Gewerbesteuer berechnen – darauf kommt es an

Kimia Yourdkhani 06. November 2020 0
Gewerbesteuer berechnen – darauf kommt es an

Gewerbebetriebe unterliegen der Pflicht, jährlich Gewerbesteuer zu bezahlen. Diese wird je nach Hebesatz der Gemeinde bestimmt und hängt mit deinem konkreten Gewerbeertrag zusammen. Doch wie genau kannst du deine Gewerbesteuer berechnen? Mit unserer Anleitung unterstützen wir dich dabei, deinen Gewerbeertrag richtig zu versteuern und dich für die richtigen Variablen zur Berechnung zu entscheiden. Wir unterstützen dich gerne bei deiner steuerlichen Kalkulation.

Inhaltsverzeichnis 

1. Was genau ist die Gewerbesteuer?

2. Wie definiert sich ein Gewerbebetrieb?

3. So kannst du deine Gewerbesteuer berechnen

4. Wann muss die Gewerbesteuer bezahlt werden?

5. Gewerbesteuer als Betriebsausgaben? Keinesfalls!

6. Kürzungen als Mittel gegen die Doppelbesteuerung

7. Jetzt deine kommende Gewerbesteuer berechnen

Was genau ist die Gewerbesteuer?

Bei der Steuer speziell für Gewerbebetriebe handelt es sich um die wichtigste Einnahmequelle für lokale Gemeinden. Aus diesem Grund unterscheidet sich die Steuer je nach Hebesatz an jedem Ort, was einige Orte für Neugründungen eher ungeeignet werden lässt, andere Umgebungen hingegen fördert. Der Freibeitrag für klassische Personengesellschaften liegt bei 24.500 €, wodurch die Steuer erst für einen Gewerbeertrag anfällt, der diese Grenze überschreitet.

Die konkrete Erklärung für deine Gewerbesteuer ist immer bis zum 31. Mai des Folgejahres fällig. Da es sich bei dieser Steuer um eine reine Gemeindesteuer handelt, fließen die damit verbundenen Zahlungen direkt in die Region deines Unternehmens. Berechne aus diesem Grund im Vorhinein, wie hoch die anstehenden Zahlungen ausfallen und worauf du bei deiner Gewerbesteuer achten solltest.

Wie definiert sich ein Gewerbebetrieb?

Praktisch jedes Unternehmen mit einem Jahresgewinn von mehr als 24.500 € zahlt Gewerbesteuern. Dieser Freibetrag gilt jedoch ausschließlich für Personengesellschaften, also für klassische Einzelunternehmen, Betriebe und ähnliche Formen. Eine Kapitalgesellschaft verfügt über keinen Freibetrag, da Aspekte wie der Unternehmerlohn als Betriebsausgabe abgezogen werden darf.

Dennoch gibt es einige Berufsgruppen, die komplett von der Gewerbesteuer befreit sind. Hierzu gehören beispielsweise Journalisten, Autoren, Steuerberater, Ärzte, Architekten und ähnliche freie Berufe. Auch für Forst- und Landwirtschaftsbetriebe wird keine Gewerbesteuer eingefordert. Wer hingegen in diesen Berufsgruppen zusätzliche Gewerbetätigkeiten ausführt, muss mit einer möglichen Nachzahlung der Gewerbesteuer rechnen. Achte aus diesem Grund darauf, ob sich eine weitere Nebentätigkeit noch lohnt, wenn du dadurch deine Freiberuflichkeit aufgeben musst.

So kannst du deine Gewerbesteuer berechnen

Die Summe deiner Gewerbesteuer ist immer vom Jahresgewinn des Gewerbebetriebs abhängig. Umso höher der Gewinn ausfällt, desto mehr Steuer muss bezahlt werden. Die einheitliche Steuermesszahl beträgt an dieser Stelle 3,5 %, die sich multipliziert mit deinem lokalen Hebesatz zum Steuermessbetrag zusammensetzt. Auf diesen hast du als Gewerbebetrieb selbst Einfluss, da er mit zunehmendem Gewerbeertrag steigt.

Die mit der Berechnung verbundenen Hebesätze sind in jeder Region unterschiedlich. Innerhalb großer Städte liegen sie meist zwischen 400 % und 500 %, kleinere Gemeinden verfügen hingegen in bestimmten Umgebungen über einen deutlich niedrigeren oder höheren Hebesatz. Der geringste Hebesatz darf laut 2004 gesetzlich 200 % betragen. Diese Untergrenze nehmen jedoch nur die wenigsten Gemeinden wahr.

Gehen wir für ein erstes Rechenbeispiel davon aus, ein Elektronikhändler macht einen Gewinn von 70.000 €. Als Gewerbeertrag bleibt nach Abzug der Freigrenze von 24.500 € noch ein Betrag von 45.500 €. Nehmen wir für das Beispiel einen Hebesatz von 410 % für Berlin an.

Jahresgewinn: 70.000 €

Zu versteuernder Gewinn: 70.000 € - 24.500 € = 45.500 €

Steuermessbetrag: 45.500 € x 0,035 (Steuermesszahl) = 1.592,50 €

Gewerbesteuer: 1.592,50 € x 4,1 = 6.529,25 €

Anders gestaltet sich der Umgang mit dem Gewerbeertrag bei Kapitalgesellschaften. Hierbei entfällt der Freibeitrag von 24.500 €, was die Gewerbesteuer deutlich höher werden lässt. Auch hierbei nehmen wir für unser Beispiel die Landeshauptstadt Berlin mit ihrem Hebesatz von 410 %.

Jahresgewinn: 70.000 €

Zu versteuernder Gewinn: 70.000 €

Steuermessbetrag: 70.000 € x 0,035 (Steuermesszahl) = 2.450 €

Gewerbesteuer: 2450 € x 4,1 = 10.045 €

Dementsprechend wird deutlich, dass der fehlende Freibetrag für Kapitalgesellschaften schnell zu einer größeren Belastung des Gewerbeertrags wird. Andererseits haben derartige Gewerbebetriebe weitere steuerliche Vorteile, die bei der Gewerbesteuer unberücksichtigt bleiben. Dies lässt sich jedoch am besten in gemeinsamer Absprache mit dem für dich zuständigen Berater klären.

Wann muss die Gewerbesteuer bezahlt werden?

Deine Gewerbesteuer wird durch das Finanzamt aus deinem Jahresabschluss entnommen. Sobald diese erstmalig bestimmt wurde, musst du in den Folgejahren zusätzliche Vorauszahlungen leisten. Diese werden jeweils zu 15. Februar, zum 15. Mai, zum 15. August und zum 15. November eingezogen. Konkret sind die Vorauszahlungen jeweils ein Viertel deiner Gewerbesteuer aus dem Vorjahr, wodurch sich die steuerliche Belastung für deinen Gewerbebetrieb besser verteilen lässt.

Gewerbesteuer als Betriebsausgaben? Keinesfalls!

Die Gewerbesteuer unterliegt der Nichtabziehbarkeit und kann deshalb nicht als Betriebsausgabe geltend gemacht werden. Diese Bestimmung stammt aus dem EstG und wurde 2008 integriert. Auch wenn es sich um eine betriebliche Steuer handelt, müssen sie Gewerbebetriebe als Privatentnahme verbuchen. Eine Gewerbesteuer wirkt sich daher nicht auf die Zahlungen zur Einkommensteuer aus, da du auf deine Gewerbeerträge ebenfalls die Einkommenssteuer bezahlen musst.

Diese Entscheidung aus dem Jahr 2008 sorgt in regelmäßigen Abständen für Klagen, da die Steuer nicht freiwillig aus dem Privatvermögen entnommen wird. Gesetzlich wird die Steuer allerdings dadurch gerechtfertigt, dass sich dadurch die persönliche Einkommenssteuerschuld verbessern lässt. Von positiven Auswirkungen auf die Steuerbelastung im Betrieb kann jedoch keine Rede sein.

Kürzungen als Mittel gegen die Doppelbesteuerung

Um deinen Gewinn und den damit verbundenen Gewerbeertrag zu senken, kannst du ausländische Gewinne, Auszahlungen an Kapitalgesellschaften oder Anteile des Wertes deines Grundstücks vom Gewinn abziehen. Dadurch hast du als Gewerbebetrieb die Möglichkeit, deine zukünftigen Kosten unabhängig vom Hebesatz zu senken und dein Unternehmen zu entlasten. Dies gilt auch für Investitionen in den Betrieb, die ebenfalls im Vorhinein abgezogen werden können.

Nutze in dieser Hinsicht das laufende Geschäftsjahr, um die Kosten für dich und deinen Betrieb zu erhöhen. Dies verschafft dir die Möglichkeit, den Jahresgewinn und somit auch die Steuerpflicht für deinen Gewerbebetrieb zu mindern. Für mögliche Hinzurechnungen gibt es seit 2020 einen Freibetrag von 200.000 € jährlich, wodurch sich viele große Projekte einwandfrei realisieren lassen.

Jetzt deine kommende Gewerbesteuer berechnen

Um deine Steuerbelastung im Blick zu behalten, solltest du rund um deinen Gewerbebetrieb in regelmäßigen Abständen die Steuerbelastung berechnen. In Abhängigkeit vom Hebesatz gibt es hierzu zahlreiche Tools und Rechner, die dich dabei unterstützen. Beachte hierbei die Rechtsform deines Unternehmens und sorge dafür, dass der Steuerbescheid für dich nicht überraschend kommt.

Noch keine Kommentare vorhanden.

Was denkst du?

Überzeuge dich selbst

Automatischer Beleg-AssistentBankingBusiness Apps synchronisierenBelege erfassenRechnungen schreiben

Kostenlose Tools

Mehrwertsteuer RechnerBusinessplan VorlageFinanz-Lexikon

Beliebte Beiträge

UmsatzsteuererklärungSteuerberater KostenSo kommst du zum Gewerbeschein

Gastbeitrag veröffentlichen

Du hast eine Idee für einen spannenden Artikel, der echten Mehrwert für Freelancer und Selbstständige bietet?

Jetzt Gastautor werden

Verwirkliche deine Ideen. Wir kümmern uns um den Papierkram.

Buchhaltung papierlos und digital.
Erstelle rechtskonforme Rechnungen, sammle schnell deine Belege und rock deine Finanzen.
Mehr erfahren