Startup Lifestyle ist mehr, als nur ein Kicker im Büro

Julian Moeser 20. Oktober 2014 2
Startup Lifestyle ist mehr, als nur ein Kicker im Büro

“Wir müssen Wertschöpfung und Arbeit neu organisieren. Wenn wir es nicht tun, tun es andere. Und wir verschwinden vom Markt.”

Dr. Juergen Erbeldinger, CEO partake AG

Dieses Zitat stammt aus dem Vorwort des Buches “New Business Order” von Lena Schiller Clausen und Christoph Giesa. Und es steckt viel wahres darin. Denn die Arbeitswelt ist im Wandel.

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Based on a Photo by Todd Quackenbush

Erst kürzlich schaffte Microsoft die Büropflicht für seine Mitarbeiter ab und setzte damit ein deutliches Zeichen gegen Yahoo, wo man sie bereits 2013 aufgrund mangelnder Organisation wieder einführte.

Parallel dazu nimmt die Berichterstattung über die Generation Y in der Presse weiter zu. Demnach geht es diesen Menschen besonders um die Art, wie sie Arbeiten. So schreibt das Magazin NEON, dass nur 43% der jungen Deutschen für einen guten Job weniger Freizeit in Kauf nehmen würden.

Warum will die junge Arbeitswelt aus den alten Strukturen ausbrechen und wie sieht ein Lifestyle in diesen neuen Strukturen aus?

Warum brechen wir aus?

Durch die zunehmende Digitalisierung jeglicher Alltagsprozesse vereinfacht sich unser Leben. Die Einkaufsliste kann immer abgerufen, das Paket verfolgt oder die Temperatur im Eigenheim per Smartphone geregelt werden.

Mit FastBill lassen sich die Finanzen von überall im Blick behalten und durch die Cloud werden Aktenordner plötzlich überflüssig.

Mit anderen Worten: Wir müssen nicht mehr an einem bestimmten Ort sein, um Dinge zu erledigen, die zu unseren alltäglichen Aufgaben gehören.

Das betrifft natürlich auch den Job. Wer braucht schon ein Teammeeting, wenn es Hangouts gibt? Warum sollte ich mich mit meinem Laptop ins Büro setzen um diesen Artikel zu verfassen, wenn ich es rein theoretisch auch Zuhause im Bett tun kann?

Wir profitieren von Opportunitäten, die sich unsere Vorgenerationen kaum erträumt hätten. Und genau diese Vielfalt an Möglichkeiten ist es, die Horizonte öffnet. Die ein Ausbrechen aus den Normen und Traditionen Realität werden lässt.

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Kein Wunder also, dass die Generation, die mit dieser Fülle an Möglichkeiten aufwuchs, sie in jeder Lebenslage auslebt und als Problemlösung für jeden Lebensumstand anwendet. Das gleiche passiert auch in der Arbeitswelt.

Es gilt, aus jeder Situation das bestmögliche Erlebnis für die eigene Person rauszuholen, ohne dabei die Arbeit zu vernachlässigen. Eine dadurch entstehende Qualitätssteigerung – entstanden durch eine vielfach höhere Motivation – ist dabei gern gesehen.

Dieses Erlebnis kann ein Mehrwert sein, der auf den ersten Blick für Außenstehende vielleicht gar keiner ist. Nehmen wir als Beispiel den Gedanken sein eigener Chef zu sein und selbstbestimmte Entscheidungen, samt Konsequenzen zu verantworten. Oder die Freiheit mehr als nur eine Aufgabe erledigen zu können; nicht weil man die nötige Qualifikation besitzt, sondern einfach nur um die Erfahrung zu machen und daraus zu lernen.

Ein anderer Mehrwert kann der Aufenthaltsort sein. Diesen Mehrwert hat vor allem die Szene der Digitalen Nomaden für sich erkannt. Ortsunabhängiges, webbasiertes Arbeiten – so der Leitgedanke der Bewegung, die immer mehr Anhänger findet.

Der Startup Lifestyle

Der Begriff Startup ist mittlerweile selbst betagteren Generationen geläufig. Allerdings herrscht immernoch eine große Unwissenheit, was genau diesen Startup-Lifestyle eigentlich ausmacht.

Um eine Antwort geben zu können habe ich mich in der Szene umgehört und Antworten gesucht auf die Frage:

“Was bedeutet für dich “Startup Lifestyle”?

Die Antworten waren teils sehr überraschend. Immer wieder wurde geäußert, dass es vor allem das Mehr an Arbeit ist, was diesen Lifestyle definiert. Schnell könnte man schlussfolgern, dass sich der Begriff Gründer als schönklingendes Synonym zum Workaholic etabliert.

Doch so einfach ist es nicht.

Vielmehr sind es neben einigen anderen Aspekten vor allem zwei Dinge, die die Gründer in dieser Szene antreiben:

Feuer & Leidenschaft!

Sie brennen für ihr Ding und wollen erfolgreich sein. Dieser Wille geht soweit, dass weniger Zeit für die Familie und Freunde gerne hingenommen wird. Dabei steht dies dem Ergebnis der o.g. NEON-Umfrage entgegen.

Wer sich mal in einen Coworking Space begeben hat – einen der Orte, an denen viele Startup Ideen entstehen – vernimmt diese ungewohnte Stimmung. Wenn man dort eine Idee äußert, stößt man auf freundliches, offenherziges und ehrliches Interesse, Feedback und auf Ermutigung.

Die typisch Deutsche Skepsis vor neuen Dingen und die Angst, aus dem festen Fundament des Bekannten und Vertrauten gerissen zu werden, scheint wie ausgeknipst.

Multitasking – Fluch und Segen
Wer in einem Startup arbeitet muss Multitasking-fähig sein. Denn das Geld, für jede Aufgabe den passend qualifizierten Mitarbeiter einzustellen ist schlichtweg nicht vorhanden. Das ist auf der einen Seite ein Segen, denn durch die vielfältigen zu erledigenden Dinge lernt man immens.

Man wird zum Marketing-, Finanz-, Pitch-, Networking- und Coffee-Junkie. Und lernt, sich autodidaktisch mit dingen zu beschäftigen, bis sie verstanden wurden.

Auf der anderen Seite ist das Multitasking jedoch auch ein Fluch, da man schnell dazu neigt, alles gleichzeitig machen zu wollen. Dass das nicht geht und daraus nur halbfertige und -herzige Resultate entstehen können, sollte klar sein. Ein wichtiges und unerlässliches Learning ist daher Focussing.

Der obligatorische Kicker
Ja, an dem Kicker-Mythos ist etwas dran. Er ist das Statussymbol der Startup Gemeinde und gehört praktisch zur Grundausstattung eines Startup-Büros. Das war es aber noch nicht. Typische Startups zeichnen sich nicht durch einen Kicker aus, sondern vielmehr durch die Stimmung und Flexibilität.

Work-Life-Balance
Böse Zungen behaupten, dass die Startup Szene einen nicht unbeträchtlichen Beitrag zum momentan anhaltenden Yoga-Hype leistet. Und auch ich möchte es nicht gänzlich ausschließen, denn durch die gerade genannten Umstände lernt man auch, sich nach der Arbeit zum Abschalten zu zwingen.

Chancen bekommt (fast) jeder
„Du brauchst ‚was vorzeigbares!“ – so hieß es immer. Ohne Ausbildung oder akademischen Abschluss wurde man früher oft abgestempelt. Umso verwunderlicher, dass in der Startup-Welt kaum auf Abschlüsse oder Titel geachtet wird. Vielmehr geht es um persönliche Fähigkeiten, das Brennen für ein Thema und die Teamkompatibilität.

Status: dauer-beta – Learnings gehören zum guten Ton

Schlagworte, die hinsichtlich der Arbeitsatmosphäre in der Startup-Szene immer wieder zu hören sind:

  • Gleitzeit
  • Homeoffice
  • Coworking
  • Mädchen für Alles
  • Persönliche Entwicklung
  • Team-Event
  • beta

Vor allem das letzte Wort sollten wir uns nochmal ansehen. Ursprünglich aus dem Programmierumfeld stammend, beschreibt der Begriff beta einen halbfertigen, nicht finalen Zustand einer Software. Startups haben diesen Begriff für sich entdeckt – und eine gewisse Analogie lässt sich tatsächlich erkennen.

Denn es gibt kein Startup, das nie Fehler gemacht hat, das von Anfang an perfekt funktionierte. Egal, in welcher Größenordnung wir uns bewegen. Der interessante Fakt dabei ist, dass auch kein Startup ein Problem hat, genau das zuzugeben. Learnings aus Fehlern ziehen, das gehört zum guten Ton der Startup Szene.

Der Scheideweg: Startup oder Konzern?

Irgendwann kommt in jeder Karriere der Punkt an dem man sich entscheiden muss: Konzern oder nicht? Sicherlich hat die Konzernkarriere noch viele Fürsprecher, jedoch möchte ich jedem ans Herz legen, das Arbeiten in einem Startup auszuprobieren, bevor man vorschnell urteilt.

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2 Kommentare

  • […] unberechtigt. Natürlich hat nicht jeder das Zeug zum Gründer. Und natürlich wird nicht jedes Startup erfolgreich. Aber lass mich die Frage umdrehen: Wieso solltest gerade Du es nicht […]
  • Interessante Beobachtungen - zu denen ich gerne meine eigenen Erfahrungen mit der Szene (v.a. um 2005) beisteuern möchte:

    Das blinde Anfeuern untereinander halte ich für gleichermassen wichtig und gefährlich. Da Startups ein riesiges Maß an Disziplin und Selbstorganisation erfordern ist es unheimlich wichtig auch zu verstehen wenn Dinge schief laufen und wann das Experiment gescheitert ist. Statt dem beliebten "Epic Fail" lieber viele kleine Fails in rascher Abfolge, damit der Lerneffekt höher ist.

    Dazu passt auch gut, etwas zum Vorzeigen zu haben - allerdings ein Produkt. Je früher es zumindest für eine kleine Gruppe Early Adopter eine wichtige Lücke schliesst und einen Mehrwert bietet desto besser. 5-jahres-Plan und Exit-Strategie können da nix gegen. Und auch kein Kicker.

    Der ist für mich zu einem klaren Warnsignal geworden: Wenn ich einen Kicker sehe aber kein belastbares Geschäftsmodell ist für mich mittlerweile klar: Hier steht Spaß im Vordergrund, nicht Freude an der Arbeit aber der Versuch aus ihr auszubrechen. Ein hohles Versprechen, der Kicker verstaubt während der Entrepreneur Raubbau an sich selbst betreibt. Anstatt an wichtigen Sachen arbeitet er irgendwann nur noch an dringenden Sache, ist fremdgesteuert und behält keinen Überblick mehr.

    Ja, auch ich hätte zu meiner Zeit sicher von einer übersichtlichen Buchhaltung wie Fastbill profitiert, die mich immer wieder darauf stösst was wirklich zählt, nämlich die Bottom Line. Und nicht wie viele Kicker oder in meinem Fall Xboxen man im Büro stehen hat.

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