung und Erfahrung der Autoren. Aber auch die Auftraggeber wissen nicht immer, was sie eigentlich wirklich wollen.

Wer die Herzen seiner Zielgruppe erreichen möchte, muss sie mit guten Inhalten überzeugen. Eigentlich sollte das klar sein. Doch immer wieder wird mantraartig die Parole vom großartigen Content, der überzeugend und einzigartig sein soll, in der Werbebranche propagiert. Hauptantriebsfeder dieser Entwicklung im Internet ist die Suchmaschine Google, die durch mehrere Neuerungen und Veränderungen im Suchalgorithmus, die Onlinemarketer immer wieder vor sich her treibt und dazu drängt, das Angebot der Webseiten stetig zu verbessern.

Während man früher mit einfachen Produktbeschreibungen, die tausendfach im Internet doppelt vorhanden waren, noch als Onlineshopbetreiber gute Geschäfte machen konnte, wird dieses heutzutage immer schwieriger oder ist gar unmöglich geworden. Der Bedarf an guten, prägnanten und einzigartigen Texten wächst also stetig. Wenn auch Sie jetzt vor diesem Problem stehen und gute Texte für Ihr Geschäft suchen, werden Sie sich unweigerlich auch die Frage stellen, was ein guter Texter kosten darf. Genau dieser Fragestellung möchte ich in diesem Artikel auf den Grund gehen.

So viel kosten Texte

Je nach Textart variieren die Preise sehr stark. Aber nicht nur die Preise sind sehr unterschiedlich, auch das Gebotene unterscheidet sich sehr. Das fängt schon bei der Abrechnung der Texte an.

Abrechnungsmodelle für Texte:

  • Preis je Zeichen
  • Preis je Wort
  • Preis je Normzeile
  • Preis je Normseite
  • Preis pro Stunde
  • Preis pro Tag
  • Wochenpauschale
  • Monatspauschale

Bestimmte Portale im Internet bieten Texte schon für 1,9 Cent je Wort an. Das ist ein Preis von dem kein Autor so richtig leben kann. Meist sind auf diesen Portalen Hausfrauen und Hobbyschreiber tätig, die neben ihrer regulären Tätigkeit etwas dazu verdienen möchten. Die Qualität der Texte reicht von miserabel bis akzeptabel. Wer allerdings auf eine verlässlich hohe Qualität der Texte Wert legt, wird hier nur sehr schwer fündig werden. Eine Suche nach einem guten Texter auf diesen Lowbudget Contentportalen wird so zum Glücksspiel.

Zudem sollten Sie sich fragen, wie ein Text für beispielsweise 4,50 € Produkte, die ein Vielfaches Wert sind, verkaufen kann. Ihre Kunden sind sehr sensibel für die Textqualität und merken schnell, ob ein Händler oder Dienstleister es ernst meint mit seinem Angebot. Wer seine Kunden mit schlechten Texten umwirbt, sendet Ihnen ein unbewusstes Signal der Geringschätzung – und das merken die Kunden auch.

Warum professionelle Texte mehr als 1,9 Cent je Wort kosten

Ein guter Texter wird immer versuchen sich in die Zielgruppe hinein zu versetzen, um so die Kunden an dem Punkt der Kaufentscheidung abzuholen und Ihnen dabei ein gutes Gefühl zu vermitteln. Es ist also ein sehr hoher Grad an Empathie gefragt, die ein guter Texter haben sollte. Diese Fähigkeit kann man sich nicht mal eben nach getaner Arbeit am Nachmittag aneignen, sondern sie wächst über jahrelange Erfahrung. Das hat natürlich auch seinen Preis. Professionelle Texter und Agenturen bieten Texte ab 9 Cent je Wort und höher an, ob eine Abrechnung je Wort immer sinnvoll ist, sei aber dahingestellt. So gibt der Fachverband Freier Werbetexter (FFW) folgende Preisempfehlung für professionelle Texter heraus:

Honorarempfehlung für Texter und Copywriter laut FFW

  • Stundensatz 70 bis 120 Euro
  • Tagessatz 480 bis 960 Euro
  • Wochenpauschale 1800 bis 3500 Euro
  • Monatspauschale 6500 bis 12.000 Euro

Bei dieser offiziellen Preisempfehlung des Verbandes ist auch nicht mehr die Rede vom Preis je Wort. Als Grundlage für die Berechnung des Preises dient hier vielmehr die benötigte Zeit, die ein professioneller Texter für den Text benötigt. Dieser Ansatz ist sinnvoller als die sture Fixierung auf die Anzahl der Wörter eines Textes. Ein guter Text muss dem Leser alle Informationen bieten, die er benötigt um sich zu informieren, ganz gleich welche Intention der Leser hat. Manchmal genügt eben auch der schnelle Dreizeiler. Sollte eine Fragestellung doch komplexer sein bedarf es einer längeren Beschreibung um den Kunden zu überzeugen.

Wie sinnvoll ist eine Abrechnung je Wort und die Länge der Texte?

Bei Webtexten gibt es bestimmte Standardlängen, die immer wieder von den Auftraggebern angefordert werden. Meist werden diese dann je Wort abgerechnet.

Folgende Preise je Wort sind für professionelle Texte angemessen:

  • Texte bis 300 Wörter 12 Cent
  • Texte von 450 bis 800 Wörter 11 Cent
  • Texte von 1250 bis 1850 Wörter 10 Cent

Wer im Internet auf eine ausgefeilte Content Strategie setzt, sollte nicht nur das nachmachen was der Mitbewerber im Internet macht. Gefragt sind einzigartige und wirklich nützliche Inhalte. Wieso also dann Texte von epischer Breite konstruieren? Nur weil der Wettbewerber es tut? Meist reicht auch ein kürzerer und viel prägnanterer Text, der die Zielgruppe erreicht und das Produkt verkauft. Es stimmt zwar das tendenziell längere Texte besser gefunden werden, aber verkaufen werden sie deswegen nicht unbedingt besser.

Meist werden spezielle Analysetools eingesetzt, die zu dem Schluss kommen, dass der Mitbewerber Texte mit einer Länge X im Netz hat, und man möchte diese dann auch in ähnlicher Länge seinen Kunden zum Lesen anbieten. Allerdings berücksichtigen diese Tools nicht nur den reinen Text an sich, sondern analysieren die komplette Seite, sprich auch den Sekundärcontent und die Wörter in der Navigation einer Webseite, dessen sollten Sie sich dann auch immer bewusst sein, bevor Sie einen Text für das Web im Auftrag geben.

So bekommen Sie einen guten Text

Um auf die Eingangsfrage zurückzukehren, wie man einen guten Text bekommt, ist es sehr wichtig den Texter bzw. die Agentur zu briefen, wie man im Agentursprech sagt. Es gilt also, je genauer der Textauftrag vorher besprochen wird, umso besser wird das Ergebnis sein. Es ist daher sinnvoll schon im Vorfeld den Stil bzw. die Tonalität eines Textes abzusprechen. Wenn schon eine Zielgruppenanalyse gemacht worden ist, sollten auch die Erkenntnisse zur avisierten Zielgruppe weitergegeben werden, damit sich der Texter in die Adressaten des Textes hinein fühlen kann. Nicht unerheblich ist auch die Information, um was genau für ein Text es sich handeln soll.

Auch das Medium in dem der Text veröffentlicht wird ist wichtig. Sollen es Infotexte für ein Internetportal sein, individuelle Produktbeschreibungen für einen Onlineshop, Artikel für einen Blog oder eine Pressemitteilung? Jeder Text hat seine ganz eigenen Eigenarten, die berücksichtigt werden wollen. Was soll der Text beim Adressaten bezwecken? Soll er zum Kauf bewegen, das Interesse wecken oder informieren?

Zusammenfassung eines optimalen Texterbriefings

  • Welche Zielgruppe soll angesprochen werden?
  • Welches Medium wird genutzt?
  • Welche Hintergründe und weitere Infos müssen berücksichtigt werden?
  • Die Tonalität, also neutral, dynamisch oder doch emotional?
  • Wie lautet die Kernbotschaft des Textes?

Frei nach dem Motto:

„Who says what to whom in which channel, with what effect?“

Harold Dwight Lasswell,  Politik- und Kommunikationswissenschaftler

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8 Kommentare

  • Hallo,
    ich bin ehemalige Printautorin, schon ein älteres "Baujahr" also. Ich halte mich für eine gute Handwerkerin und suche den Wiedereinstieg in den Journalismus, der sich ja "sehr und rasant" verändert hat. Habe nun SEO und Co auf Texterbörsen für Hungerlöhne geübt und mir "raufgeschafft". Ich bräuchte ein paar Tipps, wie ich nun an lukrativere Aufträge komme. Ich kann alles schreiben, Bücher, alle Darstellungsformen im Print-Bereich (und ja jetzt auch Online), Theaterstücke, Kurzgeschichten, Essays, ich kann Werbung texten und Konzepte entwickeln. Liebe Grüße von Patricia
    Wäre schön, was zu "hören", ich mag nicht mehr für 10 Euro Stunde um Stunde schreiben; und möchte das Textbörsen-Geschreibsel (weit unter Mindestlohn) auch nicht weiter gegen meine Ideale (und die anderer Journalisten) unterstützen.
  • Hallo Patricia,

    schau doch mal bei meinem Blog vorbei: Auf www.lettersblog.de schreibe ich genau darüber. Ich bin seit vier Jahren freie Texterin, habe einen Stundensatz von 120 Euro und habe noch nie in meinem Leben einen Texterbörsen-Job getextet. Außerdem betreibe ich keine aktive Kundenakquise - neue Kunden finden mich über Google und schreiben mich direkt über meine Website an.

    Mein Crashkurs für Texter, die fair verdienen wollen:

    Schritt 1: Spezialisiere dich auf eine Nische. Generalisten, die über alles schreiben können, gibt es leider schon viel zu viele - und mit einer Spezialisierung fällt es dir auch viel leichter, die passenden Kunden anzusprechen und zu gewinnen, sowie höhere Preise zu verlangen.

    Schritt 2: Nutze (Personal) Branding, um dich in deiner Nische als ernstzunehmende Expertin zu positionieren. Dazu gehören eine professionelle Website, die deine Spezialisierung transportiert und dem Kunden klarmacht, wie du ihm helfen kannst; und idealerweise ein Blog.

    Schritt 3: Mit Content Marketing ziehst du potenzielle Kunden online auf Autopilot an - und zwar freundliche Kunden, die gut bezahlen und dich auf Augenhöhe behandeln. Dazu gehören vereinfacht gesagt Website, Blog, SEO und Social Media.

    Mehr gibt's auf dem Blog zu lesen. Ich würde mich freuen, wenn du mal bei mir vorbeischaust - ein kostenloses eBook gibt's auch! ;)

    LG,
    Lilli von LETTERS - Der Blog für Freelance-Texter
  • Super! Habe ich jetzt gebraucht, nachdem ich mal wieder von meiner alltäglichen Reise aus dem Dumpingland zurückgekommen bin! Bitte mal einen originellen Text für 2cent - äääh ja! Du wurdest zu meinen Lesezeichen hinzugefügt, direkt in meinen Ordner: BOOOOOOZAAH für Anfänger!
  • Ein sehr schöner Beitrag, Sammy. Vielen Dank dafür!

    Dir Jörn muss ich widersprechen. Es ist immer eine Frage der eigenen Einstellung. Und wenn ich mir nicht nur der Qualität meiner Texte bewusst bin, sondern auch mir gegenüber Verantwortung zeige, dann kann ich nicht für 1,9 Cent/Wort rausgehen. Das ist ja fast so, als käme ein Sklavenhändler und ich gebe ihm noch Geld, damit er mich mitnimmt. Gleiches Preisdumping sieht man übrigens schön bei Plattformen wie rankseller. Wer sich da bereit erklärt für 10 Euro einen Beitrag zu schreiben, bei dem zweifle ich daran, ob er sich über die negative Aussage hinter dem Preis bewusst ist. Da kann der Käufer gleich sagen: "Dein Blog ist schrott, aber 10 Euro werfe ich dir in deinen Bettlerhut."
  • Vielen Dingen aus dem Text stimme ich absolut zu. Aber es gibt auch gute Texter, die für 1,9 Cent pro Wort gute Texte schreiben. Oftmals handelt es sich dabei um Newcomer, die sich mit solch günstigen Texten erstmal einen Namen machen wollen. Als Anfänger, der vielleicht nicht das Vorwissen und den Background einer Redaktion hat, kommt sonst ja kaum zu Buchungen, da ihm die Referenzen fehlen.
  • Schöner Beitrag, danke. Auch wenn's schon zwei Jahre her ist, möchte ich das Ganze mal mit einem Kommentar wiederbeleben. Jörns 1,9 Cent werden an Absurdität nur von dem Argument übertroffen, sich „einen Namen machen“ zu wollen. Was denn für ein Name? „Oh, von dem hab ich gehört, das ist doch der, der für ein Butterbrot schreibt?“ In der Werbung hat man es ständig mit anderen Partnern zu tun, man kann sich keinen Namen machen, wenn man nicht gerade als One-Man-Show reihenweise goldene Löwen und GWA-Effies einsammelt. Auslastung erhält man durch zufriedene Kunden, die einen weiterempfehlen oder zu ihrem nächsten Arbeitgeber mitnehmen. Und zufriedene Kunden bekommt man durch zuverlässige, hochwertige Arbeit.

    Ich bin seit 8 Jahren freier Texter, hauptsächlich B2B. Ich habe mit 50 Euro Stundensatz angefangen, bald aber festgestellt, dass das vorne und hinten nicht reicht. Es funktioniert so halbwegs, wenn man ausgebucht ist. Das ist aber nicht immer der Fall, und man muss neben den Leerlaufzeiten auch noch eine Menge Kosten von der Büroausstattung über Software bis zur Krankenversicherung selbst tragen. Heute kalkuliere ich je nach Aufgabe mit 75 bis 120 Euro pro Stunde.

    Unabhängig davon mal die üblichen Marktpreise für professionelle Texter: Ein Text/Art-Team (B2C) kostet etwa 7 bis 8 Kiloeuro pro Woche, erfahrene Texter im B2B-Bereich erhalten Stundensätze von 60 bis 80 Euro. Die Goldfische und Edelfedern der Branche bewegen sich am oberen Ende der im Artikel genannten FFW-Empfehlungen oder leicht darüber.

    Um auf die 1,9 Cent zurückzukommen – hier eine kleine Beispielrechnung:
    Angenommen, unser Billigtexter schreibt 270 Anschläge pro Minute. Das ist die Geschwindigkeit, die von einer Sekretärin im Hochschuldienst gefordert wird. Wenn er nun an 220 Arbeitstagen im Jahr je 8 Stunden ununterbrochen mit dieser Geschwindigkeit tippt, kann er sich bei einer durchnittlichen Wortlänge von 7 Anschlägen über 77.390 Euro freuen. Nicht übel.
    Es soll tatsächlich Texter geben, die solche Preise anbieten und damit annehmbar verdienen. Wir reden hier allerdings nicht von individuellen Texten, die Rechercheaufwand erfordern, sondern von SEO-Content. Dabei werden Textbausteine getextet und dann mit einigen Variablen versehen und durch einen Textspinner gejagt, um zahlreiche Varianten desselben Textes zu bekommen. Beispiel: Für ein Reiseportal werden Texte benötigt, die der Suchmaschine Relevanz für die 500 größten Orte Deutschlands vorgaukeln. Der SEO-Texter bezieht automatisiert die ersten 100 Wörter der Wikipedia-Einträge zu diesen Orten. Zusätzlich schreibt er einen generischen Text, in dem der Name des Ortes und die Keywords Busreise, Ausflug, herrliche Landschaft und Rheumadecke vorkommen. Dann definiert er Varianten für austauschbare Begriffe und Wortgruppen und nudelt seinen Text durch den Textspinner. So erhält er eine Vielzahl von Textvarianten, die, auf den Unterseiten der Website eingesetzt, von der Suchmaschine nicht als „Duplicate Content“ abgestraft werden. Wenn man in einem solchen Workflow 1,9 Cent pro Wort erhält, mag es möglich sein, davon zu überleben. Für ordentlich gemachte Texte würde ich die absolute Untergrenze eher bei 1,9 Cent pro Anschlag ansetzen, bei aufwändigen Texten mit Recherche und Kreativanteil ein Vielfaches davon.

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