Urlaub als Selbstständiger - zwischen Angst und Freiheit

Moritz Lampkemeyer 04. Juli 2018 0
Urlaub als Selbstständiger - zwischen Angst und Freiheit

Urlaub als Selbstständiger ist toll. Du kannst ihn dir einfach nehmen, ohne Freigabe vom Chef, musst nicht mal einen Urlaubsantrag ausfüllen und niemand schreibt dir vor, wieviele Tage du pro Jahr nehmen darfst.

Was viele Angestellte sich als paradiesischen Zustand ausmalen, bleibt oft eine Wunschvorstellung. In der Realität bedeutet Urlaub als Selbstständiger oft Angst statt Freiheit und Unsicherheit statt Entspannung. In diesem Beitrag beleuchten wir die Hintergründe von Angst und Unsicherheit und geben Tipps für mehr Freiheit und Entspannung im Urlaub. Das ist wichtig, denn Selbstständigkeit wird in Zukunft immer relevanter werden.

Freiheit statt Freigabe

Kein Antrag, keine Freigabe, nichts kann dich als Selbstständiger davon abhalten einfach Urlaub zu machen. Du bist frei. Das stimmt zwar, aber ein Recht darauf hast du trotzdem nicht.

Jeder Angestellte hat, bei einer 5-Tage-Woche, Anspruch auf mindestens 20 Tage bezahlten Urlaub im Jahr, oft sind es sogar 25 bis 30 Tage. Dieser gesetzlich geregelte Urlaubsanspruch soll ausreichend Erholung als Ausgleich zur Arbeit gewährleisten.

Selbstständige haben keinen solchen Anspruch. Die Freiheit ist zwar toll, Selbstständige müssen sie sich allerdings selbst schaffen.

Keine Zeit für Urlaub

Nun ist es jedoch unbestritten, dass auch Selbstständige Zeit zur Erholung benötigen. Doch während bei Angestellten oft darauf geachtet wird, dass diese regelmäßig Urlaub nehmen, heißt es bei Selbstständigen oft: "Keine Zeit für Urlaub."

Der Druck, ständig für Kunden erreichbar sein zu müssen, ist extrem hoch. Dazu schleicht sich die immer stärkere Vermischung von Privat- und Arbeitsleben in den Alltag der Selbstständigen ein, ohne dass bewusst Zeit für Erholungsphasen - sowohl kurze Auszeiten wie auch Urlaub  - geschaffen wird.

"Wenn der Beruf zur Berufung wird, trifft man häufig auf Menschen mit einem hohen Maß an Selbstausbeutung."

- Stefan Poppelreuter, Psychologe für DIE ZEIT

Kreativität lebt von Regeneration

Die nahende Deadline wird vor allem von Kreativen häufig als Muse angepriesen. Was kurzzeitig funktioniert, ist jedoch keine dauerhafte Lösung. Denn wer sich nicht regelmäßig erholt, wird auf Dauer nicht kreativ arbeiten können.  Dazu gehört ausreichend Schlaf genauso wie echter Erholungsurlaub.

Es ist also wichtig, dass auch Selbstständige im Urlaub dieselbe Freiheit spüren können wie Angestellte. Denn nur so können sie abschalten und sich wirklich regenerieren.


Du bist noch nicht selbstständig? Lies unseren Artikel:
"Selbstständig machen:
In 8 Schritten zur beruflichen Unabhängigkeit"


Angst statt Auszeit

Urlaub als Unternehmer bedeutet oft, E-Mails und Telefonate auch im Paradies zu beantworten. Das nächste Projekt ist immer dabei, entweder auf dem Laptop, mindestens aber im Hinterkopf. Genau wie das schlechte Gewissen, weil keine Rechnungen gestellt werden können. 

Kein Urlaubsgeld für Selbstständige

Und das nicht ohne Grund. Während Angestellte einfach bezahlten Urlaub nehmen, ist das für Selbstständige keine Option. Wird nicht gearbeitet, gibt es auch keine Bezahlung. Dein Urlaubsgeld musst du dir also im restlichen Jahr erwirtschaften.

Das resultiert oft in Ängsten, die wiederum dafür sorgen, dass Selbstständige ihren Urlaub nicht genießen können oder überhaupt keinen Urlaub machen.

Work-Life-Gemisch

Wer im Home Office arbeitet, kann oft sowieso kaum noch zwischen Arbeit und Freizeit unterscheiden. Smartphone und Laptop werden sowohl privat als auch beruflich genutzt, sodass auch Kunden eigentlich rund um die Uhr anrufen können oder bei Facebook schreiben.

Diese unklare Trennung sorgt dafür, dass sich der Stress und der Druck, ständig erreichbar sein zu müssen, auch schnell auf die wirklich arbeitsfreie Zeit, den Urlaub übertragt.

So klappt es mit dem Urlaub als Selbstständiger

Urlaub als Selbstständiger

Nachfolgend noch sechs Tipps, die dir die Urlaubsplanung als Selbstständiger erleichtern sollen. Wie machst du deine Urlaubsplanung? Erzähle uns davon in den Kommentaren! ⬇️

Setze dir ein Urlaubs-Jahresziel 🎯

Mach deinen Urlaub messbar, indem du ihn in die Jahresplanung aufnimmst. Dabei solltest du so spezifisch wie möglich werden, damit du hinterher besser kontrollieren kannst, ob du es erreicht hast. Du kannst zum Beispiel definieren, dass du im nächsten Jahr einen Urlaub machst, der mindestens 3 Wochen lang ist, einmal eine Woche Urlaub machst und dir 3 mehrtägige Städtetrips vornimmst.

Je konkreter du dabei wirst, desto besser lässt es sich für dich im Voraus planen, wann du wo zu welchem Preis Urlaub machen wirst. Dann kannst du deine Projekte anschließend gemeinsam mit deinen Kunden drumherum planen.

Plane deinen Urlaub frühzeitig 📆

Wie gerade beschrieben, solltest du so früh wie möglich mit der Urlaubsplanung beginnen. Das hat einerseits den Vorteil, dass du frühzeitig weißt in welchem Zeitraum du nicht für Kunden und Projekte zur Verfügung stehen wirst. Andererseits ist es meist noch günstiger, wenn du deinen Urlaub möglichst früh buchst.

Wenn du frühzeitig planst, kann du dies bei neuen Projekten direkt zu Beginn klar kommunizieren, sodass dein Kunde es bei der Planung berücksichtigen kann.

Kalkuliere dein Urlaubsbudget 💰

Ganz wichtig ist eine saubere Kalkulation deines Budgets, da viele Selbstständige vor allem aus diesem Grund keinen bzw. zu wenig Urlaub machen. Dabei gibt es verschiedene Methoden und Hilfsmittel, welche die Budgetplanung deutlich vereinfachen.

Du kannst zum Beispiel mit Töpfen arbeiten. Das solltest du als Selbstständiger sowieso machen, um keine Überraschung bei Einkommens- und Umsatzsteuer zu erleben. Richte dir einfach noch einen Urlaubstopf ein und lege jeden Monat einen fixen Betrag in diesem Topf zurück. Alternativ kannst du auch X Prozent von jeder Rechnung einzahlen.

Such dir eine Vertretung 👨‍💻

Was tun, wenn dann doch am Flughafen der Lieblingskunde anruft und ein super spannendes Projekt auf Lager hat? Versuche dir für diesen Fall eine Urlaubsvertretung zu organisieren. So wird dein Kunde auch während deines Urlaubs betreut und du kannst nach ein paar Wochen komplett entspannt wieder das Ruder übernehmen.

Im besten Fall, auch wenn ihr befreundet seid oder gerade deshalb, legt ihr vertraglich fest, was deine Urlaubsvertretung für dich regelt. So verhindert ihr, dass es anschließend zum Streit um einen Kunden kommt.

Schalt auch im Alltag ab 📱

Damit du Stress und Druck im Urlaub wirklich vergessen kannst, solltest du es gar nicht erst zur Gewohnheit werden lassen. Setze dir feste Zeiten, in denen du echte Freizeit hast. Versetze beispielsweise dein Smartphone in den Flugmodus und klapp den Laptop zu. So fällt es dir auch im Urlaub leichter, deine Freizeit wirklich genießen zu können.

Mach ausreichend lange Urlaub 🏝️

Damit du deinen Urlaub richtig genießen kannst, solltest du mindestens einmal im Jahr für zwei bis drei Wochen am Stück Urlaub machen. Mit frühzeitiger Planung, einer guten Kalkulation und einem konkreten Urlaubs-Jahresziel sollte ein solch "langer" Zeitraum kein Problem für dich darstellen.

Erkenne deine Erfolge an 💪

Um im Urlaub wirklich entspannen zu können, solltest du dir bewusst machen, was du bisher erreicht hast. Erkenne deine Erfolge an und lass dich im Urlaub nicht vom nächsten Projekt stressen, sondern reflektiere deine vergangenen Projekte. Was lief richtig gut, was du definitiv wiederholen wirst? Sieh den Urlaub als das an, was er ist: Eine Belohnung für deine harte Arbeit im restlichen Jahr! 

Oder du wirst einfach digitaler Nomade und arbeitest da, wo andere Urlaub machen! ☀️

Wie machst du deine Urlaubsplanung? Erzähle uns davon in den Kommentaren! ⬇️

Noch keine Kommentare vorhanden.

Was denkst du?

Mehr als 70.000 Kunden nutzen schon FastBill

Jetzt kostenlos testen!