Selbstzweifel als Gründer: Wieso sollte gerade ich es schaffen?

Benjamin Michels 09. Juni 2015 3
Selbstzweifel als Gründer: Wieso sollte gerade ich es schaffen?

Das ist eine der häufigsten Fragen, die ich von Existenzgründern höre. Sie zeigt, wie groß die Zweifel an der eigenen Gründerperson sind. Und doch ist sie nicht unberechtigt. Natürlich hat nicht jeder das Zeug zum Gründer. Und natürlich wird nicht jedes Startup erfolgreich. Aber lass mich die Frage umdrehen: Wieso solltest gerade Du es nicht schaffen?

Wir starten nicht aus der Komfortzone

Leider starten wir in der Regel nicht aus der Komfortzone. Denn höchstwahrscheinlich wirst du nicht alle der folgenden Fragen positiv beantworten können:

  • Geht es mir gut?
  • Macht mir meine Arbeit Spaß?
  • Bin ich finanziell unabhängig?
  • Fühle ich mich selbst erfüllt?
  • Bin ich zufrieden?

Oft ist es sogar so, dass die Existenzgründer, die ich betreue, nicht eine der Fragen positiv beantworten können. Das ist nun wirklich alles, aber keine Komfortzone. Wenn es mir mit meiner Arbeit nicht gut geht, es mir keinen Spaß macht, ich finanziell schon eingeschränkt bin und mir Selbsterfüllung sowie Zufriedenheit fehlen, dann ist das ein denkbar schlechter Startpunkt. Trotzdem lohnt es sich genau an einem solchen Punkt zu starten, du musst nur deine Selbstzweifel in den Griff bekommen.

Selbstzweifel lähmen dich

Das schlimme an Selbstzweifeln ist, dass sie wie eine wabernde graue Wolke sind, die wir kaum wahrnehmen können. Wir wissen aber, dass sie da sind. Sie können uns plötzlich übermannen. Urplötzlich tauchen die Fragen bei uns im Kopf auf:

„Kann ich es wirklich schaffen?“, „Warum sollte gerade ich es schaffen?“, „Die anderen sind doch viel besser als ich!“, „Die anderen haben mehr Kapital.“, „Wird der Kunde mit meinem Angebot wirklich zufrieden sein?“, …

Diese Gedanken führen zu einer Lähmung.

Dir wird alle Kraft und das Vertrauen in dich selbst genommen. Hinzu kommt die große Angst vor Wissenslücken („Was ist, wenn ein Kunde mich genau das fragt, was ich nicht weiß …“) und die noch viel größere Angst mit dem ganzen Vorhaben zu scheitern. Das Ergebnis ist, dass du zwischen maximaler Energie (du kannst endlich das machen, was du willst) und frustrierender Paralyse (Selbstzweifel) hin und her pendelst.

Ein Zustand, der sehr viel Kraft kostet und dir im schlimmsten Fall dein Gründungsvorhaben kaputt machen kann.

Lerne dich kennen

Der erste Schritt auf deinem Weg um deine Selbstzweifel hinter dir zu lassen, ist es, dich selbst besser kennenzulernen. Und damit meine ich in erster Linie deine Glaubenssätze. Dabei können dir die folgenden Fragen weiterhelfen:

  • Was denke ich von mir?
  • Wie ist mein Selbstbild?
  • Was kann ich leisten?
  • Was schaffe ich auf keinen Fall?

In der Regel bist du selbst dein größter Kritiker. Diese Kritik wird durch deine Glaubenssätze deutlich. Kannst du dir überhaupt vollends zugestehen, dass du es schaffen kannst? Bist du davon überzeugt, dass du das leisten kannst, was für deine Gründung notwendig ist? Oder denkst du am Ende wirklich, dass du es auf keinen Fall schaffen kannst?

Im Grunde genommen geht es darum, dass du für dich erschließt, ob du selbst hinter dir stehst. Denn der erste Fan, den du brauchst, bist du selbst. Wenn du diesen einen Fan schon nicht gewinnen kannst, wird es dir mit den anderen umso schwerer fallen.

Doch denk daran, Selbstzweifel sind kein Indiz dafür, ob du es schaffen kannst oder nicht. Sie sind letztlich auch kein Indiz dafür, dass du nicht an dich glaubst. Erst wenn du dich intensiv mit deiner Weltsicht und deinen eigenen Glaubenssätzen auseinandersetzt, nur dann kannst du wirklich erfahren, ob du an dich glaubst.

Deine Selbstzweifel sind im Grunde nur ein Störgeräusch. Sie können extrem laut, sie können extrem anstrengend sein, aber du kannst lernen, wie du sie abschalten kannst.

Soforthilfe – wie du deine Selbstzweifel abschalten kannst

Es gibt ein paar Möglichkeiten, wie du sofort gegen deine Selbstzweifel vorgehen kannst. Ich möchte dir drei mögliche Techniken vorstellen:

Das Stoppschild

Immer, wenn du merkst, dass sich Selbstzweifel in deinen Kopf stehlen, heißt es: „Stopp!“. Stell dir ein riesiges rotes Stoppschild vor. Du musst es vor deinem geistigen Auge sehen. Konzentriere dich ausschließlich auf das rote Schild. Und sprich nach Möglichkeit das „Stopp!“ laut aus. Hierdurch unterbrichst du die Gedankenkette, die deine Selbstzweifel in Gang gebracht haben.

Je öfter du diese Technik einsetzt, desto besser wird sie auch funktionieren. Du trainierst deinen Geist darauf, die Gedankenketten der Selbstzweifel aktiv zu unterbrechen und ihnen nicht statt zu geben.

Blick über die eigene Schulter

Eine weitere Möglichkeit ist es, dir selbst über die Schulter zu schauen. Viele Selbstzweifel hängen mit konkreten Situationen zusammen. Was passiert, wenn der Fall X eintritt. Oder was passiert, wenn der Kunde mich Y fragt. Das große Problem ist, dass all diese Ängste irrational und unkonkret sind. Du malst dir eine Situation aus, die sich für dich einfach nur schlecht anfühlt.

Dabei setzt dein Verstand die normalen Regeln unserer Welt einfach außer Kraft. Der Blick über die eigene Schulter kann dich zurück in die Realität holen.

Stell dir die Situation konkret vor, vor der du Angst hast. Betrachte dich dabei selbst von außen. Stell dir vor, du stehst ein kleines Stück neben dir und kannst dir selbst zuschauen. Bewerte die Situation nicht. Schau dir einfach an, was passiert.

In der Regel reicht es vollkommen aus, die gefürchtete Situation aus den Augen eines Dritten zu betrachten, damit die Selbstzweifel ihre Kraft verlieren.

Bewerte Hermann

Wir haben ihn alle, unseren inneren Kritiker. Der Hamburger Psychologe und Coach Tom Diesbrock gab dem inneren Kritiker einen Namen: Hermann. In der Regel wirst du keine gute Unterhaltungskultur mit Hermann haben. Wahrscheinlich wird er in schwierigen Moment kurz in deinen Kopf reinschauen und eine kleine Hasstirade loslassen.

Doch ist das konstruktiv?

selbstzweifel-gruendung

Fang an deinen inneren Kritiker zu bewerten. Auf einer Skala von 1 (destruktiv) bis 10 (konstruktiv), wie konstruktiv ist die Kritik, die Hermann an dir übt? Ist das konstruktive Kritik, die dir hilft deine Idee weiter zu entwickeln? Oder ist die Kritik destruktiv und löst einfach nur ein lähmendes Gefühl von Schwäche und Hilfslosigkeit in dir aus?

Im zweiten Schritt kannst du dir angewöhnen, aktiv Gespräche mit Hermann zu führen. Stell dir vor, er sitzt neben dir auf einem Stuhl und stellt einfach nur eine weitere Meinung dar. Kannst du dem, was Hermanns sagt, zustimmen? Oder bist du anderer Meinung? Und was würde Hermann zu deinen Argumenten sagen?

Statt die Kritik Hermanns still über dich ergehen zu lassen, solltest du mit ihm in den Dialog gehen.

Du hast deine Selbstzweifel in der Hand

Den meisten Existenzgründern ist nicht bewusst, dass sie ihre Selbstzweifel selbst in der Hand haben. Das gilt auch für dich. Du kannst selbst bestimmen, ob du dich bremsen lässt oder wie eine Rakete durchstartest!

Die Techniken, die ich eben erklärt habe, sind nur drei von vielen Übungen, die ich mit meinen Coachees durchführe. Denn bisher ist mir, besonders bei meiner Arbeit als KfW-geförderter Gründercoach, noch kein Gründer begegnet, der frei von Selbstzweifeln gewesen wäre. Gerade für Menschen mit starken Selbstzweifeln habe ich den Kurs Selbstzweifel in der Existenzgründung überwinden entworfen. In diesem Kurs gibt es insgesamt 13 Lektionen, mit denen du Stück für Stück an dir arbeiten kannst.

Zusätzlich habe ich vor kurzem auch ein einstündiges Webinar zu diesem Thema gehalten. Du kannst dir die Aufzeichnung gerne kostenlos auf meiner Webseite anschauen und von weiteren Tipps und Tricks gegen Selbstzweifel erfahren.

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3 Kommentare

  • […] Bei all dem ist allerdings wichtig, dass die Zeit nie so knapp ist, dass die Aufgaben nicht machbar sind bzw. nicht in dieser Zeitspanne. Das wiederum würde bedeuten, dass der Druck (der ja durchaus positiv sein kann) in ein sehr kritisches und überwältigendes Gefühl wechselt, das leicht am eigenen Selbstvertrauen nagt. […]

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