Adé Nadelöhr IT-Abteilung: Lilith Brockhaus über die Macht von No-Code

melanie petersen 16. Dezember 2021 0
Adé Nadelöhr IT-Abteilung: Lilith Brockhaus über die Macht von No-Code

Während jahrzehntelang die IT-Abteilung in Unternehmen das Nadelöhr für nahezu alle Projekte war, gibt es inzwischen zahlreiche Programme und Plattformen, die Teams ermöglichen, eigenständig technische Prozesse umzusetzen. Die Rede ist von Automation und Entwicklung via No-Code. Wir haben uns mit FastBill-Pro Kundin Lilith Brockhaus (27) über ihr Startup VisualMakers, eine Lernplattform für No-Code und ihren Weg in die Tech-Branche unterhalten.

Hi Lilith, auf deiner Seite schreibst du, dass du über Umwege in die Tech-Branche geraten bist und eigentlich Schauspielerin werden wolltest. Wie kam es dazu, dass du jetzt ein wahrer Tech-Nerd bist?

Ja, eigentlich wollte ich Schauspielerin werden, schon seit ich zehn Jahre alt war, habe ich das professionell verfolgt. Nach dem Abi habe ich dann 3 Jahre lang an Schauspielschulen vorgesprochen und bin dann durch Zufall bei PIRATE (Anm. pirat.global ist eine Eventagentur für Start-ups) gelandet. Und das hat mir so gut gefallen, dass ich dort nach drei Wochen angefangen habe, Vollzeit zu arbeiten. Nebenher habe ich Medien- und Kulturwissenschaften und Musikvermittlung studiert. Also eine ganz andere Richtung. Ich hatte echt keine Ahnung von Tech.

Bei PIRATE bin ich dann die klassischen Start-up-Stationen durchlaufen: Social Media, Projektmanagement und schließlich Key-Account-Management für eine internationale Eventreihe. Und dann wollte ich gerne ins Produktmanagement, weil ich mich schnell für das Thema Automatisierung interessiert habe. Nach kurzer Zeit war ich mit einem kleinen Team für unsere automatisierten Prozesse und unsere digitalen Produkte zuständig, wie z. B. unsere Websites oder eine Jobplattform.

Ich habe dann gemerkt, dass es nicht reicht, dass nur ich die ganzen Prozesse und Automatisierungen kenne und weiß, was man damit machen kann, denn das Team kannte sie nicht. Es fehlte das Wissen darüber, was überhaupt möglich ist. Daraufhin habe ich Company-intern Workshops angeboten, damit die Kollegen zumindest die Basics kennen und einschätzen können, was sie automatisieren können. Als ich über diese Workshops Blogposts geschrieben habe, haben sich viele Firmen gemeldet und haben gefragt, ob ich so einen Workshop nicht auch bei Ihnen geben könnte.

Wie kam es dann zu der Gründung von VisualMakers?

Ich bin schließlich auf eine Konferenz eingeladen worden als Speaker für No-Code und Entrepreneurship und da habe ich meinen Co-Gründer Alex kennengelernt, der mich damals zu seinem Podcast eingeladen hat. Er hatte da schon einen kleinen Prototypen gebaut von der VisualMakers Plattform. Alex kommt eigentlich aus dem Entwicklerbereich, hat IT-Entwicklung und Produktmanagement gemacht und sich auf Product Building mit No-Code spezialisiert. Ich kam eher aus der Automatisierungsrichtung. Das passte gut zusammen und dann haben wir nach drei Wochen beschlossen: Wir machen das jetzt zusammen.

Was macht VisualMakers und wer ist eure Zielgruppe?

VisualMakers ist eine Lernplattform für No-Code und Automation mit einem Membershipmodell, auf der man sich kostenfrei oder mit einer bezahlten Aboversion anmelden kann. Über die Plattform erhält man Zugriff auf Lerninhalte und die Community, mit der wir uns per Slack austauschen und uns virtuell treffen. Es gibt Onlinekurse zu verschiedenen Tools, Blogposts und auch einen Podcast. Im Wesentlichen geht es um die Fragen: Was ist No-Code, wozu braucht man das überhaupt und warum ist das wichtig für mich? Und aber vor allem auch darum, die Leute direkt durch Use-Cases etc. zu befähigen.

No-Code-Lernplattform VisualMakers

VisualMakers - die Lernplattform für No-Code (Screenshot: https://www.visualmakers.de/)

Wir sind jetzt circa 320 Mitglieder in der Community. Das sind teilweise Gründer, die ihren ersten Prototypen mit No-Code umsetzen, statt ein halbes Jahr zu entwickeln und Tausende von Euros in den Sand zu setzen, da sind Angestellte aus HR-Abteilungen dabei, die ihren Recruitingprozess automatisieren wollen oder Leute aus dem Marketing. Auch Selbstständige, Freelancer und Agenturen sind dabei. Wir machen zudem viel im Bereich Corporate Learning, wo Unternehmen ihre Mitarbeiter befähigen mit No-Code umzugehen. Universitäten, die einen Entrepreneurship-Fokus setzen, haben wir ebenfalls im Programm. Wir entdecken also gerade erst, wer noch alles zu unserer Zielgruppe gehört.

Wie ist denn die Geschlechterverteilung bei euren Kunden?

Die ist noch nicht ganz so, wie ich es mir wünsche. Derzeit sind es 25 bis 35 Prozent Frauen etwa. Aber da wir mehr Frauen im Tech-Bereich brauchen, ist das auch etwas, das wir bald angehen wollen.

Für Menschen, denen No-Code bisher noch kein Begriff ist: Nenn doch mal ein klassisches Beispiel, wofür man früher die IT-Abteilung brauchte und was heute ganz unproblematisch in den Teams liegen kann?

No-Code meint die Entwicklung von Software, ohne eine Zeile Code zu schreiben. Dabei wird auf sogenannte No-Code-Tools zurückgegriffen, mit denen man sich einfach Anwendungen oder automatisierte Prozesse zusammenklicken kann – als würde man mit Legosteinen bauen oder eine Powerpoint-Präsentation erstellen. So kann man beispielsweise Apps und Webapps schreiben und Prozesse automatisieren, ohne selber programmieren können zu müssen. Marketing Teams können zum Beispiel ihre eigenen Landingpages bauen, HR Teams können ihren Recruitingprozess automatisieren - und generell können repetitive Aufgaben automatisiert werden.

Was gibt es für Ressentiments gegen No-Code? Wie wird das Thema in klassischen IT-Abteilungen gesehen?

Das ist tatsächlich sehr unterschiedlich. Es gibt die Angst, grade von IT-Abteilungen größerer Unternehmen, dass sich da so eine Art Schatten-IT aufbaut wie in den 90ern. Das man auf einmal so einen Wust an Excel und Access-Datenbanken hat und keiner mehr weiß, wo irgendwas ist. Die große Chance für No-Code liegt natürlich in der Cloud. Ich glaube aber, dass die Befähigung der Teams, also dass diese nicht mehr mit allem von der IT abhängig sind, schon sehr begrüßt wird.

Außerdem haben wir herausgefunden, dass dadurch die Kommunikation auch in Projekten, bei denen die IT-Abteilung beteiligt ist, enorm verbessert wird. Weil viel mehr mitreden und technisch tiefer in die Thematik gehen können.

Wenn es um IT-Verständnis geht, dann hört man ja heutzutage oft die Forderung, dass auch Kinder schon in der Schule coden lernen sollten. Was denkst du darüber?

Ich habe zwei jüngere Brüder, die in der Schule tatsächlich schon IT-/ Coding-Kenntnisse gesammelt haben. Ich bin sehr dafür. No-Code gibt einem einen leichten Einstieg in die IT-Welt. So war es auch für mich. Ich habe danach einen Entwicklerkurs gemacht. Ich muss dazu sagen, ich bin eine wahnsinnig schlechte Entwicklerin. Ich bin sehr langsam. Aber ich verstehe die Grundlagen und kann mich damit frei in der Softwareentwicklung bewegen.

Je mehr Menschen Zugang zu No-Code haben, desto bessere Produkte können entstehen. Und deswegen halte ich es für supersinnvoll, dass man schon in der Schule anfängt, das spielerisch zu lernen. Das nimmt die Angst, Dinge kaputtmachen zu können. Bei VisualMakers geht es genau darum: dass Leuten die Angst vor Tech genommen wird. Es ist oft so, dass viele sich nichts trauen, aus Sorge, etwas kaputtzumachen. Und No-Code löst das auf.

Was ist eure langfristige Vision mit VisualMakers?

Ich würde mir wünschen, dass wir uns in 20, 30 Jahren obsolet gemacht haben. Den Leuten Zugang zu Tech zu geben, ist, was uns antreibt und diesen Zugang den hat dann hoffentlich jeder.

Ihr habt mitten in der Pandemie gegründet, allerdings läuft euer Geschäftsmodell ja komplett online. Hat sich die Pandemie überhaupt auf euch ausgewirkt?

Ja, aber eher positiv. Allein schon in dem Sinne, dass ich und Alex uns auf einer Onlinekonferenz kennengelernt haben. Wer weiß, ob das sonst passiert wäre, wenn das eine physische Konferenz gewesen wäre.

Auch, dass Menschen sich vermehrt online weiterbilden wollen, ist ein Faktor. Zeitweise gab es ja so eine gewisse Ruhe dadurch, dass man nichts machen konnte und sich viel mit sich beschäftigen mussten. Da sind viele darauf gekommen, was nebenher zu machen, zu gründen oder sich eben weiterzubilden.

Du hast dir viel selbst beigebracht. Hattest du dennoch auf deinem Weg eine Mentorin / einen Mentor, bzw. kannst du jemanden aus der Branche nennen, der dich inspiriert?

Ich bin nicht so der Typ für Vorbilder. Ich hatte schon als Kind keine. Aber ich hatte bei meinem ersten Arbeitgeber jemanden, der mich sehr hat machen lassen, der an mich geglaubt hat und den ich auch heute noch als Mentor betrachten würde. Viele Grüße an Manuel! Ansonsten finde ich Lea Sophie Kramer sehr spannend. Die Unternehmensgeschichte von Amorelie ist spannend und Kramers Courage, das Thema in so ein Lifestyle Produkt zu pushen, finde ich super. Ansonsten sind Verena Pausder oder Tijen Onaran, die auch ganz viel in der Women in Tech Branche unterwegs ist, eine Inspiration für mich.

Drei spannende Frauen. Glaubst du Frauen haben es immer noch schwerer in der Techwelt, bzw. hast du das Gefühl, anders als deine männlichen Kollegen behandelt zu werden?

Ich persönlich habe sehr viel Glück gehabt und sogar oft eher Vorteile gehabt als Frau. Es gibt schon häufig mal diesen ersten Moment, wo man mir nicht zutraut das ich in der Techbranche bin oder dass ich mir selbst etwas nicht sofort zutraue, Stichwort Impostersyndrom. Aber ich merke dann eben doch, dass ich schon sehr gut bin, in dem, was ich da tue. Und ich habe lange gebraucht, das zu akzeptieren. Letztlich habe ich gemerkt, dass ich mich in dieser recht männerdominierten Welt gut behaupten kann. Ich bin aber auch in einem Umkreis wo das sehr gefördert wird. Wo ich fast schon manchmal das Gefühl habe, die Quotenfrau zu sein. Was ich inzwischen aber auch wichtig finde: Ich habe mich selber zwar nie so gesehen, aber ich höre halt immer mal wieder, dass ich für andere Frauen eine Inspiration bin, in dem Sinne, dass die sich den Weg in die Techbranche dann auch eher trauen. Und das finde ich wichtig.

Was ist ein Learning, dass du anderen jungen Gründern und Gründerinnen gern mitgeben möchtest?

Hört auf euer Bauchgefühl! Wenn sich was doof anfühlt, obwohl alles super scheint: Hört auf das Bauchgefühl. Und speziell für Frauen: Ihr könnt mehr als ihr glaubt. Vor allem auch, wenn man da ans Pricing denkt. Seinen eigenen Wert kennen ist enorm wichtig.

Ihr seid ja seit Gründung auch FastBill-Kunde, wie nutzt ihr FastBill für euer Business?

Wir nutzen FastBill für die komplette Buchhaltung und Rechnungsstellung. Wenn sich jemand zum Beispiel bei uns für unsere bezahlten Inhalte entscheidet, wird automatisiert in FastBill ein neuer Kunde erstellt, eine Rechnung wird erstellt, die Rechnung wird automatisiert an den Kunden geschickt und die Zahlung anschließend der Rechnung zugeordnet.

Außerdem erstellen wir Angebote mit FastBill, behalten immer die Übersicht welche Forderungen noch offen oder überfällig sind und wir können unser Mahnwesen über FastBill abbilden. FastBill ist direkt mit unserem Bankkonto verbunden, sodass wir eingehende Zahlungen auch direkt Belegen zuordnen können. Und unser Steuerberater hat einen Zugang, sodass er sich die benötigten Exporte einfach selbst ziehen kann.

Und wenn du dir noch was wünschen könntest von uns, was wäre das?

Mehr Designoptionen und Anpassungsmöglichkeiten für die Mails, mit denen die Rechnungen rausgehen. Native Apps für Zapier und Integromat wären auch toll - das würde die Automatisierung und Erweiterung von FastBill noch um einiges einfacher machen. 

Vielen Dank für das nette Gespräch und deine Zeit, Lilith! 

Anm. der Redaktion: Wir haben uns Liliths Feedback zu Herzen genommen und konnten am 15.12 direkt eine Verbesserung für die ausgehenden Mails live nehmen, die mit Firmen-Logo verschickt werden. Das Logo wird jetzt automatisch skaliert und eure Mail sehen dadurch besser aus. Für neue Kunden ist diese direkt live, Bestandskunden können sich an den Support unter support@fastbill.com wenden, um das Feature live zu stellen.

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