Insourcing: Das Resultat gescheiterter Outsourcing Projekte?

Tim Benjamin Peters 31. August 2015 2
Insourcing: Das Resultat gescheiterter Outsourcing Projekte?

In meinem letzten Artikel habe ich Beispiele für Erfolg und Misserfolg bei Outsourcing Projekten vorgestellt, Tipps für erfolgreiches Outsourcing genannt und beleuchtet, welche Dinge sich eigentlich für das Outsourcing eignen und welche nicht.

Im heutigen Beitrag möchte ich mich intensiv mit dem Gegenstück zum Outsourcing beschäftigen. Der Begriff Insourcing beschreibt die Reintegration von Aufgaben, Funktionen und Prozessen in ein Unternehmen. In der Regel verwendet man den Begriff dann, wenn vorher ein Outsourcing stattgefunden hat.

Die Studie zu den IT-Trends 2014 von der weltweit tätigen Beratungsfirma Capgemini hat ergeben, dass 28% der befragten Unternehmen, die in diesem Jahr ein IT-Projekt ausgelagert hatten, dieses anschließend wieder in das eigene Unternehmen eingegliedert haben – insbesondere betraf dies Projekte im Bereich Application Management. Interessant ist zudem, dass nur selten Probleme mit dem Outsourcing Dienstleister zum Insourcing führten – den meisten Unternehmen ging es um schnellere Reaktionszeiten und den Wiederaufbau von Know-how.

Deshalb entscheiden sich Unternehmen für Insourcing

Selbstverständlich ist es für Unternehmen unter finanziellen Gesichtspunkten keine gute Idee, einen Prozess zunächst auszulagern und anschließend wieder einzulagern. Dennoch gibt es eine Reihe von Szenarien, bei denen Insourcing die beste Option ist, wieder auf einen guten Weg zu gelangen.

Folgende Gründe sind denkbar:

  • Wiedererlangen von Know-How: Mit jeder größeren Outsourcing Entscheidung ist über kurz oder lang auch ein Verlust von firmeninternem Know-How verbunden. Oftmals merken Unternehmen zu spät, dass es doch besser wäre, das Know-How im eigenen Unternehmen zu behalten.
  • Schnellere Reaktionszeiten und höhere Flexibilität: Insbesondere im IT-Bereich sind schnelle Reaktionszeiten und eine hohe Flexibilität Pflicht. Wenn der zuständige IT-Kollege einen Raum weiter sitzt, werden Anliegen oftmals schneller bearbeitet als bei externen Dienstleistern.
  • Reduzierung der Abhängigkeit: Wer Dinge auslagert, begibt sich damit gleichzeitig in eine intensive Abhängigkeit von dem ausgewählten Dienstleister. Gibt es Probleme mit dem Dienstleister, leidet auch das eigene Unternehmen darunter, was gegebenenfalls verheerende Auswirkungen haben kann. Ein möglicher Grund für das Insourcing ist also, die Abhängigkeit von anderen Unternehmen zu reduzieren.
  • Falsche Erwartungen an Qualität und Service: Ein wesentlicher Grund für die meisten Outsourcing Entscheidungen ist, dass man sich finanzielle Einsparungen verspricht. Wenn diese Einsparungen beispielsweise durch eine erhöhte Anzahl von Garantiefällen umgekehrt werden, ist dies ein Grund, die Produktion wieder einzulagern. Darüber hinaus kann auch schlechter Service vom Outsourcing Dienstleister zum Insourcing führen.
  • Mangelnde Identifikation: Mitarbeiter, die sich stark mit einem Unternehmen und dessen Produkten identifizieren, liefern oft bessere Ergebnisse ab als Mitarbeiter, die keinen richtigen Bezug zu dem Unternehmen haben. Insbesondere im Call Center Bereich kann dies starke Auswirkungen auf die Kundenzufriedenheit haben.
  • Probleme hinsichtlich der Auslastung: Insbesondere in Zeiten, wo die allgemeine Wirtschaftslage schlecht ist, kommt es oftmals dazu, dass Mitarbeiter eine krisenbedingte Unterauslastung haben. Für Unternehmen kann dies ein Grund sein, in der Vergangenheit ausgelagerte (einfach zu erlernende) Prozesse wieder einzugliedern, um die eigenen Mitarbeiter auch während der Krise vollständig auszulasten und die Kosten, die der Dienstleister berechnet, einzusparen.

Welche Vorteile kann Insourcing bieten?

Es gibt also viele Gründe, die für eine Wiedereingliederung sprechen können. Dabei sollte jedoch nicht vergessen werden, dass es auch bestimmte Risiken beim Insourcing gibt, die es zu beachten gilt.

Nachfolgend findest du zunächst eine Liste mit möglichen Vorteilen, die aus dem Insourcing entstehen können:

  • Aufbau von Know-how und Erweiterung der firmenintern abbildbaren Kompetenzen
  • Der Zeitaufwand, den man für die Absprachen mit dem Dienstleister aufwenden musste, fällt weg
  • Kurzfristige Schwankungen bei der Auslastung können unter Umständen besser abgefangen werden, wenn Kollegen aus anderen Abteilungen spontan einspringen können
  • Möglicherweise kommt es zu Qualitätsvorteilen und/oder Kostenvorteilen
  • Die Abhängigkeit von der Zuverlässigkeit des Dienstleisters entfällt

Diese Nachteile können entstehen

Wo es Vorteile gibt, dort existieren oft auch Nachteile. Die folgenden Punkte solltest du bei einer Insourcing Entscheidung bedenken:

  • In einem Interview mit der WirtschaftsWoche gibt Prof. Wolfgang Maaß von der Universität Saarbrücken zu bedenken, dass Insourcing sehr teuer und zeitraubend sein kann
  • Falls neue Mitarbeiter eingestellt werden müssen, kommt es zu höheren innerbetrieblichen Personalkosten
  • Produktionsrisiken müssen wieder selbst getragen werden – wenn es beispielsweise aufgrund eines Produktionsfehlers zu einem Rückruf der Produkte kommt, können keine Schadensersatzansprüche gegenüber Dritten geltend gemacht werden
  • Die Fokussierung auf Kernkompetenzen, die oft ein Grund für das Outsourcing ist, wird rückgängig gemacht

Fazit

Nicht jede Auslagerungs-Entscheidung, die in Unternehmen getroffen wird, hat dauerhaft Bestand. Wenn sich bestimmte Situationen ergeben, in denen es keinen Sinn mehr macht, die Prozesse und Aufgaben weiterhin extern umsetzen zu lassen, sollte man als Unternehmen auch den Mut haben, eine solche Entscheidung rückgängig zu machen.

Nicht immer ist das Insourcing unbedingt der Beweis dafür, dass ein vorher ausgelagertes Projekt gescheitert ist. Es ist auch möglich, dass sich bestimmte Voraussetzungen so geändert haben, dass es unter Berücksichtigung der neuen Ausgangslage nur sinnvoll ist, eine in der Vergangenheit korrekterweise getroffene Entscheidung umzukehren und das Unternehmen für die Zukunft besser aufzustellen.

Ich selbst habe im Rahmen meiner Selbstständigkeit vor einiger Zeit die Entscheidung getroffen, nur noch äußerst komplexe Designarbeiten an einen Auftragnehmer auszulagern. Einfache Grafikbearbeitungen setze ich seither selbst um, nachdem ich mir über einen längeren Zeitraum entsprechendes Know-how angeeignet habe.

Insourcing ist also nicht nur bei größeren Unternehmen sinnvoll.

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