Freie Berufe: Was es mit der Freiberuflichkeit auf sich hat

Till Tauber 02. Dezember 2015 1
Freie Berufe: Was es mit der Freiberuflichkeit auf sich hat

Ein freier Beruf ist wie folgt definiert:

„Zu der freiberuflichen Tätigkeit gehören die selbständig ausgeübte wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeit, die selbständige Berufstätigkeit der Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte, Rechtsanwälte, Notare, Patentanwälte, Vermessungsingenieure, Ingenieure, Architekten, Handelschemiker, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, beratenden Volks- und Betriebswirte, vereidigten Buchprüfer, Steuerbevollmächtigten, Heilpraktiker, Dentisten, Krankengymnasten, Journalisten, Bildberichterstatter, Dolmetscher, Übersetzer, Lotsen und ähnlicher Berufe.“

So besagt es zumindest das Einkommenssteuergesetz (§18 EStG). Doch hilft uns diese offizielle Beschreibung wirklich weiter? Eigentlich nicht, denn die Definition ist durch den Gesetzgeber sehr vage formuliert.

Genauso ging es mir vor zweieinhalb Jahren auch, als ich mich für die Selbständigkeit entschied und nach einem Tipp vom Steuerberater den Status eines Freiberuflers anerkennen lassen wollte. Heute bin ich froh, dass es geklappt hat, denn eine Freiberufliche Tätigkeit bietet viele Vorteile. Gerne möchte ich Euch daher ein paar wichtige Hinweise rund um die freiberufliche Tätigkeit mit ihren Vor- und Nachteilen geben.

Was sind eigentlich freie Berufe und wie werde ich Freiberufler?

Bei den Freien Berufen wird zwischen den sogenannten „Katalogberufen“, beispielsweise Arzt, Zahnarzt, Rechtsanwalt oder Steuerberater und den „ähnlichen Berufen“ unterscheiden. Gehört man zu der ersten Gruppe, so ist die Anerkennung als Freiberufler in der Regel völlig problemlos. Schwierig wird es oftmals bei den „ähnlichen Berufen“, denn dort ist die Grenze zu einem Gewerbe unter Umständen fließend, was zu Abgrenzungsschwierigkeiten führt. Grundsätzlich muss man in eigener Verantwortung und aufgrund der eigenen Fachexpertise Dienstleistungen erbringen, um den Status eines Freiberuflers anerkannt zu bekommen. Man muss also über eine hohe Fachkompetenz wie auch über eine entsprechende berufliche Ausbildung, am besten ein Studium, verfügen. So kommen zum Beispiel Texter, Lektoren, Informatiker und Berater als Freiberufler in Frage.

Ob es sich bei deiner Tätigkeit um einen freien Beruf handelt, dabei kann dir in der Regel ein Steuerberater behilflich sein. Die Anerkennung eines freien Berufes obliegt dabei letztendlich deinem Finanzamt, wenn es sich um einen Beruf ohne Kammerpflicht handelt. Ansonsten ist die zuständige Standeskammer der richtige Ansprechpartner, beispielsweise bei Ärzten oder Rechtsanwälten.

Bei mir war es damals so, dass das Finanzamt mich fälschlicherweise als Gewerbetreibender eingestuft hatte – im Vorauszahlungsbescheid stand „Einkünfte aus Gewerbebetrieb“. Um auf Nummer sicher zu gehen, habe ich hiernach einen spezialisierten Anwalt aufgesucht und dieser legte Einspruch beim entsprechenden Finanzamt ein. Mit Erfolg, denn seitdem steht in meinem Vorauszahlungsbescheid „Einkünfte aus selbständiger Arbeit“ – was de facto bedeutet, dass mir das Finanzamt den Status eines Freiberuflers zuerkannt hat. Darüber bin ich auch heute noch überaus froh, da es mir das Leben enorm erleichtert. Doch warum lohnt es sich, einem anerkannten freien Beruf nachzugehen und kein Gewerbe anzumelden?

Die Vorteile einer Freiberuflichkeit

Als ich von den Vorteilen der Ausübung eines Freien Berufs erstmals erfuhr, war ich mehr als begeistert. Als Freiberufler profitiert man einerseits von klaren finanziellen, andererseits von organisatorischen Vorteilen im Hinblick auf das Steuerrecht.

Vorteile der Freiberuflichen Tätigkeit

  1. Als Freiberufler muss man kein Gewerbe anmelden und unterliegt damit nicht der Gewerbesteuer-Pflicht, was die Steuerlast deutlich niedriger hält.
  2. Mit einer freiberuflichen Tätigkeit entfällt die Buchführungspflicht – es reicht eine einfache Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) für die Steuererklärung.
  3. Man muss nicht zwangsweise Mitglied in der Industrie- und Handelskammer werden und spart dementsprechend Beiträge.
  4. Bei der Ausübung eines freien Berufs entfällt auch die Pflicht zur Mitgliedschaft in der gesetzlichen Unfallversicherung.
  5. Mit einer entsprechenden künstlerischen Tätigkeit kann man Mitglied in der Künstlersozialkasse werden und erhält so die Arbeitgeber-Anteile bei den Sozialabgaben erstattet (Krankenversicherung und Rentenversicherung).

Betrachtet man die oben genannten Vorteile ist klar, warum die Freien Berufe so attraktiv sind und warum viele Existenzgründer den Status eines Freiberuflers vor dem Finanzamt anstreben. Kurz gesagt: Du sparst Geld und Zeit! Beides ist ein klarer Mehrwert, denn für den Selbständigen gilt oftmals die Gleichung „Geld gleich Zeit“.

Freie Berufe haben auch Einschränkungen

Man könnte fast meinen, dass die Freiberuflichkeit ausschließlich Vorteile mit sich bringt. Natürlich gibt es aber auch die ein oder andere Einschränkung in der Selbständigkeit, wenn man einem freien Beruf nachgeht. Diese bestehen darin, dass man keine Produkte bzw. Waren herstellen oder verkaufen darf. Zudem darf es sich nicht um eine Vermittlungstätigkeit – beispielsweise in der Personalvermittlung – handeln. Also kann der Verkauf von Waren parallel zur eigentlichen Tätigkeit dazu führen, dass man den Status eines Freiberuflers aberkannt bekommt und ein Gewerbe – mit all seinen Nachteilen – angemeldet werden muss.

Man sollte sich daher im Vorfeld einer Existenzgründung darüber im Klaren sein, ob man rein im Bereich der Dienstleistungen bleiben kann und ob ein Geschäftskonzept ohne den Verkauf oder die Herstellung von Waren bzw. Produkten realisierbar ist. Mit der Führung eines Gewerbes muss dann die Gewerbesteuer regelmäßig entrichtet werden und die Buchführung wird dann oftmals auch so kompliziert, dass zusätzliche Kosten für den Buchhalter bzw. Steuerberater hinzukommen.

Freie Berufe im Fazit: Fast immer besser als ein Gewerbe

Mit einem freien Beruf ist man tatsächlich etwas „freier“, zumindest im direkten Vergleich mit einem Gewerbetreibenden. Die Vorteile einer freiberuflichen Tätigkeit liegen klar auf der Hand: Man muss keine Umsatzsteuer zahlen und kann die jährliche Steuererklärung einfach und selbst mit der Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) machen. Zudem bleiben einem mitunter nicht selten die Mitgliedschaften in Industrie- und Handelskammern, sowie in der gesetzlichen Unfallversicherung erspart. Bei den Katalogberufen ist eine Mitgliedschaft in der jeweiligen Standeskammer verpflichtend, diese erbringt aber gleichzeitig den Nachweis für die Freiberuflichkeit.

Bei den sogenannten „ähnlichen Berufen“ muss man den Status vom Finanzamt feststellen lassen. Gerade hier gibt es oftmals Schwierigkeiten, weshalb die Zuhilfenahme eines Steuerberaters oder Rechtsanwaltes für Steuerrecht sinnvoll sein kann. Wichtig darüber hinaus ist die Erkenntnis, dass man mit einem Freien Beruf nicht einfach nebenbei Produkte herstellen und oder verkaufen darf, denn es geht eindeutig um Dienstleistungen, die in Eigenverantwortung erbracht werden. Für mich hat sich die Anerkennung als Freiberufler voll und ganz ausgezahlt, denn ich spare Geld, Zeit und unnötigen Papierkrieg.

Insbesondere letzterer hält nur von der eigentlichen Arbeit ab. Vielleicht passt ja die Freiberuflichkeit ebenfalls zu deinem Konzept einer Existenzgründung?!

/// Rechtlicher Hinweis ///

Dieser Text erhebt keine Anspruch auf Vollständigkeit oder Richtigkeit und stellt keine Beratung dar. Es handelt sich lediglich um Gedanken resultierend aus der eigenen Erfahrung mit der Freiberuflichkeit. Eine Haftung wird nicht übernommen.

Featured Image: William White (CC0 / Public Domain)

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1 Kommentar

  • Als Werbetexterin bin ich ebenfalls Freiberuflerin und kann alle Vorteile, die du aufgezeigt hast, bestätigen. Die Mitgliedschaft in der Künstlersozialkasse ist ebenfalls ein großer Vorteil, da - wie erwähnt - auch Krankenkassen- und Rentenversicherungsbeiträge zur Hälfte übernommen werden. Hierbei ist es aber wichtig, jedes Jahr im Voraus anzugeben, wie viel Geld man wahrscheinlich im kommenden Jahr verdienen wird, denn aufgrund dieser Summe wird der KSK-Beitrag berechnet. Mittlerweile prüft die KSK auch in Stichproben, ob die angegebene Summe dem Verdienst entspricht bzw. entsprochen hat und fordert eventuelle Differenzen auch rückwirkend ein. Weiterhin muss man als KSK-Versicherter seine Kunden darauf aufmerksam machen, dass sie einen bestimmten Prozentsatz der Rechnung (liegt derzeit bei ca. 5 %) ihrerseits an die KSK überweisen müssen, da sie einen Freiberufler 'gebucht' haben. Als Freiberufler sollte man daher entweder einen Vermerk auf seine Rechnungen schreiben oder aber am Jahresende per gesondertem Schreiben seine Kunden darauf aufmerksam machen und ihnen vielleicht den entsprechenden Link zur Seite der KSK mitliefern. So ist man auf der sicheren Seite und kann nachweisen, dass man seine Kunden informiert hat. Bei Unklarheiten sollte man natürlich auch hier seinen Steuerberater oder direkt jemanden von der KSK zu Rate ziehen.

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