Falsche Signale aus der Politik an Startups. Nachhaltiges Wachstum braucht kein Spielgeld.

Christian Häfner 25. April 2013 4
Falsche Signale aus der Politik an Startups. Nachhaltiges Wachstum braucht kein Spielgeld.

Es ist Wahlkampfzeit. Wirtschaftsminister Rösler fliegt ins Valley und SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück macht Halt im betahaus Hamburg. Derzeit gibt es viele Initiativen aus der Politik, um den Startups im Wahlkampfjahr öffentlichkeitswirksam Rückenwind zuzusichern. Zusammen mit drei weiteren Startups nutzten wir also die Gelegenheit, dem Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück einen Eindruck von der Welt junger Unternehmen zu vermitteln.

Startups

Christian und Peer Steinbrück im betahaus Hamburg

Flankiert von einem knappen Dutzend Kamerateams und noch mehr schreibenden Journalisten schwebte der ehemalige Finanzminister ins betahaus in der Schanze. Keine Überraschung, denn die Politik hat Startups und Tech-Szene längst als wertvoll erachtet und die Szene hat sich z.B. im Bundesverband Deutsche Startups e.V. organisiert. Zu bereden gibt es viel. Meist gehen die Forderungen aus Unternehmer-Kreisen in die Richtung, Finanzierungsmöglichkeiten zu vereinfachen, um Wachstum und Personalaufbau zu beschleunigen.

Eine falsche Richtung, wie wir finden. Immer mehr Gründungen, vor allem im B2C-Bereich, haben scheinbar nur noch einen Maßstab, an dem der unternehmerische Erfolg gemessen wird: „Wer Geld bekommt und möglichst schnell viele Mitarbeiter einstellt, hat gewonnen“. Geschichten wie die von Groupon taugen nicht zum Vorbild; die Ablehnung der Finanzierung im zweistelligen Millionen-Bereich von Jimdo hingegen schon. Denn das langfristige gesunde Unternehmenswachstum steht hier klar im Vordergrund, auch wenn das zunächst kleinere Schritte bedeutet.

Nachhaltig Unternehmen aufbauen statt kurzfristiger Hypes auf Kosten von Mitarbeitern und Kunden

Wir sind für den Aufbau wertschaffender Unternehmen, idealerweise aus eigenen Mitteln und gegen schnelle Exits und Millionenfinanzierungen. Das bedeutet nicht, dass Venture Kapital grundsätzlich schlecht ist. Aber das damit erzeugte, schnelle und unnatürlich Wachstum resultiert nicht zwingend in einem nachhaltigen, wirtschaftlichen Erfolg. Im Gegenteil, ein verschobener Fokus von Kundenzufriedenheit hin zu Investorenzufriedenheit führt zu dem Druck kurzfristige (messbare) Ergebnisse erzielen zu müssen. Ziele, die häufig in Konkurrenz zu einem gesunden, wenn auch langsameren Unternehmensaufbau stehen.

Schade, dass für diese Diskussion beim persönlichen Treffen mit Herrn Steinbrück die Zeit nicht reichte. Deshalb möchten wir an dieser Stelle unsere Forderungen an die Politik formulieren:

1. Schnelles, künstliches Wachstum ist schlecht. Deshalb Bootstrapping und Wachstum aus eigener Kraft fördern.

Statt immer mehr Geld in die VC-Szene zu stecken, sollte lieber in nachhaltiges Wachstum investiert werden. Gerade jungen Unternehmen bringt es viel mehr, ihr Produkt zu perfektionieren, als sich für die nächste Übernahme schick zu machen. Konkret fordern wir, den Themenkomplex Finanzierung und Steuern weiter zu vereinfachen. Anstatt Gewinne zu vermeiden, sollten z.B. durch Steuerentlastungen in den ersten Jahren Investitionen und somit auch Arbeitsplätze gefördert werden. Statt 30% Gewerbesteuer-Abgaben könnte diese Liquidität in die Weiterentwicklung nachhaltiger Innovationen investiert werden. Denkbar wären z.B. auch Lohnsteuer-Vergünstigungen bei den ersten fünf Mitarbeitern oder die Reduzierung von bsp. Beiträgen für Kammern.

2. Unwissenheit macht ineffizient. Deshalb Aufklärung fördern und Gesetze vereinfachen.

Das nächste große Problem für Gründer: Vor dem Start helfen Kammern, Ministerien, Ämtern und Coaches noch ordentlich mit. Danach weiß aber niemand, welche Auswirkungen die ersten Entscheidungen  auf Themen wie Datensicherung, elektronische Buchhaltung oder die Steuererklärung später haben. Wir fordern deshalb klare und vereinfachte Strukturen und Anforderungen, die jeder Gründer auch ohne teure Beratung meistern kann. Natürlich gibt es praktische Ansätze, die wir längst anwenden und Gesetzesänderungen (wie zur digitalen Signatur), die in die richtige Richtung gehen. Doch nach wie vor empfehlen z.B. Steuerberater und Finanzbeamte, lieber mit Papier zu arbeiten, anstatt auf innovative Lösungen zu setzen, die Zeit, Kosten und Geld sparen. Die Schreiben des Bundesfinanzministeriums helfen hier leider nur bedingt weiter, denn diese sind teils nicht nur sehr alt (GoBS von 1995), sondern sind auch sehr vage und technologieneutral formuliert. Der Interpretationsfreiraum verunsichert hier eher, als dass Gründer sich auf eine moderne, effiziente und verständliche Herangehensweise festlegen können.

Fazit

Wir wollen mehr Wachstumsförderung und einen deutlich geringeren Fokus auf VC-Finanzierung und Verschuldung. Stattdessen sollten Steuervergünstigungen an der richtigen Stelle Reinvestitionen in Produkte und Köpfe erleichtern und das weitere Wachstum durch verbindliche rechtliche Aussagen erleichtert werden.

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4 Kommentare

  • […] FastBill ist ohne VC oder institutionelles Kapital gewachsen. Darauf sind wir stolz und freuen uns anderen Startups zu zeigen, dass es auch ohne VC geht, und dies vielleicht sogar der bessere Weg ist. Bereits im letzten politischen Wahlkampf hatten wir uns zu diesem Thema geäußert. […]
  • Danke für diese Hintergrundinformationen. Die Startup-Förderung ist eines der Kernthemen der Zukunft und ich bin gespannt, wie es nach der Bundestagswahl weiter gehen wird. Es muss sich auf jeden Fall was tun. Es sind aber noch so viele Fragen offen und die Politik tut sich sehr schwer.
  • [...] Kritik an Rösler: FastBill Geschäftsführer Christian Häfner geht mit Philipp Rösler ins Gericht und kritisiert dessen neue Wachstumsinitiative für Startups. „Immer mehr Gründungen, vor allem im B2C-Bereich, haben scheinbar nur noch einen Maßstab, an dem der unternehmerische Erfolg gemessen wird: „Wer Geld bekommt und möglichst schnell viele Mitarbeiter einstellt, hat gewonnen““. Häfner fordert stattdessen mehr Wachstumsförderung und einen deutlich geringeren Fokus auf VC-Finanzierung und Verschuldung. Blog Fastbill [...]

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