Podcast #1: Empathie, AI, Frauen & Finanzen, Autismus, uvm.

Moritz Lampkemeyer 06. Februar 2019 1
Podcast #1: Empathie, AI, Frauen & Finanzen, Autismus, uvm.
"Das ist ja eher so… professioneller Freak Style, was du machst!"

So hat ein Kollege mal versucht zu beschreiben, was Barbara eigentlich macht.

Sie bezeichnet sich selbst Verhaltensmathematikerin, berät Selbstständige und Unternehmen zum Thema kognitiver Empathie, setzt sich bei Lean In für Frauen (und Männer!) ein, ist Autistin und möchte die Welt vor AI bewahren, die bestimmte Gruppen von Menschen benachteiligt.

Sonst noch was? Jede Menge. Press play!

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Shownotes zum Podcast

➡️ Empathic Business: http://www.barbara-lampl.de/

➡️ Lean In: https://leanin.org/circles

➡️ Barbaras Lieblingsbuch: https://www.amazon.de/Meister-Margarita-Roman-Michail-Bulgakow/dp/3630620930

➡️ Barbaras Buchempfehlung: https://www.amazon.de/Great-Work-Performers-Better-Achieve-ebook/dp/B074ZKB2QT

➡️ Barbara auf Twitter: https://twitter.com/barbaralampl

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Vollständiges Transkript des Podcasts

Moritz: Herzlich willkommen zu Tax, Bills and Rock'n Roll. Ich bin Moritz, Host des FastBill Podcasts. Mein erster Gast ist Barbara Lampl. Wir sprechen über Empathie in der Finanzbranche, über A.I. die Frauen benachteiligt, über Autismus und vieles mehr. Alle Infos zur Folge, die Shownotes sowie das aktuelle Gewinnspiel, findest du wie immer auf fastbill.com/podcast. Bevor es losgeht, möchte ich noch kurz unseren Partner für diese Folge vorstellen.

Diese Folge wird präsentiert von Daylite, dem CRM-System für macOS und iOS. Daylite bietet eine Schnittstelle, mit der du unter anderem erfasste Projektzeiten an FastBill übergeben kannst. Daylite wird in Deutschland von unserem Partner iOSXpert vertrieben, dem Ansprechpartner für Business auf Mac und iPhone. Und jetzt viel Spaß mit der ersten Episode von Tax, Bills and Rock'n Roll.

[INTRO]

M: Ich freue mich sehr, dass du heute hier bist, Barbara. Du kommst ursprünglich aus München, wohnst mittlerweile schon relativ lange in Köln, wir haben vorhin schon kurz drüber gesprochen. Hast Mathe, Finance und Psychologie studiert. Bezeichnest dich selber als professionellen Freak, hast einen eigenen Karnevalsverein gegründet und machst auch sonst noch ganz viele erfolgreiche Projekte. Am besten stellst du dich vielleicht einfach nochmal selber kurz vor.

Barbara: Ja der professionelle Freak ist ein verliehener Titel. Irgendwann hat ein Kollege mal, wir hatten uns gerade relativ frisch kennengelernt und er so: "Ja, das ist ja schon irgendwie so, was du so machst, das ist ja so…", "Ja, Kind rede mit mir", „…eher so professioneller Freak-Style." Also daher kommt dieser Titel. Die meisten können es besser ein bisschen zuordnen, es hat sich irgendwann eingebürgert, mich als Verhaltensmathematikerin zu bezeichnen, weil das sicherlich all das zusammenfasst, was ich am meisten tue. Es ist das harte Mathematische, das dann eben die psychologische Seite, das der Verhaltenswissenschaften hineinbringt, also Motivation und ähnliches interessiert mich eher weniger. Und das führt eben in zigtausend Geschichten von verschiedenen Companies, die ich über die Jahre gegründet habe, als auch der Schwerpunkt, den ich heute mache. Wobei es ist gar nicht so sehr der Schwerpunkt den ich heute mache, es ist eher so eine Fokussierung auf das, was früher nicht machbar gewesen ist, weil die data science, so wie wir sie heute rechnen können, haben wir, als ich es mal studiert habe in der Theorie uns überlegt haben, aber die Hardware war einfach nicht da. Und das sind sicherlich so die zwei größten Punkte, die dann so zusammenkommen. Strategien zu entwickeln auch basierend auf menschliches Verhalten und immer mehr diese Sachen dann eben auch mit der harten Data-Seite zu kombinieren. Da ich eben ein Ursprungskind des Finanzmarktes bin und da mal ursprünglich eingestiegen bin, sind das so die drei großen Sachen, die zusammenkommen.

M: Was heißt das denn ganz konkret? Ich habe ganz viele Sachen rausgefunden: Projekt rosa Einhörner; du bist glaube ich, die Circle-Führerin von Lean In in Köln und warst dafür glaube ich auch in San Francisco; dein Steckenpferd ist ja, glaube ich, Empathic Business; du machst Sales Trainings; gibst Gründungs- und Finanzworkshops; den Business Lunch veranstaltest du, glaube ich, in Köln. Also alles Mögliche, was ist denn aktuell so der Fokus?

B: Ich glaube, es ist leichter den Fokus zu erklären, dadurch, dass sich meine Klientel ein bisschen unterscheidet von dem, was man immer so denken könnte, was der klassische Consultant macht. Die klassische Unternehmensberatung ist sicherlich eher verankert in, irgendwie berate mal den Mittelstand. Das mache ich auch, aber ich habe eine sehr spezielle Klientel. Ich sag immer das sind meine One-Man- und One-Woman-Super-Shows, ungefähr bis zehn Mitarbeiter ist es dann immer noch. Das sind einfach Kleinstunternehmer die, wenn man Strategien für Sales oder Business Development entwickelt, extrem schnell umsetzen können, um mal für mich eben wichtig ist, dass ich sehe, dass die Strategien funktionieren. Und darunter fallen dann solche Geschichten wie Projekt rosa Einhörner, darunter fällt eben auch, ich bin ein großer Freund von lass uns doch bitte offline treffen und dafür veranstalte ich dann so offene Formate wie den Business Lunch, wo einfach jeder dazukommen kann, der irgendwie Lust hat, nicht alleine Mittag zu essen. Ja, Lean in ist ein großer Teil, ich habe den allerersten Circle damals in Deutschland gegründet und bin auch immer noch die Lean in Deutschland Chefin, dafür war ich eben gerade in San Francisco, also Köln, als auch Deutschland und München und noch so ein paar mehr. Am Ende des Tages gibt es noch einen großen Teil, der von außen gar nicht so stark sichtbar ist, der jetzt wieder stärker sich bewährt, ich habe seit einiger Zeit, jetzt auch seit fast drei Jahren, Lehraufträge für data science und diese Sachen jetzt eben auch wirklich sozusagen beide Seiten wieder miteinander zu kombinieren und auch da ist der Mittelstand in Zukunft wieder stärker eingebunden, die in dem Bereich eben zu unterstützen. Dass man diese ganzen Sachen eben mit Daten, Marketing-, Sales-Daten, Business-Development, insbesondere, wenn es eben nicht um den klassischen Bereich von Software as a Service oder sowas geht, sondern um die Dienstleistungen, die einfach wirklich mehr Anspruch dahinter haben, oder die ich halt einfach auch zu einem höheren Preis platzieren muss, da ist der zweite große Teil der Firma sozusagen verankert von Empathic Business, genau.

M: Ich würde gerne mal einsteigen, mal ein bisschen konkreter, bei dem Thema, dass du dich ja auch selber als, oder nicht als Empath bezeichnest, aber du bist ein Empath. Also das ist ja glaube ich dann eher die richtige Formulierung…

B: Ja.

M: Ich hatte einen Podcast gehört, ich weiß gerade nicht mehr, welcher das war, da hast du gesagt, dass es für dich bei Empathie gar nicht so um dieses Thema geht, dass du mitfühlen kannst, sondern eher um das Verständnis für andere Menschen. Inwiefern schlägt sich das denn auch in Business nieder, also in Empathic Business. Was machst du da konkret?

B: Also ich bin ja nicht nur ein Empath, sondern auch ein Autist, so kommt das ja zustande. Und die meisten haben bei Empathie immer die Vorstellung, es ginge nur ums Mitgefühl oder nur ums Mitleiden. Weswegen, wenn du im harten Business-Kontext bist, auch viele immer ablehnen. Okay, komm mir nicht mit dem Buhei, mit der Empathie um die Ecke. Die Argumentationen kenne ich alle. Die Idee dahinter ist aber eigentlich, dass man grundsätzlich verstehen muss, dass es eine Definition von Empathie gibt, die sehr viel früher anfängt und zwar eine Unterscheidung zwischen kognitiver und emotionaler Empathie. Die emotionale Empathie ist das, was wir alle so irgendwie kennen, Mitgefühl und die schlimmste Form, so hart das jetzt klingt, das Mitleiden. Um was es auf der anderen Seite geht ist aber eben, und damit arbeite ich extrem viel und meine Kunden auch sehr viel, die kognitive Empathie. Das heißt, ich muss nicht einen Schmerz haben, aber ich kann deinen Schmerz, zum Beispiel, wenn du dir das Knie angehauen hast, verstehen, weil ich habe mir wahrscheinlich auch schon mal das Knie angehauen. Oder eine generelle Konstruktion auf eben einer kognitiven Ebene. Und das ist sicherlich ein wichtiges Tool, dass man das einfach stärker einsetzen kann, ohne dass ich jetzt mir irgendwie denken muss, so jetzt müssen wir alle mal hier mit der Trommel um das Feuer tanzen. Kognitive Empathie ist sicherlich eines der wichtigsten Dinge. Teile davon finden sich in so klassischen Methoden auch wie im agilen Arbeiten, im Design Thinking, das ist eigentlich alles da, wo es herkommt und ich treibe das ganze halt an der Stelle einfach nur an die Spitze und sage, okay, wenn es da schon eingesetzt wird, dann könnten wir es auch noch zu Ende denken. Und ganz einsetzen, da sind wir dann wieder beim Freak.

M: Okay. Das heißt, du gehst zu den Leuten und hilfst ihnen dabei, ihre Kunden besser zu verstehen und deren Probleme halt zu verstehen?

B: Ja.

M: Oder wie muss man sich das…?

B: Genau, das ist die Grundlage alles Arbeitens, denn am Ende des Tages, wofür gründen wir denn ein Unternehmen. Also ich meine alle machen so die Selbstverwirklichung, das sind dann weniger meine Kunden. Die anderen machen das ja für die anderen. Das heißt, ich muss aber natürlich auch für die anderen verstehen. Und für die anderen ist ein großer Teil Kunden und je größer ein Unternehmen wird, umso mehr muss ich natürlich anerkennen, dass es nicht nur Kunden, also das klassische client-centric ist, sondern eben das human-centered. Weil das schönste, man hilft mir ja nicht, wenn ich meine Kunden verstehe, aber dafür gar nicht die passenden Mitarbeiter habe, oder auch einfach Verständnis zu haben für alle berühmte Stakeholder, die ich habe und Kunden und vielleicht auch Verständnis selbst für das Finanzamt zu entwickeln. Und daraus resultierend zu wissen, okay, wie spreche ich denn mit diesen Menschen, wie erreiche ich die, was sind Zeiträume, dass ich die erreiche und dann kann ich das natürlich umsetzen in die klassischen Felder Marketing und Sales und eben im Bild dann natürlich auf der Unternehmensstrategie.

M: Deine eigenen Kunden sind wahrscheinlich dann ja auch ziemlich breit gestreut also große Kunden.

B: Große Kunden, kleine Kunden, quer durch die Bank.

M: Konzerne, Selbständige, kleine Selbständige?

B: Genau.

M: Was ich ziemlich spannend fand, war auch ein Interview, was du bei Holvi gegeben hast, da hast du gesagt, dass du der festen Überzeugung bist, dass es langfristig keine Businessmodelle mehr gibt, die ohne Empathie auskommen. Also davon bin ich auch überzeugt und das fand ich auch sehr spannend, weil wir waren letzten Woche, war das glaube ich, auf so einem Growth Marketing Summit in Frankfurt und da war ein Speaker, der hat auch gesagt, es gab jetzt ganz lange so eine produktzentrische Phase und er meinte: "Jetzt kommen wir in die Phase, wo der Kunde im Mittelpunkt steht." Er hat gesagt: "USP ist tot, es gibt nicht mehr ein Ding, indem ich als Unternehmen gut sein muss, sondern ich muss halt in allen richtig gut sein."

Gehst du, wenn du eine Beratung machst, auch so tief rein, sage ich mal, dass du dir alle Bereiche und jedes einzelne Detail anguckst und da auch konkrete Handlungsanweisung oder irgendwas in der Richtung halt vorgibst, oder ist es eher so Top-Level, okay, erstmal so Probleme aufzeigen, also wie tief gehst du da rein und wie sieht sowas vielleicht typischerweise aus. Oder um es vielleicht ein bisschen runterzubrechen, wie schaffst du es dann die Empathie in das Unternehmen zu tragen, egal, ob das jetzt ein großes oder ein kleines ist?

B: Ich würde sagen, es kommt so ein bisschen drauf an. In der klassischen, die meisten steigen ein, entweder haben sie eben einen Podcast gehört, oder du machst irgendwie dann wirklich mal so ein High Top-Level, irgendwie einen Vortrag, damit sie überhaupt irgendwie Verständnis dafür haben, ja. Wie gesagt, ich stehe hinter dieser Aussage, es kann keine Geschäftsmodelle in Zukunft mehr geben ohne Empathie. Ohne das Verständnis eben um den Kunden, um die Mitarbeiter, um alle beteiligten Menschen da drin. Kein Mensch kauft beim Roboter ein, es passiert einfach nicht. Die entscheidende finale Entscheidung, es sei denn ihr seid wirklich der high frequency trader an der NASDAQ, okay, dann sind Maschinen mit Maschinen unterwegs, aber ansonsten trifft die maschinelle Entscheidungen sind wir einfach noch nicht und hoffentlich sind wir auch nie ganz dran, dass so passiert. Und ja der USP ist tot. Wir haben, am Ende des Tages, gibt es heute zigtausend vergleichbare Produkte, die, die es besonders gut machen, die verstehen eben genau welches Problem, wo ist der Kunde? Und das ist das interessante bei einer Beratung ist meistens, dass ich sie relativ schnell habe, indem ich sie frage: "Okay, wie sieht es aus, wisst ihr, wann eure Interessenten sich wirklich, wirklich hinsetzen und euch damit beschäftigen, dass ihr ein Anbieter für eine Lösung seid.“ Und die meisten können diese Frage nicht beantworten. Und wenn ich diese Frage nicht beantworten kann, wann der Moment ist, dass meine Interessenten und meine Kunden sich Gedanken machen, hey, das wäre spannend, dann fehlt die Empathie und dann fehlt das Verständnis. Weil die meisten haben so eine Vorstellung wie: „Ach, mein Kunde wacht morgens auf und heute ist ein guter Tag um...“ Kein Kunde wacht morgens auf und denkt sich heute ist ein guter Tag um... außer ich bin Kaffeeröster, dann habe ich Chancen, aber selbst dann wird es eng. Und das ist genauso dieses, wenn ich, ich muss die Fragen beantworten können: Wann macht der Kunde das? Wie sieht das aus? Wann beschäftigt er sich mit uns? Welche unterschiedliche Kundenklientele habe ich denn da überhaupt? Und dann sind die meisten schon so, okay, so hart es klingt, meistens können die Fragen nicht beantwortet werden. Und dann kommen wir raus aus der Diskussion, wie viel Produkt-Details und Benefits und sonst irgendwas… Muss es hin zu, wir können das 23. schönste Update laufen lassen, mit dem schönsten Button der Welt, hilft nichts, wenn ihn niemand sieht. Also wenn ihn halt niemand sieht, dann hilft mir das alles nichts. Und das ist, wo die meisten dann einsteigen. Und wie tief man mit Kunden arbeitet, kann sehr, sehr unterschiedlich sein, das kann von einzelnen Impulsen sein, bis hin zu Projekten, die, ich betreue Kunden teilweise über Jahre hinweg, weil halt da mit jedem Launch, mit jedem Weiterentwickeln, mit jedem Verständnis auch insbesondere in andere Märkte einzugehen, wir haben kulturelle Unterschiede, es macht halt ein Unterschied, ob ich in Osteuropa ein Produkt launche, oder in einem deutschsprachigen Raum, oder solche Geschichten. Und das ist dann, wo man sehr viel tiefer gehen kann, wo es dann sehr speziell auch um wirklich verhaltenspsychologische Momente geht.

M: Ja, das macht ja wirklich schon in Deutschland auch einen Unterschied, ob ich jetzt in Hamburg oder München was mache, oder München und Köln macht wahrscheinlich auch schon einen Unterschied.

B: Ja.

M: Ich würde gerne noch ein bisschen weiter darauf eingehen, Du bist ja auch vor allem Mathematikerin. Wie viel Mathematik steckt denn am Ende des Tages in so einer Strategie drin, lässt sich das irgendwo erklären? Wo sind so die Schnittpunkte von Mathematik und Strategie oder ist es dann eher so die Psychologie gepaart mit der Mathematik?

B: Ich würde ja immer sagen, es steckt wenig Mathematik drin, meine Kunden sehen das ganz anders, spätestens, wenn ich ihnen das Geschäftsmodell aufmale und wir dann meistens bei der Gau‘sschen Glockenkurve sind, dann haben wir ein gutes Geschäftsmodell. Es steckt extrem viel Mathematik dahinter, insbesondere, wenn man über längere Zeiten arbeitet, dass man wirklich Formeln entwickeln kann. Man kann keine allgemeinen Formeln für Erfolg oder sowas definieren, aber man kann unternehmensspezifische Formeln definieren. Und das ist immer so ein bisschen, ich glaube der Einstieg ist mehr so, kann man sich so klassisch vorstellen, so sieht es ein bisschen aus: Frau Lampl sitzt am Tisch und redet und ratscht mit irgendwelchen Leuten und trinkt einen Kaffee und das war es. Und im Laufe der Zeit eskaliert das sehr krass ins Mathematische. Was auch so sein muss, sonst würde die ganze data science keinen Sinn machen, denn ich kann ja nicht ohne eine… Data sience ist am Ende des Tages Mathematik, dann kommt ja auch erst die Statistik eigentlich ins Spiel - und wenn wir das nicht vorher abbilden könnten, dann kann ich Fragen nicht beantworten. Und deswegen, der Einstieg ist meistens sehr psychologisch, die meisten sind meistens überrascht, dass es extrem wenig BWL drin hat, liegt einfach daran, dass ich halt einfach kein BWL studiert habe. Also ich hatte da ganz viel Micro Macro, aber ganz Horror, deswegen ist es sehr psychologisch geprägt, es ist sehr business-lastig geprägt und eskaliert dann immer mehr ins Mathematisch. Am Anfang sieht man die Mathematik halt einfach nur nicht. Aber wer mit mal zusammengearbeitet hat weiß, wie strukturiert ganz bestimmte Dinge ablaufen und da kann man den Mathematiker jetzt leider nicht leugnen.

M: Aber, wenn du jetzt Formel sagst, kann man sich das vorstellen, wie so eine typische Formel, wahrscheinlich deutlich komplexer, aber wie jetzt aus der Schule? Binomische Formeln?

B: So ein bisschen, ein bisschen länger, ein bisschen komplexer. Ja so ein bisschen so, ein bisschen, meistens sind es mehr Integralformeln und verkettete Formeln. Wir haben ja viele Moving Parts, also mehr so partielle Differenzialgleichungen. Aber klar, das ist ein Teil davon, also ich meine, wenn wir uns überlegen, dass die Formel von einem Google Pay Trank und einem Google SEO Algorithmus ist eine mathematische Formel, ja? Also ich meine, da gibt es ein hartes Paper drüber, über das was ich auch in den diversen Pro-Seminaren immer gelernt habe, das ist Mathematik, was dahintersteckt. Und ja, kann man sich so ein bisschen wie in der Schule vorstellen, wobei man das eben, also man muss jetzt nicht Mathematiker sein, um mit mir zusammenzuarbeiten, sondern das ist eben halt eine Eskalationsstufe im positiven Sinne, wenn man auf dieses Level kommen will.

M: Wenn man auf dieses Level kommen will, heißt dann wirklich, dass das quasi der ideale Zustand ist, weil es steckt ja, wenn ich jetzt aus meinem Unternehmen eine Formel mache, da steckt ja erstmal ganz viel Vereinfachung drin, weil man muss es ja erstmal alles entwirren und runterbrechen. Das heißt, das ist dann wirklich so der ideale Zustand, den man erreichen kann, wenn man jetzt mit dir langfristig zusammenarbeitet und intensiv zusammenarbeitet?

B: Genau. Das ist ein langfristiger Zustand, davor haben wir, einfach, weil ich ganz viele einzelne Teile ja neu zusammenlegen muss... Das ist so ein bisschen, man kann sich das so ein bisschen, was die meisten eher kennen, sind ja so die berühmten Prozessoptimierungen. Und da haben die meisten ja so ein bisschen, dass man irgendwie einen sehr komplexen Prozess dann irgendwie einfacher bekommt. Und das Schöne an Mathematik ist, dass ich nicht unbedingt Komplexität rausnehmen muss, sondern die Komplexität drin bleiben darf, also menschliches Verhalten ist sehr komplex, aber das schöne ist, es ist halt nicht individuell und deswegen funktioniert Mathematik.

M: Du arbeitest ja mit Zielavataren? ich habe das Wort jetzt so explizit noch nicht gehört vorher. Gibt es da jetzt einen konkreten Unterschied zur klassischen Zielgruppe, oder zu Personas, also gibt es da irgendwie eine Abgrenzung?

B: Es gibt so ein bisschen eine Abgrenzung. Zur Zielgruppe gibt es eine harte Abgrenzung, zu den Personas ist es teilweise… Der Zielavatar drückt mehr einfach auch aus an mancher Stelle, der im besten Fall entwickelt wird, ähnlich wie eine Persona. Na ja, wobei die meisten Personas entwickelt man eigentlich erst, wenn ich ein Produkt habe, dann werden die meistens Personas entwickelt. Also im Normalfall ist es, man entwickelt ein lustiges Produkt und dann werden Personas entwickelt und daraus schließt dann meistens die Zielgruppe. Warum ich das Ding Zielavatar nenne ist, weil der Best-Case wirklich ist, wir haben eine Idee und fangen dann an, Zielavatare zu entwickeln und Avatare drückt das gleiche wie Personas aus. Und wer mich kennt, weiß, dass ich da sehr pedantisch sein kann, was so Wortfindungen angeht. Zielavatar drückt aus, dass es eine künstliche konstruierte Person, die aber ein bestimmtes Ziel in unserem Unternehmen verfolgt. Von den methodischen Ansätzen ist es ein bisschen anders, als man das klassischerweise macht bei der Persona-Entwicklung. Und ganz anders als die Zielgruppe, denn die Zielgruppe ist immer unscharf. Die Zielgruppe ist zwischen 35 und 40, ein Zielavatar hat nur ein Alter, kein Mensch von uns ist 35 und 40, sondern ist halt dann 38 oder sowas. Das ist der Unterschied, der dahintersteht und von der Methodik her wollte ich eben eine Abgrenzung zur Persona haben, weil die meisten Personas mit klassischen Design-Thinking-Methoden entwickelt werden. Der Zielavatar in der Stelle ein bisschen anders aufgesetzt, deswegen wollte ich diese Abgrenzung drin haben.

M: Das heißt also, wenn ich jetzt hingehen würde und sagen würde, ich möchte jetzt irgendwie ein Produkt, oder eine Dienstleistung, irgendwas machen, mich selbständig machen, wäre für dich ein best-practice zu sagen: "Du hast eine Idee und bevor jetzt irgendwas umgesetzt wird, setz dich erstmal hin, definiere irgendwie ein oder mehrere Zielavatare, je nachdem, wie komplex da ist, oder wo hin willst und dann gehe mal davon aus und leg mal los und dann entwickle mal dein Produkt und deine Dienstleistung." Was ja auch total sinnvoll ist, weil wenn ich nicht weiß, für wen das ist, was soll ich dann eigentlich entwickeln, so deswegen.

B: Im Produkt-Development wird am meisten Geld verbrennt. Die kleinen Unternehmen verbrennen es an dem Faktor Zeit, die großen Unternehmen am Faktor Zeit und Geld. Grundsätzlich weil und das ist immer so ein bisschen am Ende des Tages… ist mein Job teilweise einfach nur Ordnung und Reihenfolge in etwas hineinzubekommen. Das heißt, häufig werden Dinge gemacht, aber an der falschen Stelle, zu spät, mal zu früh und eben so. Ich habe eine Idee, ich entwickle ein Ziel-Avatar und dann ruhig auch so ein bisschen Startup Weekend Style, rausgehen mit Leuten, mal die Idee präsentieren, weil dann passiert es mir auch nicht, dass ich das Produkt pitche, sondern nur die Idee ja? Das heißt, ich kriege auch besseres Feedback und schon kann ich damit arbeiten und habe einen sehr, sehr schnellen Prozess. Die meisten von uns entwickeln ein Produkt, dann überlegen wir an wen verkaufen wir das, dann entwickeln welche Personas, die meistens so ganze Gruppen sind und wundern uns komisch, dass die Menschheit irgendwie immer noch nicht morgens aufgewacht ist und auf uns gewartet hat.

M: Ja… Das ist mir jetzt vor allem aufgefallen, weil ich das zuletzt in so einer Product Hunt, Twitter Bubble mitbekommen habe, dass da teilweise eine Diskussion war, von wegen: Okay Leute, ihr müsst mal alle aufhören, coole Produkte zu entwickeln, die niemand benutzt. Dann gibt es halt weniger Produkte, die niemand benutzt, aber dafür gibt es noch besser Produkte, die die Leute halt benutzen, das ist ja so ein bisschen eigentlich das, was du auch gerade meintest. Vielleicht geht das jetzt schon zu tief rein, weil das was ist, was du eigentlich in Workshops und Beratungen machst, aber wie entwickele ich denn mein Ziel-Avatar, also du hast jetzt gerade schon gesagt, okay, einfach, wenn man eine Idee hat, einfach mal rausgehen, Leute fragen…

B: Immer gut.

M: … "Hey, würdest du das kaufen, oder würdest du in meinen Workshop kommen, wenn ich über X erzählen würde?" Gibt es noch irgendwie Ansätze oder, vor allem, wenn ich vielleicht also Unternehmen schon ein bisschen größer bin, oder ein kleines bisschen größer.

B: Also die erste Sache ist immer eine Idee pitchen. Eine Idee pitchen ist, dass ich niemand fragen würde: "Würdest du in meinen Workshop kommen?" Sondern fragen würde: "Pass auf, das und das Thema beschäftigt dich das? Hast du diese Herausforderungen? Beschäftigt dich dieses Thema? Hast du darüber schon mal nachgedacht?" Dann kriege ich eine ehrlichere Antwort als: "Würdest du in meinen Workshop kommen?" Das ist so tief im Prozess, dass ich denke, wer bist du und was möchtest du von mir?

M: Ja, das stimmt, das ist ja eigentlich wieder das Prinzip, ich verkauf dir was.

B: Genau, dann bin ich schon bei der Produktebene und ich weiß ja noch gar nicht, ob meine Idee. Und das meine ich mit immer erstmal, ich weiß noch gar nicht, ob meine Idee als Workshop, als Buch, oder vielleicht als Software nachher funktionieren soll. Weil die Kunden denken über das nach, aber die würden nie in einen Workshop kommen, würden aber alle ein Buch kaufen. Also meine Idee, wie ich nachher das Produkt packe, ist ein riesen Unterschied. Mit was arbeiten wir im Ziel-Avatar-Workshop? Mit kognitiver Empathie. Es gibt eine Idee, also im Normalfall, wenn man Profiling betreiben will – Achtung, böses Wort – was wir alle schon mal irgendwie mitbekommen haben, wir machen das jetzt mal ein bisschen richtiger, dann fange ich an, möglichst viele Datenpunkte über Menschen zu sammeln. Möglichst über einen langen Zeitraum hinweg, um ein Profil eines Menschen erstellen zu können, so. Was wir im Zielavatar-Workshop, oder in der Zielavatar-Entwicklung machen, ist es genau umgekehrt zu machen. Wir entwickeln mit dem Einsatz von kognitiver Empathie, einen sogenannten Empathie-Walk, eine Persona, eine Zielavatar und schauen nach, ob es genügend Datenpunkte gibt, die unsere Person überhaupt unterfüttern. Also die sagen wir mal, die vegane Mutti mit vier Kindern, die Downtown Berlin auf 800 Quadratmetern wohnt, könnte komplex werden. Nur mal so eine Idee zu geben. Aber von mir aus, jemand wo man sagt, so: männlich, mitten in Köln, 35, hat irgendwie schon zwei Jobs und Startups gemacht, macht sich jetzt selbständig. Man merkt schon den Unterschied. Und das ist so ein bisschen dieses, was ich immer als sogenanntes Worse-Profiling angehe, weil wir eben die Datenpunkte erst im Nachgang suchen. Und dann sehen wir auch relativ schnell, so unsere Idee, die wir da im Kopf hatten ist viel zu eng, oder sie ist viel zu ungenau, oder es dauert vielleicht auch einfach zu lange, um diesen Kunden überhaupt zu akquirieren. Also besonders am Anfang oder auch für ein Unternehmen ist ja auch häufig relevant, wann fängt das an, dass die Sachen monetarisieren. Also ich kann ja viel Geld und viel Zeit und viel Personal in Produktentwicklung stecken, aber wann ist der Zeitpunkt, dass es monetarisiert? Und wenn ich ein Produkt entwickele, das durch drei Gremien muss oder sonst was und eine Monetarisierung von 18 Monaten hat, sollte ich mir vielleicht was anderes einfallen lassen, wenn ich den Umsatz gerade brauche, oder wie auch immer. Und deswegen sind im Prinzip so diese Reihenfolgen eigentlich auch so wichtig, weil es geht nicht immer darum, zu sagen, ja, ich mach das, oder nein, ich mach das nicht, sondern einen offenen Raum zu haben, um eine bewusste Entscheidung treffen zu können, zu sagen, ja, ganz gut, aber der Teil, lass uns das kleiner machen, lass uns das größer machen. Das sind die Ergebnisse, die man daraus entwickeln kann. Und es ist halt eben für Unternehmen ist halt konstante Monetarisierung das wichtigste und die meisten vergessen immer, dass Monetarisierung mit dem gleichen M anfängt, wie sonst nämlich auch über Menschen passiert. Also sollte ich mehr über Menschen wissen, als über meine Tag Specifications.

M: Wo wir jetzt gerade das Thema mehr über Menschen sprechen, ich würde gern nochmal ein bisschen über dich sprechen. Du hast es gerade schon gesagt, du bist Autistin.

B: Mhm…

M: Ich habe vorhin noch einen Podcast gehört, da hast du gesagt, dein erfolgreichster Blogartikel, ich weiß jetzt nicht gerade nicht mehr genau den Titel…

B: Ich bin dann ein Emphatund ein Autist und Sie so.

M: Da fand ich einen Satz ganz spannend, da hast du gesagt: "Hätte ich gern jemand gehabt, der meine Welt erklärt und mir Werkzeug und Co an die Hand gibt?", ja klar, weil das glaube ich bei dir relativ spät klargeworden ist.

B: Nach meinem Dreißigsten.

M: Genau, nach deinem Dreißigsten. Was ich mich gefragt habe ist: dieses Welt erklären, Werkzeuge & Co an die Hand geben… Als ich mich mit dir beschäftigt habe, habe ich so ein bisschen gedacht, dass das ja eigentlich das ist, was du jetzt machst. Dass du halt rausgehst und Leuten die Welt erklärst. Als Mathematikerin, als Finanzkennerin, als eine der einflussreichsten Fintech-Frauen laut Klout-Store und auch als Psychologin. Du gehst da raus, sagst, okay, hier ich habe die Werkzeuge, oder ich beherrsche die Werkzeuge und kenne die Werkzeuge für meinem Bereich, der für sehr viel Leute sehr komplex ist, ich erkläre euch das jetzt mal. War das so ein Antrieb, dass du immer gedacht hast, okay, irgendwie haben wir so die Werkzeuge und die Erklärungen gefehlt, oder ist das einfach so passiert?

B: Ich könnte jetzt natürlich als gute Strategin behaupten, das war der grundsätzliche Plan von Anfang an – eiskalt gelogen. Ich bin auf die Welt gekommen und habe diese Erdmännchen, die um mich herum waren, halt einfach nicht verstanden. Was ich kapiert habe, ich bin anders, was die da so genau machen, verstehe ich schlicht und einfach nicht. Und am Ende des Tages gehöre ich zu den Menschen, die ihre größte Schwäche zur größten Stärke entwickeln haben, ja, aber mehr als Überlebensmethode. Ich habe es halt einfach nicht verstanden, ich habe dann irgendwann festgestellt, ah ja, okay, es gibt so sich wiederholende Muster, es gibt so einen Unterschied ob wir Möbel kaufen, oder im Restaurant sitzen. Ich muss dazu sagen, ich hatte keine natürliche Intuition, wie alle anderen Menschen, die einfach eine natürliche Intuition für kulturelle Dinge und Verhalten an sich haben, insbesondere in ihrer Peer-Group als Kinder zum Beispiel. Und irgendwann habe ich dann natürlich festgestellt, dass ich Dinge ganz anders verstehe, natürlich, ich meine, wenn man bis zu seinem Zwanzigsten schon irgendwie zigtausend Strategien im Kopf entwickelt hat, ist man halt schlicht und einfach gut im Strategie entwickeln. Und daraus ist es dann irgendwann schon sehr viel strategischer geworden im Sinne von, okay, das macht irgendwie Sinn. Ich habe früh mit Mathe-Nachhilfe angefangen, ich war schon immer gut im Erklären von sehr komplexen Dingen in sehr vielen Bereichen und so ist es dann über die Jahre dann eskaliert und halt eben diese ganz andere Sicht, eine, ich will fast schon sagen, nüchterne Sicht auf menschliches Verhalten, die gleichzeitig eben halt, ich sage immer so, verurteilen oder Urteile treffen bin halt nicht ich, ja, also bitte zur kirchlichen Institution gehen, ich ziehe keine Schlussfolgerungen aus den Sachen, ganz lange nicht. Und das macht sicherlich den Unterschied aus, aber nein, das war nicht so geplant, es ist dann irgendwann so gekommen und es war halt dann ganz spannend, einfach auch zu verstehen, stärker zu verstehen, wie die Sachen zusammenhängen. Und weswegen ich zum Beispiel auch kein großer Freund der Motivationspsychologie bin, weil mir die Motivation dahinter am Ende des Tages gar nichts bringt, um Verhalten zu verstehen.

M: Du hast es ja gerade gesagt, dass du immer schon Strategien entwickelt hast und da halt immer logischerweise, wenn man das oft macht, also Sachen, die man oft macht, da wird man meistens dann gut drin, das ist so ein Effekt, der irgendwie eintritt und auch in Mathe-Nachhilfe und so. Hast du, weil du es musstest, dann immer gerne recherchiert und Sachen gelernt und dir angeeignet?

B: Es war sicherlich kein Muss, ich hatte da einen Heidenspaß dran. Ich finde Wissen einfach wahnsinnig faszinierend, ich habe mir selbst das Lesen mit drei beigebracht und meine Mutter erzählt immer so wahnsinnig schön die Geschichte. Ich bin ja ein bisschen außerhalb von München großgeworden und wir hatten eine Dorfbibliothek, unten im Erdgeschoss war die Kinderabteilung und oben war dann die für die Großen und dummerweise war dann mit elf unten ausgelesen, die Kinderabteilung, und dann musste meine Mama dahin und sagen: "Entschuldigung, darf sie mal nach da oben und die Agatha Christie Krimis lesen?" Ich habe damals einfach wie heute auch noch, ich bin so ein Informationsfresser, ich liebe Recherchearbeiten, eines meines größten Hobbys ist, Studien zu recherchieren. Da wo ich am meisten Spaß dran habe ist, nicht die pure Recherche, das ist ja noch eher so ein Nebeneffekt eine Information, sondern die Information weiterzudenken, sie in andere Fachgebiete zu transferieren, zu gucken, okay, das ist ja irgendwie das gleiche von da, das könnten wir doch mal dahin setzen, um das auszuprobieren, das ist sicherlich etwas, woran ich einfach - und das ist ja einfach auch die Idee hinter Strategie, die meisten denken ja bei Strategie eher so an Taktiken. Aber Strategie, der klassische Begriff kommt nun mal aus der Kriegsführung und da ging es nicht darum, die Schlacht zu gewinnen, das ist Taktik, ja? Also wenn wir jetzt sagen, wir reden über Facebook Ads oder Marketing, dann ist das alles Taktik, während wir über Strategie, da geht es darum, ja den Krieg zu gewinnen oder den Frieden zu erhalten. Daraufhin baut man Strategien. Und das ist eben halt, wo man sehr viel Transferleistung bringen muss, wo man sehen muss, ah, das funktioniert, das funktioniert nicht, Sachen auch definitiv schnell wegschmeißen muss. Und das ist sicherlich das, wo ich, aber ja, ich bin ein gruseliger Informationsfresser.

M: Ich fand das nämlich, also ich habe vor zwei Wochen oder so, glaube ich kurz bevor Mario, unser FastBill CTO mit dir auch den Kontakt hergestellt hat, kurz vorher habe ich nämlich zufällig eine Serie angefangen, die heißt A-Typical, da geht es um, ich weiß nicht, ob du die kennst, da geht es um einen Autisten in der Hauptrolle sozusagen und der recherchiert die permanent die ganze Zeit, weil, das was du gerade beschrieben hast, die anderen sind alle anders und er muss halt erstmal dann immer rausfinden, wie das funktioniert und da er das, auch wieder, was du gerade gesagt hast, intuitiv nicht hinbekommt, muss er, googelt er halt die ganze Zeit und fragt alle Leute…

B: Das ist sicherlich, wenn Autisten… also Autismus ist ja eine Spektrumsstörung, also wobei ich den Begriff Störung schon nicht mag, ich mag mein Gehirn. Es ist sicherlich heutzutage auch leichter, an Informationen zu kommen. Ich habe halt Bibliotheken gefuttert und heutzutage ist es sicherlich leichter an Informationen zu kommen. Aber ich mag halt dieses, wir sind ja immer, es gibt neurotypische und neuroatypische. Ich versuche immer über Neurodiversität zu sprechen, also Neurodiversity, weil damit mehr zum Ausdruck kommt, egal wie, vielleicht sind wir gar nicht gestört und behindert, sondern vielleicht sind wir halt einfach nur anders. Und dieses Neurodiversity ist und ja, viele Autisten, wenn sie die kognitiven Fähigkeiten haben, weil das Spektrum eben sehr unterschiedlich aufgesetzt ist, ist sicherlich eins der klassischen Dinge, dass wir halt irgendwie alle gerne recherchieren und manches Mal resultiert das in interessanten Inselbegabungen und bei mir passte es Gott sei Dank zum Job.

M: Dieses klassische Bild von Autismus, ich sage jetzt einfach mal das klassische Bild, kommt ja auch durch Sachen wie Rain-Man oder sowas halt zustande?

B: Ja, Autisten sind männlich in großen Teilen, das stimmt schon auch. Es werden mehr Männer diagnostiziert als Frauen, das ist eine sehr männliche Störung, ja. Und natürlich sitzen wir alle wippend in der Ecke, klar. Easy, bitte, also ganz klar, also ich meine, falls es Sie jetzt hier nicht sehen können, weil es ein Podcast ist…

M: Wir nehmen den gerade in der Ecke auf.

B: Ja, klar.

M: Natürlich... Eine letzte Frage habe ich noch zu dem Thema, dann würde ich gleich gerne über was Anderes reden. Hast du, ich meine, das wurde ja erst sehr spät diagnostiziert, oder sehr spät irgendwie festgestellt, hast du irgendwelche Hürden gehabt, sage ich jetzt mal, wo du jetzt sagen würdest, die hat ein Mensch, der kein Autismus hat, der hat halt solche Hürden nicht, du hast es gerade schon angesprochen, aber ganz konkret auf Unternehmertum, oder Selbständigkeit bezogen?

B: Also ich glaube auf Unternehmertum und Selbständigkeit bezogen, witzigerweise nicht, was aber mit meinem Stressmuster zu tun hat. Mein Stressmuster ist emotional getriggert und Business ist für mich nicht sonderlich, also jetzt nicht emotional. Deswegen arbeite ich mit kognitiver Empathie, aber Stress im Job ist für mich einfach kein Stress. Also das ist nun mal so, das ist glaube ich so, da habe ich irgendwie Glück gehabt. Was ich bis heute nicht kann ist flirten, also viel Spaß, ich werde es nicht mitbekommen, selbst nach all den Jahren. Ich bin schon schneller geworden, ich kapiere es jetzt meistens so eine Dreiviertel Stunde später, früher hat es ein Jahr gedauert, kein Witz, du kennst die Geschichte.

M: Ja, ich habe es in dem Podcast gehört.

B: Genau. Ist ein bisschen schwierig. Klar, es gab viele Hürden, andersherum gesagt, ich habe Glück gehabt, dass meine Eltern ein für mich sehr, sehr gutes Umfeld geschaffen haben, das ganz bestimmte Hürden nicht unbedingt aufgetaucht sind und ich auch eine Unterstützung erfahren habe, die vielleicht andere Leute nicht haben und damit gingen viele Dinge schon einfacher. Aber klar, ich hatte Hürden, dadurch, dass ich es auch nicht wusste, ich habe Komorbiditäten entwickelt, das sind so die Nebenschauplätze, die man zu einer Hauptdiagnostik hat und das können von Depressionen, bis bei mir zu harten körperlichen Erscheinungen, ich hatte drei Bandscheibenvorfälle und ein gelähmtes rechtes Bein, was sicherlich ein undiagnostizierter Autismus mit Komorbiditäten garantiert mitverursacht hat. Rücken hat ja immer eine hohe Psychosomatik mit dabei, hier kann ich ganz laut hier schreien, bei mir ganz krass gewesen. Und natürlich auch zum Beispiel, klar, habe ich Hürden, selbst heute noch, dass zum Beispiel, wenn das Stresslevel bei mir hoch wird, werde ich sehr stoisch, das ist aber total unweiblich. Das heißt, viele diese Sachen erfülle ich - weibliche Verhaltensklischees - nicht und das führt zu sehr interessanten und teilweise auch auf der anderen Seite auch zu sehr negativen Auswirkungen, weil natürlich dann bestimmte Sachen nicht passieren. Wie gesagt, der lustigste Fall ist dann beim Flirten, dass halt da bestimmte weibliche Kommunikation nicht von mir kommt. Es gab einen sehr krassen Fall mal, da hatte das sehr harte Konsequenzen, dass dann irgendwann bei einem Gerichtsverfahren ich gesagt habe: "Entschuldigung soll ich mein Autisten-Attest bringen, weil Sie jetzt mich irgendwie falsch einschätzen oder sowas?" Das kann schon sehr, sehr krass werden. Also deswegen ja, ich sehe das heute als das, was es ist, aber es macht es nicht immer unbedingt leichter. Aber heute, ich sehe es immer relativ entspannt zwischenzeitlich.

M: Das ist jetzt natürlich auch eine ganz gute Überleitung. Ich würde einfach nochmal über dich als Frau in der Finanzbranche reden. Das wird ja dann wahrscheinlich auch noch ein bisschen verstärkt dadurch, durch das, was du jetzt gerade gesagt hast, also du bist als Frau schon mal in dieser Männerdomäne plus dann zeigst du auch nicht, ich sage jetzt mal, typisch weibliches Verhalten, was vielleicht auch die, jetzt einfach mal ein paar Unterstellungen, was vielleicht die Bosse sage ich mal, in dem Bereich eher gewohnt sind, dass die Frauen sich auch weiblich verhalten. Erstmal, wie war das überhaupt als Frau? Du hast ja in der Finanzbranche auch angefangen, oder bist schon lange dabei, was waren da so typische Hürden?

B: Ich würde sagen, der Vorteil war so ein bisschen dadurch, dass ich Chefs hatte, die meistens dann eher technischen Background haben und ich sage heute noch, es fällt mir zehnmal leichter, mich mit einem CTO hinzusetzen, als mit einem Chief of Marketing, so ungefähr, die denke immer, ich habe Kommunikation studiert, sehr lustig. Es ist sicherlich immer so gewesen, ja, das war so ein, ich habe halt nicht den Verhaltenscodex erfüllt, weil dann halt eben, also ich meine, ich habe in dem Bereich anfangen, Asset Management High Net Worth Individiuals größer als 50 Millionen liquide Assets, da ist die Frauenquote ungefähr bei einem Prozent. Das heißt, exotischer ging es nicht, das führte dann zu Veranstaltungen, da hießt es: Guten Morgen Frau Lampl, guten Morgen sehr geehrte Herren. Weil ich halt bei 250 Mann das einzige weibliche Wesen war. Dadurch, dass das dann so männlich geprägt war, waren die irritiert und haben wieder vergessen, dass ich nicht dem Klischee entspreche und damit war das gut. Irgendwann natürlich führte das zu Konfusionen, weil ja dann natürlich ganz bestimmte Dinge irgendwie von meiner Seite aus entweder nicht gekommen sind, oder gekommen sind, die eben halt nicht in ihr klassisches Weltbild hineingepasst haben. Das heißt, wenn jemand sehr technisch und das nicht interessiert hat, hat das gut funktioniert, aber über die Jahre, im Laufe der Zeit, also als Berufseinstieg war das noch gar nicht so relevant, da war man ja eh frisch und so irgendwie lustig. Im Laufe der Zeit war das dann schon anders, weil dann natürlich ist man irgendwann auf einem bestimmten Level, wo man ja selbst irgendwo eine bestimmte Position, eine bestimmte Führungskraftrolle hat und dann fällt es stärker auf, dann fällt es stärker auf, dass eben halt ganz bestimmte, ich habe zum Beispiel ein nicht indirektes Kommunikationsverhalten, also nur als Erklärung, Frauen haben ein dominant indirektes Kommunikationsverhalten, Männer ein direktes Kommunikationsverhalten, heißt: Männer, erst das Resultat und dann vielleicht den Prozess. Kennt jede Frau, die mit einem Mann schon mal zusammen war, man erzählt das Problem, will nur drüber reden und kriegt schon eine Lösung, da ist man nicht fertig mit dem Reden. Sorgt für interessante Komplikationen. Das ist aber typisch weibliches Verhalten, nämlich ganz lange, das Ergebnis kommt zum Schluss. Habe ich überhaupt gar nicht, ich bin sehr direkt, sehr Resultat-driven. Und klar, wenn natürlich ein männliches Gegenüber das nicht erwartet und besonders nun, ich sie nun mal auch nicht unbedingt aus wie so ein Tom-Boy, der Mathe studiert hat, dann sorgt das ab einem bestimmten Level witzigerweise sehr viel mehr für Irritation, als es früher getan hat. Früher war das halt na ja so, sie war jung und unbedarft und heute ist es so, was ist jetzt das? Auf der anderen Seite, sonst engagiere ich mich mit Lean In und Co. Es ist ja, also es soll jetzt nicht falsch klingen, ganz im Gegenteil, ich hatte immer großartige Männer, die mich supportet haben, ansonsten wäre ich auch nie da, wo ich heute wäre. Aber ja, es kann für interessante Situationen sorgen, was ich - Vorteil dann wieder von Autismus - meistens kapiere ich es erst nachher.

M: Was du gerade gemeint hast, dass du halt auch so bist, Problemlösungen, oder direkt zum Resultat, ist ja wahrscheinlich aber eigentlich auf der anderen Seite auf der Finanzbranche nicht unbedingt hinderlich, weil es geht ja immer eigentlich letztendlich darum, es geht ja nicht darum, irgendwie was kommt da jetzt dazwischen? Weil es gibt ja bei Zahlen, es gibt dann halt Null oder Eins, oder Wahrheit oder halt nicht die Wahrheit sozusagen?

B: Also im Business war es sicherlich besser für mich, dass ich immer sehr direkt und geradeheraus und sonst irgendwas und Resultat-driven. Hat mir den Einstieg am Ende des Tages natürlich auch erleichtert, also, weil man da im positiven Sinne mit einem weiblichen Verhalten gebrochen hat, wo ich gedacht habe, okay… Lustigerweise wurde dann daraus geschlossen, dass ich ja sonst nicht so bin. Das ist dann wo man denkt so, das ist typisch als Frau, man kann es irgendwie nie richtig machen, weil wenn man so ist, dann ist man ja garantiert nur im Job so und nicht privat. Also das ist dann, wo man sich so denkt so, das sind auch so Dinge, wo wahrscheinlich kein Mann nachvollziehen kann, aber bei mir immer so, egal wie wir es machen, wir machen es irgendwann immer falsch. Aber das hat definitiv die Business-Welt, der ganze Finanz-, der ganze Tax-Bereich, alles sehr, sehr viel erleichtert.

M: Du hast gerade Lean in schon angesprochen, ich kenne Lean in nur als Buch von Sheryl Sandberg, heißt Sie glaube ich?

B: Ja.

M: Kannst du einfach mal erklären, was es ist, was macht ihr da? Ich glaube, ganz grob könnte man sagen, dass ihr Frauen unterstützt?

B: Nicht nur, fangen wir vorne an. Lean in ist das Buch, was Sheryl Sandberg geschrieben hat, mit der gleichzeitigen Idee, damals wäre ja cool, wenn wir tausend Circle initiieren könnten. Wir haben jetzt bei der Lean In Global-Conference in Palo Alto die 40.000 Circle geknackt. Also nur um mal so eine Idee von der Größenordnung zu bekommen. Die Idee ist entstanden, Lean In ist… im Deutschen gibt es nicht einen ganz sauberen Begriff dafür, weil reinhängen, durchhalten, das ist bei uns ein bisschen undeutlich. Die Idee war, sie hat ihre eigene Geschichte aufgeschrieben und wo sie sich selbst eben eigentlich selbst im Weg gestanden hat und zu sagen, Mädels, macht nicht die gleichen Fehler, die wir alle schon gemacht haben, die Idee ist ein großer Teil von denen. Ja, also Frauen dabei zu unterstützen, dass sie eben halt nicht die klassischen Fehler machen, die teilweise wir alle gemacht haben, oder ja das eigene Verhalten an der Stelle jetzt nicht zu vermännlichen, aber halt auch nicht die gleichen Fehler zu machen. Das ist der eine Teil. Der andere Teil ist aber definitiv, dass wir als Lean in together… Wir sind ein inklusives Netzwerk, das heißt, wir möchten die Männer mit am Tisch haben, wir möchten alle ethnischen, neurodiversen sonst irgendwas, so inklusiv wie nur irgendwie sein, denn am Ende des Tages haben 50 Prozent, die keine minority sind, also keine Minderheit sind von Frauen, schon ein Problem, man stelle sich vor, es wird noch schlimmer, wenn man dann noch irgendwie einen afrikanischen, einen asiatischen oder was auch immer irgendwie für einen schrägen Hintergrund hat. Das ist die Idee, wie auch alle unseren Anteil daran tun können, jeder einzelne von uns, doch eben ein strukturelles System zu verändern, denn am Ende des Tages haben natürlich alle mehr davon, wenn jetzt irgendwie der Mann nicht mehr Standard nur der Ernährer sein darf und auch mehr Lebensentwürfe leben darf, das ist die Idee hinter Lean in.

M: Ja, cool. Du hast es gerade schon gesagt, strukturelles Problem, was glaubst du denn, einmal außer, ich nenne es jetzt einfach mal Dialog, oder halt alle, mit allen Leuten an den Tisch setzen und auch vor allem auch Leute aufklären und vielleicht auch Männern zeigen, hey Elternzeit jetzt zum Beispiel ist auch einfach eine geile Idee eigentlich, also ich würde das auch sofort machen. Glaubst du, dass sowas wie zum Beispiel eine Frauenquote hilft, oder bist du…

B: Also ich bin nicht grundsätzlich pro Quote, aber ich weiß, dass wir in der Verzweiflung auf nichts Anderes zurückgreifen werden. Ich bin kein grundsätzlicher Mensch von Pro Quote, wobei ich grundsätzlich halt nicht jemand bin, der Menschen gerne Dinge verbietet, oder sie zwingt. Klar, ein großer Teil ist Dialog, ich werde meinen Mentor, den ich mit 16 für ein Praktikum in den USA hatte, nie vergessen. Und zwar war das schon der Mentor meines Vaters und ich durfte dann mein allererstes Vorstandsmeeting mitgehen und 16. Natürlich nur als Nebendransitzer, aber welche Gedanken macht man sich? Okay, was muss ich vorbereiten, soll ich irgendwas sagen, gibt es irgendwie was ich tun darf und nicht tun darf? Und dann kommt natürlich eine Frage, die kein Mann nachvollziehen wird: Wie lang soll der Rock sein, Haare zu oder auf, welcher Lippenstift? Diesen Gesichtsausdruck werde ich meinen Lebtag nicht vergessen, dass der, Ende Fünfzig, Anfang Sechzig, natürlich noch nie drüber nachgedacht hat. Nachvollziehbarerweise, warum auch? Und da fängt das Dialogfenster ja schon mal an, zu sehen, dass wir uns ganz anderen Herausforderungen teilweise, das klingt jetzt zwar affig, aber es macht einen Unterschied, wie jemand dich einschätzt, wie nur mit zehn Zentimeter Highheels wo einläufst, besonders, wenn ich mit 1,80 m da einlaufe, da wird es schon mal ganz lustig mit zehn Zentimeter Highheels. Solche Geschichten, dass wir eben dann auch eine Diskussion auch eben über die berühmten unconcious bias kommen und diese Diskussion ist deswegen so wichtig, denn momentan sind wir an einer kritischen Stelle, dass wir natürlich - da sind wir dann zurück bei den Data - natürlich auch anfangen, unconcious bias in Data-Analytics und Algorithmen einzubauen, dass wir im Zweifelsfall einen Dinosaurier bauen, der keinem gefällt. Also ja den Dialog eröffnen, zu sagen, hey und ich glaube das ist immer das, wo man, wenn man Feminismus in Deutschland redet, dann klingt das ja immer so, wir hassen alle Männer, nein, wir haben nur keinen besseren Begriff dafür gefunden, zu sagen, hey, wir möchten inklusiv alle irgendwie auf das nächste Level heben, um eine Freiheit im Lebensentwurf zu ermöglichen. Das ist so ein bisschen die Idee dahinter und Dialog und Aufklärung ist sicherlich mit das Wichtigste. Weil ansonsten wird sich nichts ändern, weil wie soll sich was ändern, über was, wo ich noch gar kein Problemverständnis habe?

M: Das fand ich jetzt ganz spannend, weil das steckt ja letztendlich eigentlich auch wieder das drin, was du ja auch mit Empathic Business machst, also du hast das auch glaube ich, auf deiner Seite gesagt, oder in dem Podcast. Genau am Ende des Tages geht es darum, Menschen zu verstehen.

B: Ja.

M: Und das ist ja dann auch die Essenz davon.

B: Ja, klar, wenn ich Menschen besser verstehe und sei das dann, ob das mein Partner, oder meine Partnerin ist. Es gibt eine spannende Studie, die feststellt, dass die Empathie im ersten Jahr einer Ehe wahnsinnig hoch ist, danach kracht sie ins Bodenlose. Ja nicht, weil die Leute sich nicht mehr lieben oder sonst was, nein, weil wir davon ausgehen, dass mein Partner halt am liebsten Salami-Pizza isst und ihn nicht mehr fragt. Also das ist so ein normaler Effekt, den wir dahinter haben und die erste Chance ist, wenn ich verstehe, wenn ich Einblick in die Welten von anderen bekomme. Und diese Idee von, okay, ich gehe dann mal in den Schuhen von anderen. Es gab in… Ruanda muss es gewesen sein, gibt es immer wieder sehr starke Übergriffe auf Frauen, ganz schrecklicher Natur und da haben einige Polizisten als male feminist zu einer Aktion aufgerufen und einfach mal die Kinder getragen und die Wasserkrüge auf dem Kopf, um Zeichen zu setzen, um wirklich so dieses walk in your shoes zu machen. Da sieht man mal, wie krass das sozusagen, da gibt es natürlich dann zigtausend Videos darüber, das hat mit Verstehen zu tun, so dieses ah okay, klar, irgendjemand wird sich da Gedanken drübermachen. Und dann schließt sich der Kreis wieder, dass je besser ich die andere verstehe, interessanterweise der Effekt, ich verdiene damit mehr Geld, passiert. Spannend komische Korrelation.

M: Ich habe als Frage noch aufgeschrieben so, was muss denn eigentlich passieren? Das wird ja nicht von heute auf Morgen passieren, aber was sind so die ersten Schritte, weil ich würde jetzt mal, von dem was ich so mitbekomme, behaupten, dass da so viele Schritte noch nicht gemacht worden sind. Was sind denn so die Schritte, die passieren müssen, damit Frauen gleichberechtigt gründen, arbeiten können, Gehalt ist ja ein riesen Thema. Du bist ja glaube ich öfter auch bei Equal Payday als Speakerin und auch was die Themen Erziehung oder sowas angeht. Das wäre wahrscheinlich so der erste Schritt, erstmal eine Grundlage, eine Basis zu schaffen für ein gegenseitiges Verstehen.

B: Ja, gegenseitiges Verstehen. Es kam ganz gerade neu raus, keine paar Tage alte Studie bei eben Alter zwischen 7 und 14, was die glauben, wieso die, wenn sie mal älter geworden sind, wie so eine Lebenssituation ausschaut. Und wenn mir dann natürlich irgendwelche Kinder, in dem Fall von 7 bis 14 erzählen, dass Männer Vollzeit arbeiten müssen und Frauen Teilzeit arbeiten müssen, dann wissen wir, wie früh dieses Problem eigentlich einsetzt. Das hat viel mit Vorbildhaft zu tun, aber ich meine klar, ich meine so ein 7-, 8-jähriger, der wird wahrscheinlich erzählen, wie es daheim ist, aber der geht natürlich auch mit dieser Haltung später dran und dann ist es natürlich, wenn ich diese Haltung lang genug gelebt habe, wird es schwieriger, davon auch wieder Abstand zu nehmen. Sicherlich ist es eben halt sowas wie Vorbildcharakter. Es hat aber auch viel damit zu tun, ich meine, wenn Männer, die in Elternzeit gehen, sich immer noch anhören müssen nach dem Motto: "Was wirst du jetzt, Hausmann oder sonst was?" Dann hätte ich da auch kein Bock drauf, ja? Also ich meine, sind wir jetzt mal ehrlich, wenn ich mich wegen jedem Schritt rechtfertigen muss, würde ich es vielleicht auch nicht tun. Es ist eine Kombination aus persönlichem Engagement, einfach auch mal eine offene Diskussion zu führen, so hey, wie ist es eigentlich für dich im Arbeitsleben, die Kolleginnen mal zu fragen, so du... Die einfachste Frage ist immer: Was könnte ich denn für dich tun im nächsten Meeting? Das ist was, es sind meistens diese Kleinigkeiten, die dann zu einem großen Effekt führen, einfach mal die Kolleginnen und Kollegen und Freundinnen und Frauen oder sonst zu fragen so: Hey, was könnte ich denn eigentlich tun? Was ist es, was dir aktiv was helfen würde, soll ich deine Ideen stärker unterstützen? Zum Beispiel macht es einen Unterschied, ob ein Mann in ein Meeting eingreift und sagt: "Moment mal, da ist gerade eine Idee geklaut worden, das hat die Frau XY vorhin schon gesagt." Diese Kleinigkeiten erzeugen einen extremen Drift. Klar, und dann sind wir bei den nächsten Sachen, wo wir dann halt irgendwo doch auch wieder bei Quote sind. Ich meine, Frauen in Tech gründen extrem wenig, wir sind je nachdem bei 17 Prozent. Wenn wir uns die härtere Statistik angucken nur zwei Prozent, der weiblichen Start-ups überhaupt kriegen Founding zwei Prozent davon. Das sind natürlich auch in einem großen scale, Dinge, wo man sagt, okay, vielleicht einfach nochmal gucken, können wir inklusiver bei unserer Kommunikation werden? Schaffe ich es vielleicht doch irgendwie, die Developerin anzusprechen, anstatt nur den Developer? Und solche Sachen halt dann insbesondere auch. Und jeder, der Tech-mäßig unterwegs ist, sich halt einfach mal zu fragen: Hey Moment mal, wer hat unsere Algorithmen aufgesetzt, wer die gecodet? Und kann es sein, dass wir eventuell Dinge eingebaut haben, die da gar nicht reingehören. Das ist ein großes Thema, also man kann an vielen Ecken ansetzen und meine Idee ist immer, wenn man an vielen kleinen Ecken ansetzt, dann bricht so ein Konstrukt, das kennen wir aus der Mathematik noch, aus der Physik viel schneller zusammen, als wenn wir nur immer an die gleiche Stelle konstant schlagen, die könnte sehr stabil sein, weil keine Ahnung, ob wir jetzt uns nicht vielleicht die dickste Mauer ausgesucht haben.

M: Nochmal ganz konkret, wie sieht das denn beim Lean In Circle jetzt speziell aus, also ihr habt ja glaube ich, regelmäßige Treffen auch, wo, ich glaube, ich habe eine Veranstaltung auch jetzt irgendwie gesehen, die demnächst stattfindet in Köln, wo dann auch drin steht, dass jeder willkommen ist, Männer, Frauen, was du gerade gesagt hast.

B: Ja, alles.

M: Wer irgendwie Interesse für das Thema hat, kommt vorbei.

B: Ja.

M: Wie muss man das sich vorstellen, also trefft ihr euch einfach locker oder ist das so ein Diskussionsformat, gibt es Vorträge, macht ihr auch Sachen noch drum herum, also gibt es auch irgendwie Workshops, die in den Sachen da noch stattfinden?

B: Genau, der klassische Circle, ist wirklich der klassische Circle. Die Idee ist, sich zusammenzusetzen und einfach aktuelle Themen, die einen beschäftigen, zu diskutieren. Wir haben meistens ein Thema, was schon ein bisschen vorgegeben ist und das andere ergibt sich daraus, was jeder mitbringt. Ich glaube, der Effekt ist immer, ganz viele der Mitglieder im Circle sagen immer: „Ich warte schon, weil ich weiß, egal welche Frage, die ich da stellen kann.“ Ich glaube, das ist einer so der härtesten Effekte endlich mal irgendwo einen Raum zu haben, die Fragen, die ich sonst nicht stellen kann, weil sie irgendwer in meinem Kopf oder Google auch nicht beantwortet werden können, das ist der eine Teil. Des Weiteren machen wir außenherum immer noch Spezialgeschichten, das heißt, es gibt noch Themenabende. Wir haben ja auch noch das Lean in Circle in Frankfurt, also wir sind ja deutschlandweit aktiv. Und alle Formate sind ebenso eine Mischung aus entweder eben Circle, oder es gibt eine Art thematische Veranstaltung und jetzt sind wir auch wieder dran, eine Konferenz zu planen, also mal ein bisschen mehr so auf der Input-Ebene und dem Austausch. Aber die Variante ist so eine Mischung aus Netzwerken, ich nenne das immer eine Save-Heaven-Konstruktion, eben genau den Raum zu haben, wo ich dann auch die dämlichste Frage meines Lebens mal stellen darf. Und im Zweifelsfall wird sie nicht so dämlich sein, sondern jemand anders wird sie wahrscheinlich schon durchgemacht haben. Oder zumindest habe ich genügend Leute, die mir vielleicht schlaue Tipps geben können, hin zu eben halt auch dieses Gefühl von eingebunden zu sein. Wir haben momentan so ein bisschen den Effekt, dass die Partner und Ehemänner jetzt schon irgendwie sagen, so: "Könnten wir mal auch einen Circle haben?" Weil das finde ich einen interessanten Effekt, wie im Laufe der Zeit die Männer halt einfach, ja, wir Männer, die dazu kommen, aber meistens sollen wir nicht im gleichen Circle wie die Ehefrau sein, oder die Frau sein, halt sagen: "Wir haben davon noch weniger Raum." Und das finde ich einen interessanten Effekt, dass man bei aller Bewegung für Frauen supercool, aber wir sollten auch nicht vergessen, die Jungs zu vergessen, weil die haben teilweise noch weniger Raum irgendwie mal zu sagen, es gibt mir nicht irgendwie zwei Däumchen hoch. Das ist die Idee dahinter und deswegen gibt es uns eben deutschlandweit, es gibt Powerlancer-Geschichten, wir haben eine Facebook-Gruppe, man findet uns bei allen möglichen Sachen. Wer sich halt eben für dieses Thema so ein bisschen interessiert und denkt so, das ist so mein kleiner Anteil, den ich daran machen kann.

M: Ich werde mal auf jeden Fall zusehen, wenn wir den Podcast und so weiter rausbringen, dass ich mal alles an Links und alles Mögliche da runterklatsche.

B: Ja.

M: Gerade Thema Frankfurt, ihr habt eine Gruppe, habt ihr irgendwie einen Ort, wo ihr auch trefft, oder wechselt das so ein bisschen?

B: Es wechselt so ein bisschen, wir sind immer auf der Suche für jeden Lean in Circle deutschlandweit für Raumsponsoren, genau.

M: Ja, deswegen frage ich…

B: Also Großstädte haben alle einen Circle und aber wie immer solche Sachen, wir sind alle ehrenamtlich dabei, das ist ehrenamtliches Engagement. Deswegen sind die Circle auch gratis, also wir versuchen, alle Circle, soweit es geht, bis auf die Konferenzen und sonst was gratis zu halten, oder wenn, zu einem sehr geringen Preis. Wir wollen inklusive sein. Wir haben deswegen auch so Projekte angestoßen, die ganzen englischen Unterlagen jetzt ins Deutsche zu bekommen, weil wir auch wissen, dass halt für manche momentan sind wir, das klingt ein bisschen weiß privilegiert akademisch, weil natürlich bei uns das Englisch sattelfest ist, um neue Circles zu initiieren, die Idee soll aber natürlich sein, dass es für alle inklusive ist, das heißt, wir müssen es auch einfach endlich mal ins Deutsche bringen. Das ist ein europäisches Problem, das wir gerade angehen. Das ist aber Inklusion, die zu Ende gedacht werden muss, also ich meine, ich hätte gerne zum Beispiel ein paar Krankenschwestern oder sonst was, wo ich mir denke, da wäre der Bedarf noch viel größer, die fühlen sich wahrscheinlich aber im Englischen, oder ich weiß es konkret, nicht, so sattelfest und deswegen haben sie keinen Circle. Da ist Inklusion schon wieder zu Ende. Also deswegen, nein, einfach gucken und wie gesagt, wer das Projekt spannend findet, wir sind wirklich offen von Sponsorship, Partnership, Raumsponsoren, meldet euch gerne bei mir. Und ich stelle es zu den Circles vor Ort, oder auch zum Headquarter immer gerne Kontakte her. Wir sind da offen für alles.

M: Wir sind immer auf der Suche nach Sachen, wir haben eine ganz coole Enterprise, die kann ich dir gleich nochmal zeigen, da finden auch regelmäßig Sachen statt, Developer-Meetups, auch verschiedene Sachen, da kriegt man bestimmt mal was hin…

B: Ja.

M: Ich möchte gerne nochmal auf das Finanzthema ein bisschen eingehen. Du hast ja auch Finance studiert, hast ganz lang in dem Bereich gearbeitet. Ich habe jetzt auf deiner Facebook-Seite ein Video gesehen, was du glaube ich, Freitag gemacht hast, am 13.10. gibst du einen Finanz-Workshop in Köln. Du hattest glaube ich, 2009 das schon mal geplant.

B: Den letzten gegeben.

M: Genau, durchgeführt.

B: Ja.

M: Dann ist es anscheinend neun Jahre eingeschlafen. War da kein Bedarf, oder? Also Bedarf ja wahrscheinlich schon, aber ist keiner gekommen, oder hast du irgendwie gemerkt…

B: Da können wir alle Themen zusammenfassen, denn mein Kunde, in dem Fall bevorzugt weiblich - Kundin - ist eben morgens halt nicht aufgewacht und hat sich überlegt, das wäre ein gutes Thema meine private Finanzsituation anzugehen. Und bei aller Arbeit, die ich mich auf den Kopf gestellt habe, mit den Füßen gewackelt habe, habe ich sie auch nicht dazu bekommen, beziehungsweise irgendwann gesagt, der Weg ist so lange, dass ich damit Geld verdienen könnte, entweder mache ich es als Hobby ehrenamtlich, oder nicht mehr, so. Frauen und Finanzen ist ein sehr komplexes Thema, denn wenn Frauen… Wir sind an dem move zwischenzeitlich Gott sei Dank um ihr Gehalt verhandeln, aber dass sie sie sich um ihre echte Finanz- und Investmentanlage kümmern, ist immer noch ein riesen Thema. Das geht soweit, dass selbständige Frauen zum Beispiel dreißig Prozent weniger verdienen, als selbständige Männer und das in der Stundensatzkalkulation. Also da sieht man mal, wie Equal Pay sehr unterschiedlich sein kann. So, jetzt war das Ganze dann eben halt sehr eingeschlafen und mit vielen verschiedenen Initiativen, die Frauen an die Finanzthematik in einem stärkeren Einstieg rangeführt haben, als natürlich jemand, der das irgendwie mal studiert hat, gebe ich ehrlich zu. Ich habe da nicht, muss ich auch ehrlich zugeben, ich hatte da nicht so den ganzen Nerv dazu, die ganz totale Baseline zu setzen, haben das jetzt eben andere, insbesondere auch Frauen gemacht und so kam es dann, dass man mir jetzt zwei Jahre lang auf den Wecker gegangen ist, ob ich nicht endlich mal ein Workshop geben könnte und jetzt habe ich nachgegeben und freue mich aber auch ganz arg drauf. Auch da, ich bin da wieder inklusiver ein bisschen, wo ich sage, natürlich sind die Männer auch herzlich willkommen. Aber natürlich ist der Schwerpunkt einfach Frauen und Finanzen, Investmentthematik, einfach so dieses nächste… Gleichzeitig gibt es eben ein wahnsinnig großes Feld an Einstiegsmöglichkeiten, sodass man eben auch versteht, was ist ein Depot und was so ETFs und irgendwie, wie mal so die eigene Finanzlage in den Griff bekommt und der Workshop setzt eben dann, da wo mein Spaß eigentlich, sind wir ehrlich, ein bisschen mehr anfängt.

M: Du hast ja jetzt schon gesagt, du richtest dich eher an Frauen, einfach, weil da der Bedarf größer ist. Hast du eher Selbständige, oder ist es bunt gemischt, Leute die angestellt sind, Selbständige alles Mögliche, weil also ich kenne das halt aus unseren Gesprächen alles Mögliche, was wir halt von FastBill aus mit Kunden irgendwie ein Gespräch und sowas führen, dass gerade bei Selbständigen halt auch, also da ist glaube ich, der Schritt Investment auch gar nicht so ein Thema, das ist noch viel mehr, okay, ich muss irgendwie meine Finanzen halt in den Griff kriegen und das alles sauber halten. Wo wir ja auch ansetzen eigentlich mit unserer Software und sagen: "Hey, guck mal, Buchhaltung, Finanzen, alles Mögliche, kannst du irgendwie hinkriegen." Was ja glaube ich, laut dir auch, der erste Schritt ist.

B: Ja.

M: Das ist ja das wichtigste, weil logischerweise, wenn du deine Finanzen nicht im Griff hast, kannst du auch nicht investieren, weil dann weißt du gar nicht…

B: Mit welcher Kohle denn?

M: Eben, genau.

B: Also bei so einem Finanzworkshop sieht es nach der Anmelde-Quote sehr bunt gemischt aus. Ich sage mal, es gibt so einen Einstieg, wo man sagt so, okay, erstmal muss ich mehr Kunden, mehr Umsatz, dafür kommt mein klassischer Job mit mehr Kohle auf das Konto. Dann muss ich Ordnung in die Finanzstruktur reinbekommen, also mein Job ist ja die Einkommen hoch, weniger die Kosten runter, beziehungsweise Ordnung und Struktur reinbekommen. Und danach geht es los, deswegen sage ich immer, dass ich das Ding Finanzworkshop nenne, ist echt so eine Zuweisung an die Klientel, weil eigentlich müsste ich es Investmentworkshop nennen, aber sie verstehen genau das nicht, denn für sie ist es alles noch Finanzen. Also für den Klassischen, der da reinkommt, egal ob männlich, oder weiblich. Ja, bei den Selbständigen ist es häufig erstmal so, dass sie noch überhaupt gar nicht so wissen. Auf der anderen Seite wissen wir auch aus zig Studien, lieber fangen wir mit 25 Euro im Monat an, als gar nicht. Und das ist für die meisten, wenn es um Investment geht, denken sie halt: „Na ja, ich habe ja nicht vier-, oder fünfstellig rumliegen, da kann ich gar nicht investieren.“ Das sorgt genau für die langfristig schwierigsten Effekte, weil ich hätte ich mal mit 25 Euro vor zehn Jahren angefangen im Monat, würde ich heute auch woanders stehen. Und das ist immer so, kommt in Schwung.

M: Das geht, bei Investment habe ich jetzt auch immer, natürlich auch immer direkt irgendwie Wallstreet und riesige Summen und alles im Kopf. Es geht ja gar nicht darum, dann irgendwie wirklich super reich zu werden, sondern es geht ja eigentlich eher darum, dass man eine Sicherheit erstmal aufbaut und hat, so wie ich das verstanden habe. Du hast ja, glaube ich, auch verschiedene Schritte da gesagt, da spielt halt Altersvorsorge halt ein wichtiges Thema, was ja auch an sich wieder ein super komplexes Thema ist, bei den Angeboten, die es halt alle gibt. Jetzt soll irgendwie demnächst eine Pflicht auch für Selbständige eingeführt werden…

B: Könnten wir nicht lieber erstmal die Beamten in die Rentenkasse einzahlen lassen, das würde unser finanzielles Problem einfacher lösen. Aber ja, es ist halt einfach so, die meisten denken bei Investment an große Summen, ja? Also die meisten denken an mindestens fünfstellig. Das ist aber totaler Schwachsinn, Investment fängt in dem Moment an, wo ich Investments verfolge. Investment kann aber auch ganz ehrlich, der erste Moment ist ja meistens Investment in mich selbst. Aber es ist halt ein Unterschied, ob ich irgendwie was kaufe und davon keinen Effekt habe, oder in etwas investiere, wo ich einen Effekt habe und das klassischerweise, wo ich einen Effekt habe, nennt man halt nun mal Investment. Das sind so Kleinigkeiten, was man am Anfang erstmal unterscheiden muss, was ist Kostenfaktor, was ist Investmentfaktor. Und das ist halt das, wo der Profi immer sagt, fangt doch klein an, die großen Summen kommen schon. Und es kann es ja sein, dass ich von mir aus eher so Richtung finanzielle Unabhängigkeit oder mal ein Sabbatical, oder einfach nur eine Auszeit, eine Altersvorsorge, eine Rücklage. Wir haben alles, es gibt zig Varianten an Zielen, die kurz-, mittel- und langfristig sind. Und das schlimmste halt, die meisten fangen halt nicht an, weil sie eben diese Hürde im Kopf haben, dass es immer so um so großen Summen gehen muss. Die großen Summen entstehen aber aus kleinen Summen. Also wie alles im Leben, es sind die kleinen Schritte und die kleinen Entscheidungen, die zum großen Erfolg führen. Und bei Finanzen und Investment ist das eben halt nochmal ein Tacken komplexer.

M: Ich glaube auch, wenn da halt viel mehr Aufklärung und Wissen halt geschaffen werden würde und transferiert werden würde, gäbe es wahrscheinlich auch weniger so, einfach so Sachen wie Angst.

B: Ja.

M: Weil es gab irgendwie in der Zeit vor ein paar Monaten, oder vor ein paar Wochen auch so eine Artikelreihe, da ging es halt, haben halt Selbständige geschildert, wie ungerne sie in Urlaub fahren, weil sie einfach Angst haben, dass sie halt Geld verlieren, also ganz konkret und dass die Rücklagen halt hinterher weg sind. Wie hast du das denn hinbekommen, oder hattest du das Problem nicht, weil du dich mit Finanzen auskennst, weil du da herkommst, also war das für dich nie ein Thema?

B: Doch, doch, ich habe ja ein ordentliches Fuck-Up hingelegt, ich bin ja ein Proud Owner of the T-Shirt. Ich kann das völlig nachvollziehen, also wie gesagt, ich habe eine GmbH, durften wir auch mal einen vorsorglichen Insolvenzantrag einreichen, gut war eine GmbH, aber trotzdem alledem, ich habe erst das Geld verdient und dann auch ordentlich verbrannt. Nein, natürlich ist es nachvollziehbar, insbesondere, wenn ich halt an zwei Ecken ein Problem habe, wenn ich die Finanzen nicht verstehe und die Salesseite nicht verstehe. Und das ist halt immer das, was ich bei Selbständigen immer, ist es halt so doppeltgemoppelt, die haben weder eine saubere Buchhaltung, noch eine saubere Finanzlastigkeit. Und dann haben sie auch keine Ahnung, wo ihre Kunden herkommen. Ich mache dieses Thema jetzt schon so lange, immer noch irgendwie das Gefühl habe, dass die da Hoffnungssales, Hoffnungsmarketing machen oder teilweise mit Methodiken, wo man denkt so, das war mal seit 15 Jahren schon nicht mehr, wer hat jetzt den Flyer gedruckt und ausgelegt? Also solche Geschichten sind halt, es sind halt diese zwei offenen Flanken, die dann zu Existenzängsten führen, ja? Einmal ich kriege nicht genügend Neukunden und genügend Umsatz rein und auf der anderen Seite habe ich irgendwie auch keine Ahnung über meine Ausgaben und dann kommt noch die Steuernachzahlung und dann habe ich dreißig Tage am Laufen. Und schon ist das Stresslevel hart da. Und ich meine, jeder der, und habe jetzt die erste offizielle Company 2007 gegründet, ich kann ein Drama von Steuerzahlungen, weil man nie richtig ganz liegt, ja? Und das ist natürlich, dann setzt dann unter Stress, das geht an die Rücklagen und dann muss man die Rücklagen wieder auffüllen und sonst was, das ist kein Spaß. Aber die Frage ist halt immer, wie sehr habe ich die Sachen auch im Griff. Und diese zwei Punkte, dass ich halt Einnahmen nach oben, Kosten nach unten. Und dass Bindungsglied bei beiden Ordnung und Struktur ist, dann in einem großen strategischen Konzept, dann kriege ich auch endlich dieses dämliche mit den Existenzängsten aus dem Blick. Aber bis dahin muss ich halt meistens erstmal kommen und wenn ich halt doppelt blind bin und sage, verkaufen macht keinen Spaß, aber um Buchhaltung kümmern auch nicht, so hart vielleicht jetzt klingt, aber dann sollte ich es vielleicht lassen.

M: Ja, oder?

B: Einkaufen gehen.

M: Sales ist auch noch ein gutes Stichwort. Du hast ja glaube ich kein klassisches Verständnis von diesem Sales-Begriff? Also ganz konkret, was bedeutet Sales für dich so? Und wenn ich jetzt, ich habe Angst vor Akquise sage ich jetzt mal, wie gewinne ich denn jetzt Kunden, weil das ist wahrscheinlich bei vielen Leuten auch das Problem, Sales heißt, ich muss Leute anrufen, ich muss denen unangenehme E-Mails schreiben, ich gehe denen auf die Nerven, die haben da keinen Bock drauf. Und deswegen habe ich da logischerweise auch keinen Bock drauf.

B: Ja. Die Grundlage ist erstmal zu verstehen, alles was wir machen nicht verkaufspsychologisch optimierend, sondern gruppenpsychologisch. Da sind wir zurück beim menschlichen Verhalten und beim bewussten Entscheiden. Verkaufspsychologisch heißt, ich optimiere einen Verkauf und einen Prozess, um den Kunden am Ende des Tages, dass er immer ja sagt. Mich würde das massiv unter Druck setzen, das tut es auch den Kunden, das kennen wir alle, zig schlechte Salesbeispiele, führt sie alle im Kopf auf. Das passiert, wenn ich verkaufspsychologisch argumentiere und den Kunden dazu bringen will, dass er ja sagt, anstatt eine bewusste Entscheidung zu treffen. Und das ist erstmal die erste Stufe, kundenpsychologisch im Sales zu arbeiten und zu verstehen, wir arbeiten auf eine bewusste Entscheidung hin und die kann ja oder nein sein. Ich meine, es kann ja super sein, dass der Kunde sagt: "Frau Lampl ist toll, was Sie so machen, aber brauche ich nicht, oder jetzt nicht," oder was auch immer. Ist ja völlig legitim, oder auch zu sagen: "Wir passen nicht zusammen." Nur die Freiheit sollten beide Seiten haben, also das ist schon mal das erste wichtigste. Und die zweite ist natürlich immer die Frage, es gibt zwei harte Punkte, die ich immer analysieren muss, habe ich Ahnung vom Sales, habe ich irgendwie Wissen und kriege ich es hin, das ist das, was ich Sales-Selbstvertrauen nenne. Ich muss schon auch meine inneren Hürden überwinden und mutig sein. Und es ist dann egal, ob Teil der Kaltakquise oder Telefonhörer in die Hand nehmen, wirklich relevant ist. Am Ende des Tages ist es genauso schwierig, eine E-Mail zu schreiben, oder genauso schwierig auf eine Messe zu gehen. Mal ist das eine vertrauter, mal ist das andere vertrauter. Und sicherlich eine der größten Hürden ist bei Selbst-… und da kann ich durch die Bank reden, egal von Selbständigen, bis zum Konzern, diese aufgetrennte Haltung von Sales und Marketing. Und bei Marketing macht es so ein bisschen mehr Spaß. Ich muss halt nur so ein bisschen Reichweite erzeugen, danach hört es halt nicht auf. Und das, was am meisten hilft für einen guten Sales und Marketing ist erstens, je kleiner man ist, umso stärker sollte man diese beiden Begriffe einfach zusammenfassen, damit man eben nicht nur die Noise und die Likes sozusagen erzielt und einfach zu überlegen, was ist so der Endpunkt, was kauft der Kunde denn eigentlich so ein. Da sind wir wieder beim Resultat, beim Verstehen und dann kann ich mich durch den Salesberg arbeiten und immer vom Ergebnis rückwärts hin zu der Ursprungsfrage, wenn es nachts um halb drei ist, jemand nicht schlafen kann und ich weiß, das ist mein Kunde, an was denkt der? Das ist mein Einstieg sozusagen auf der Marketingseite und dann final zu wissen, okay, dann muss ich ihn durch die verschiedenen Stufen, mit ihm gemeinschaftlich gehen. Mit ihm gemeinschaftlich gehen, deswegen mag ich keine Sales Funnels, mit ihm gemeinschaftlich gehen, damit er eine gute Entscheidung treffen kann. Und ja, das ist technisch genauso umsetzbar wie bei einem Gespräch oder sonst irgendwas, die Systematik ist die gleiche dahinter.

M: Ich habe jetzt noch drei schnelle Fragen. Und zwar das erste: Als eine der einflussreichsten Fintech-Women, sage ich jetzt mal, in der Dachregion, würde ich dich gern mal fragen, was für dich das next Big Thing ist, oder wo du dich vielleicht auch konzentrieren willst, in welchem Feld so.

B: Also ich definitiv, ich bin auch die Variante AI, deswegen auch die data science Lehraufträge, definitiv AI, wobei ich immer noch sage, mal gucken, wie weit wir das mit dem Artificial Intelligence hinbekommen, oder was auch immer, die Definition da am Ende des Tages AI ist definitiv das, was kommen wird. Und ich sehe es halt als das an, was ich immer schon mache, nämlich unbiased AI, oder beziehungsweise was ich immer versuchen will. Und das ist der Finanzwelt noch viel härter, weil wir ja schon ganz viel bias drin haben, sei es beim Credit-Scoring, sei es bei den Investmententscheidungen, oder sonst irgendwas. Also das ist für mich, war schon jahrelang das Thema IBM sagt auch, es ist so 5 in 5, ist auch eine unbiased AI und ich sehe die definitiv, dass wir als Finanzdienstmarktleister, was auch immer wir da uns selbst irgendwo definieren, wenn wir da nicht unseren Hintern hochbekommen, haben wir ganz große Probleme, weil uns fehlen ansonsten Märkte, mal wieder. Und Inklusivität mal wieder, was langfristig mal wieder dazu führt, dass wir irgendwie was kaputt machen. Also AI ja, mein persönlicher Schwerpunkt ist definitiv die unbiased, also die wirklich auf Verhalten… und eben in diesem Bereich.

M: Dann noch eine Frage, welches Buch, du hast ja gerade schon gesagt, du hast die ganze Bibliothek durchgearbeitet bei euch im Dorf damals schon, da hast du wahrscheinlich nicht aufgehört zu lesen, wenn du jetzt ein Buch sagen würdest, das jeder Mensch gelesen haben sollte, welches wäre das? Kannst auch meinetwegen fünf nennen, aber.

B: Okay, ich sag euch mein Lieblingsbuch, das ist nämlich mal ausnahmsweise kein Fachbuch, sondern Bulgakows Der Meister und Margarita. Ist ein großer russischer Autor, kann ich nur empfehlen, das ist eine Faustische Geschichte, der Teufel kommt nach Moskau. Sehr zu empfehlen, hochpsychologisch, hochgroßartig gestrickt. Eins der Bücher, die ich momentan am meisten empfehle ist, Great At Work. Wie heißt der jetzt, ich glaube Morson (Morten T. Hansen, Anm. d. Red.) oder sonst irgendwas, also Great At Work ist es auf jeden Fall. Das ist eine spannende, wissenschaftlich basierte Studie, was wirklich davon ausmacht, dass jemand erfolgreich bei der Arbeit ist, erfolgreich mit Sinn und Zweck und insbesondere auch und das ist das Schöne an dem Buch, auch für Angestellte war, ansonsten ist es immer nur so für Selbständige umsetzbar. Das ist auf jeden Fall Great At Work, top Empfehlung momentan.

M: Das werde ich mir auf jeden Fall mal angucken. Noch eine abschließende Frage: München oder Köln?

B: Jetzt kommt es wieder raus, aber es ist hart, meine Homebase ist Köln, auch wenn ich regelmäßig in München bin, aber Home is where the Dome is.

M: Es hat mich sehr gefreut, ich fand es extrem spannend.

B: Mich auch.

M: Es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Ich werde, wenn ich das jetzt weiter auseinandernehme, was auch immer, ich werde gucken, dass ich alles, was irgendwie, alles was man verlinken kann, werde ich verlinken, Lean in, die Bücher, dich findet man ja, wenn man dir folgen will, auf Instagram, Twitter, überall wo man sich so rumtreibt.

B: Von Facebook über Instagram, über Twitter, über LinkedIn, überall was nicht bei drei auf den Bäumen ist, wenn ihr meinen Vor- und meinen Nachnamen eingebt, dann habe ich geschafft, dass mir die ersten acht Seiten bei Google gehören, ihr werdet mich finden.

M: Googled alle nach Barbara Lampl, beziehungsweise…

B: Emphatic Business und die Links findet ihr in den Shownotes.

M: Genau, alles klar, danke sehr.

B: Bitte, bitte. 

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