8 wichtige Gesetzesänderungen 2012 für Unternehmer

Julian Moeser 09. Oktober 2012 2
8 wichtige Gesetzesänderungen 2012 für Unternehmer

Selbständig sein bedeutet, unternehmerisch zu handeln. Dazu gehört auch, sich über relevante rechtliche Neuerungen zu informieren. Doch wer in der Gründungsphase steckt oder tief im Tagesgeschäft steckt, dem fehlt oftmals die Zeit, alles im Auge zu behalten. Deshalb haben wir in diesem Gastbeitrag die wichtigsten Gesetzesänderungen einmal zusammengefasst.

Checkliste: Die wichtigsten Gesetzesänderungen im Überblick

Das Jahr 2012 brachte gleich mehrere wichtige Gesetzesänderungen für Unternehmer. Dabei geht es überwiegend um finanzielle oder organisatorische Vereinfachungen im täglichen Arbeitsalltag. Mit der folgenden Checkliste prüfen Sie, ob Sie alle Neuerungen schon kennen und von ihnen profitieren.

  • Vereinfachte Entfernungspauschale
  • Ist-Besteuerung ohne zeitliche Grenze
  • Kinderbetreuungskosten und Kindergeld
  • Elektronische Rechnung
  • Neue Insolvenzordnung
  • Buttonlösung für Online-Shops
  • Gesetzesänderungen beim Gründungszuschuss
  • Erhöhung der Kosten für die freiwillige Arbeitslosenversicherung

1. Vereinfachte Entfernungspauschale

Die Entfernungspauschale hat sich vereinfacht. Nutzen Sie verschiedene Verkehrsmittel, müssen Sie die Kosten für öffentliche Verkehrsmittel in der Steuererklärung nicht mehr für jeden einzelnen Tag belegen. Nur wenn Ihre Kosten höher sind als die Entfernungspauschale für ein Kalenderjahr, benötigen Sie dafür einen Nachweis.

2. Ist-Besteuerung ohne zeitliche Grenze

Von der Ist-Versteuerung profitieren insbesondere Kleinunternehmer (nicht zwingend Anwender der Kleinunternehmerregelung) und Freiberufler. Wenn Sie Ihre Umsatzsteuer nur nach vereinnahmten Entgelten abführen, sprich Ist-Besteuerung – gelten als Grenze dafür nun bundeseinheitlich 500.000 Euro Jahresumsatz. Ursprünglich war diese Regelung bis zum 31. Dezember 2011 befristet. Nun wird sie auf Dauer beibehalten.

3. Kinderbetreuungskosten und Kindergeld 2012

Bislang mussten Eltern in ihrer Steuererklärung angeben, ob die Kosten für die Betreuung ihrer Kinder privat oder beruflich veranlasst waren. Diese Unterscheidung fällt nun weg. Bis zu einem Betrag von 6.000 Euro können die Betreuungskosten für Kinder bis 14 Jahre unabhängig von ihrem Grund geltend gemacht werden.

Auch beim Kindergeld und Kinderfreibetrag gibt es eine Erleichterung. Die Zuverdienstgrenze für Kinder von 18 bis 25 Jahre fällt weg. Sie können so viel Geld verdienen, wie sie wollen, ohne dass der Kinderfreibetrag der Eltern davon kleiner wird.

4. Elektronische Rechnung

Ein bereits bekannteres Thema für unsere Leser sind die Auswirkungen des Steuervereinfachungsgesetzes auf die digitale Signatur. Rückwirkend seit dem 1. Juli 2011 können digitale Rechnungen einfacher verschickt werden. Damit ist die elektronische Signatur bei digitalen Rechnungen überflüssig. Ab jetzt müssen Unternehmer selbst darauf achten, dass sie die Verbindung zwischen der Leistung und der Rechnung nachweisen können. Dafür nutzen sie am besten ein internes Kontrollsystem (Stichwort: Innerbetriebliches Kontrollverfahren für Rechnungen).

5. Neue Insolvenzordnung 2012

Sanieren statt liquidieren ist die Grundidee der reformierten Insolvenzordnung. Unter der Obhut eines Sachwalters können Unternehmer, denen die Zahlungsunfähigkeit droht, drei Monate lang einen Sanierungsplan ausarbeiten und sind während dieser Zeit vor Zwangsvollstreckung geschützt. Auch die Eigenverwaltung des Schuldners dürfen Gerichte nur noch in Ausnahmefällen ablehnen.

Darüber hinaus wird auch ein kompletter Neustart wesentlich leichter: Können Schuldner in den ersten drei Jahren ihres Insolvenzverfahrens ein Viertel ihrer Schulden zurückzahlen, erlangen sie die Restschuldbefreiung bereits nach drei Jahren. Bislang wurde die Restschuldbefreiung stets nach sechs Jahren erteilt. Die Schuldner konnten keinen Einfluss auf die Dauer des Verfahrens nehmen.

6. Buttonlösung für Online-Shops

Seit dem 1. August 2012 müssen Betreiber von Online-Shops ihre Kunden deutlich darauf hinweisen, dass Bestellungen kostenpflichtig sind. Der Name „Button-Lösung“ kommt daher, dass nur noch bestimmte Beschriftungen der Schaltflächen (Buttons) zum Abschluss von Verträgen zulässig sind – dazu gehören „zahlungspflichtig bestellen“, „kostenpflichtig bestellen“, „kaufen“ und „zahlungspflichtigen Vertrag abschließen“. Nicht mehr erlaubt sind die Bezeichnungen „weiter“, „bestellen“, „Bestellung abschließen“, „Anmelden“, „Los“.

Verträge, die ohne entsprechenden Button geschlossen werden, gelten als nicht wirksam abgeschlossen, der Unternehmer hat dann keinen Anspruch auf Bezahlung.

Zusätzlich muss der Unternehmer vor der Bestellung angeben, welche die wesentlichen Eigenschaften der Ware oder Dienstleistung sind. Er muss alle Kosten aufschlüsseln, die mit der Bestellung verbunden sind. Bei Dauerschuldverträgen, z. B. Abonnements, muss der Unternehmer die Mindestvertragslaufzeit und die Kündigungsmodalitäten angeben.  Alle diese Informationen müssen sich unmittelbar über dem „Kaufen“-Button befinden.

Die Absichten des Gesetzgebers waren gewiss gute – mit der neuen Regelung sollen Verbraucher besser vor Abofallen geschützt werden. Für Betreiber von Online-Shops kann die Button-Lösung jedoch einen großen Umstellungsaufwand bedeuten.

7. Gesetzesänderungen beim Gründungszuschuss 2012

Nicht alle Gesetzesänderungen waren positiv. So ist ab diesem Jahr die Zusage für den Gründerzuschuss von der Arbeitsagentur schwieriger zu bekommen.

Seit Januar dieses Jahres gelten die neuen Regeln. Die erforderliche Restanspruchsdauer auf Arbeitslosengeld erhöht sich von 90 auf 150 Tage. Die erste Förderphase (Zuschuss in Höhe des Arbeitslosengeldes plus Pauschale in Höhe von 300 Euro) wird von neun auf sechs Monate gekürzt. Die zweite Förderphase (Pauschale in Höhe von 300 Euro) wird von sechs auf neun Monate verlängert. Damit liegt die mögliche Gesamtförderdauer weiterhin bei 15 Monaten, es wird insgesamt aber weniger Geld ausgeschüttet.

Der Gründungszuschuss hat sich außerdem von einer teilweisen Pflicht- in eine vollständige Ermessensleistung umgewandelt. Das heißt, nur noch der Sachbearbeiter entscheidet über die Gewährung des Gründungszuschusses. Die Tragfähigkeit der Konzepte wird aber nach wie vor von den sachverständigen Experten der Verbände, Handwerkskammern und Industrie- und Handelskammern geprüft.

Im Ergebnis heißt das, es ist noch wichtiger geworden, sich gut auf die Gründung des eigenen Unternehmens vorzubereiten. Eine gute Idee samt profunder Planung überzeugt auch den Sachbearbeiter bei der Arbeitsagentur. 

8. Arbeitslosenversicherung für Selbständige

Auch hier sparen die Arbeitsagenturen zulasten der Selbständigen. Der monatliche Beitrag zur freiwilligen Arbeitslosenversicherung steigt auf 78,75 Euro in den alten und auf 67,20 Euro in den neuen Bundesländern. Für Gründer gilt jedoch eine Sonderreglung. Sie zahlen im ersten Jahr lediglich 50 Prozent des Beitrags.

Über den Autor

Gesetzesänderungen

GesetzesänderungenRBS Kipke berät kleine und mittelständische Unternehmen. Die Kanzlei unterstützt ihre Mandanten bei der Wahl der geeigneten Rechtsform, der Ausgestaltung von Arbeitsverhältnissen, Gesellschaftsverträgen und Allgemeinen Geschäftsbedingungen sowie Verhandlungen mit Investoren. Zusätzlich bietet RBS Kipke ein zuverlässiges Forderungsmanagement, das Umsatzausfälle minimiert und den Aufwand mit säumigen Kunden verringert. Mehr unter www.rbs-kipke.de.

Buchhaltung automatisieren und Zeit sparen

Lerne in 4 einfachen Schritten, wie deine Finanzen automatisierst und nie mehr Kopfschmerzen wegen der Buchhaltung haben musst.

2 Kommentare

  • Sehr gute Auflistung aller neuen Änderungen. Mit dieser Checkliste hat man alles wichtige direkt im Blick. Das ein oder andere war mir bis dato wirklich nicht bewusst.

    Danke dafür!
  • Das mit den Kindergeld und Co. hast du sehr gut erklärt. Danach habe ich gesucht und endlich mal verstanden. Lg, Sarah von www.sarahhatsgetestet.de

Was denkst du?

Buchhaltung automatisieren
und Zeit sparen

Lerne in 4 einfachen Schritten, wie deine Finanzen automatisierst und nie mehr Kopfschmerzen wegen der Buchhaltung haben musst.

Überzeuge dich selbst

Automatischer Beleg-AssistentBankingBusiness Apps synchronisierenBelege erfassenRechnungen schreiben

Kostenlose Tools

Mehrwertsteuer RechnerKostenlose RechnungsvorlageFinanz-Lexikon

Beliebte Beiträge

So funktioniert die EÜRNebenberuflich Selbständig machenSo kommst du zum Gewerbeschein

Mehr als 70.000 Kunden nutzen schon FastBill

Jetzt kostenlos testen!