Einnahmen Überschuss Rechnung: So funktioniert die EÜR

Christian Häfner 17. Juni 2015 20
Einnahmen Überschuss Rechnung: So funktioniert die EÜR

Jeder, der ein Unternehmen oder eine selbstständige Tätigkeit betreibt, ist gesetzlich verpflichtet, seine geschäftlichen Aktivitäten nachvollziehbar aufzuzeichnen (§238 HGB). Das HGB unterscheidet zwar hinsichtlich der Verpflichtung, der Form und des Umfangs zwischen kleinen und großen Unternehmen, allerdings legt es bereits im §1 HGB fest, dass jeder Gewerbe- oder Handelsbetrieb ein Kaufmann ist.

Das bedeutet, egal wie klein oder groß der Betrieb ist, man ist verpflichtet Einnahmen und Ausgaben (und Überschuss) mitzuführen. Hinzu kommt, dass das Einkommensteuergesetz alle, die nicht bereits nach dem HGB dazu verpflichtet sind, im §4 Abs. 3 EStG, zur Aufstellung einer Einnahmen Überschuss Rechnung gesetzlich einbezieht. Es kommt also kein Selbständiger darum herum.

Was muss auf eine Einnahmen Überschuss Rechnung?

Eine Einnahmen Überschuss Rechnung – auch Einnahmen Ausgaben Rechnung genannt – ist eine einfache Darstellung aller Einnahmen und Ausgaben, die in einem laufenden Jahr angefallen sind. Es besteht keine strenge Vorschrift über die Form und die Gliederung, wie es zum Beispiel bei Unternehmen der Fall ist, die zur Aufstellung einer Bilanz verpflichtet sind (Kapitalgesellschaften). Zwar verwenden die meisten kleinen Unternehmen eine Buchhaltungssoftware, die sich an die Kontenrahmen und die Gliederung der offiziellen Form  des HGB anlehnt, das bedeutet aber noch nicht, dass damit eine Bilanz erstellt wird.

Laut §241a HGB müssen Einzelkaufleute, die zwei Jahre hintereinander weniger als 500.000 € Umsatz und 50.000 € Gewinn erwirtschaftet haben, keine Bilanz aufstellen. Kapitalgesellschaften sind laut §264 HGB immer bilanzpflichtig. Wer also keine Kapitalgesellschaft hat, und die Umsatz- und Gewinngrenzen nicht überschreitet, muss lediglich eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) aufstellen.

Aufbau einer Einnahmen Überschuss Rechnung

Wie bereits oben erwähnt, lehnen sich die EÜR-Ersteller meist an die offizielle Gliederung an, allerdings gibt es dafür keine Vorschrift. Die Gliederung ist wie folgt:

1. Einnahmen:

  • getrennt in umsatzsteuerpflichtige Umsätze, steuerfreie Umsätze und andere Einnahmen.

2. Ausgaben:

  • Wareneinsatz: alle Wareneinkäufe inklusive Transportkosten etc.
  • Personalkosten: alle Personalkosten, inklusive Nebenkosten etc.
  • sonstige Aufwendungen: z.B. Mieten, Versicherungen, Kfz-Kosten, Werbekosten, Abschreibung, Verwaltungskosten, wie Telefon, Bürobedarf etc.

3. Außerordentliche Einnahmen und Ausgaben

  • alles, was nicht in den „normalen“ Geschäftsablauf gehört.

Sollversteuerung oder Istversteuerung

Bei einer EÜR kann sowohl die Soll- als auch die Ist-Versteuerung angewendet werden. Entscheidend beim Rechnung schreiben ist also, wann die Eingangs- und Ausgangsrechnungen in die Buchhaltung einfließen. Bei der Ist-Versteuerung werden nur die Rechnungen mit gebucht, die tatsächlich bezahlt sind. Bei der Soll-Versteuerung werden alle Rechnungen sofort gebucht, unabhängig davon, ob sie zum Ende des Jahres bereits bezahlt sind. Bei der Ist-Versteuerung bedeutet das, wird am 30.12. eine Rechnung gestellt, die am 20.01 bezahlt wird, muss der Umsatz bei der EÜR nicht mit angegeben werden.

Das gilt auch für Eingangsrechnungen, die zum 31.12. noch nicht bezahlt ist, auch diese können als Ausgabe nicht berücksichtigt werden. Die Ist-Versteuerung ist für Unternehmen eigentlich immer leichter zu bewerkstelligen. Die Entscheidung, ob diese angewendet werden kann, hängt auch vom Umsatzsteuergesetz ab. Seit 2012 wurde die Grenze laut §20 UStG auf 500.000 € Jahresumsatz angehoben und ist nun identisch mit der Befreiung der Bilanzierungspflicht laut HGB. Liegt das Unternehmen unter diesem Umsatz, reicht eine einfach Einnahmen-Überschuss-Rechnung bei der die Ist-Versteuerung angewendet werden kann.

Noch einfacher ist es hier für Kleinunternehmer. Bei der Kleinunternehmerregelung entfällt die Umsatzsteuer und muss nicht berücksichtigt werden.

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20 Kommentare

  • Hallo,
    ich bin seit 5 Jahren mit einem Reinigungsgewerbe selbstständig. Habe als Kleinunternehmer angefangen. Inzwischen nicht mehr. Meine Finanzbuchhaltung hat bisher, oder immer noch, meine Steuerberaterin gemacht. Allerdings möchte ich die Finanzbuchhaltung digitalisieren und habe mir vom Hersteller meines Rechnungsprogramms das Buchhaltungsprogramm runter geladen. Das Buchhaltungsprogramm ist simpel und auch meine Bedürfnisse abgestimmt und kann die gesamte Buchhaltung zu Datev exportieren.

    Auf meine Frage, ob wir die gesamte Buchhaltung in Zukunft auf diese Weise, also elektronisch, erledigen, hat meine Steuerberaterin nur geantwortet:" das geht nicht, weil bei mir EÜR gemacht wird. Das ist nicht möglich"!

    Wir leben im 21. Jahrhundert, da muss es doch eine Möglichkeit geben auch für mittelständische Unternehmen, ihre Buchhaltung digitalisieren zu können? Oder hat meine Steuerberaterin recht?
  • […] Wer sein Business gerade erst aufbaut oder eine selbstständige bzw. freiberufliche Tätigkeit nur nebenbei ausübt, der kann die Steuer-vereinfachende Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen. Diese ermöglicht eine Befreiung der Umsatzsteuerpflicht und damit eine deutliche Vereinfachung bei der Einnahmen-Überschuss-Rechung. […]
  • […] Wer sein Business gerade erst aufbaut oder eine selbstständige bzw. freiberufliche Tätigkeit nur nebenbei ausübt, der kann die Steuer-vereinfachende Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen. Diese ermöglicht eine Befreiung der Umsatzsteuerpflicht und damit eine deutliche Vereinfachung bei der Einnahmen-Überschuss-Rechung. […]
  • […] und Neugründern bleibt das dagegen zum Großteil erspart. Bei den meisten reicht eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) an das Finanzamt aus. Erst wenn ein Gewinn über € 50.000 im Jahr erwirtschaftet wird oder der […]
  • Hallo,
    mir fehlt auch eine "EÜR Erstellung auf Knopfdruck".
    Im Grunde sind es ja nur 2 Tabellen. Warum müssen wir uns als Kunden dann selbst ein script oder sonst was bauen was dies für uns erledigt? Ich selbst arbeite aktuell auch noch nicht mit einem Steuerberater zusammen. Werde dies aber jetzt tun, da ich keine Zeit finde meine Einnahmen/Ausgaben händisch in eine Tabelle einzutragen. Dickes Minus :( sry ...
  • Hallo Christian,
    mir fehlt auch so eine Art EÜR in eurem System. Eine Auflistung wie oben im Blogpost wäre dabei ideal. Sehen zu können für welche Kategorie (Auto, Miete, Bürobedarf, Fremdleistung,...) am meisten aufgewendet wurde, finde ich sehr wichtig. Dann vielleicht noch in einer hübschen Grafik wäre top. Den Grundstein dafür habt ihr mit der Kontierung ja schon geschaffen, jetzt fehlt nur noch eine Abfragefunktion und eine Aufbereitung der Daten. :)
  • Also ich nutze auch Fastbill und bin schon ziemlich überzeugt. Ich war aber auch davon ausgegangen, dass sich eine EÜR damit erledigt hat. Ist aber nicht so. Oder reicht es dem Finanzamt, wenn ich Zahlen aus Fastbill nehme und die Übersicht ausdrucke? Das kann ich mir nicht so recht vorstellen.
  • Da war ich wohl blind. Funktioniert, danke!
  • Ich würde mich auch über eine Ansicht freuen, die mir die IST-Versteuerung liefert. Am liebsten unter Finanzen als weiterer Punkt neben "Netto" und "Brutto".
  • Hallo Michael,

    die bekommst du, wenn du das in den Einstellungen für deinen Account hinterlegst. Das machst du unter Einstellungen -> Grundeinstellungen -> Angaben zum Unternehmen. Hier kannst du die Art der Versteuerung auf IST-Versteuerung umstellen.
    Viele Grüße
    Christian
  • Hi Sebastian,
    was genau wäre deine Anforderung, die noch fehlt? Eine Übersicht der Einnahmen und Ausgaben pro Monat gibt es ja schon. Zusätzlich releasen wir in wenigen Stunden eine neue Funktion "Kontierung" und "Datev-Export".

    Freue mich auf deine Rückmeldung.
    Christian
  • Schöner Beitrag, danke. Ich bin inzwischen auch schon über ein Jahr FastBill Kunde und hatte sehr darauf gehofft, dass mir FastBill das Thema EÜR für dieses Jahr endlich abnehmen würde, aber da habe ich leider noch vergeblich gehofft :( Wäre sehr wünschenswert, nicht jeder arbeitet mit einem Steuerberater.
  • [...] Wer sein Business gerade erst aufbaut oder eine selbstständige bzw. freiberufliche Tätigkeit nur nebenbei ausübt, der kann die Steuer-vereinfachende Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen. Diese ermöglicht eine Befreiung der Umsatzsteuerpflicht und damit eine deutliche Vereinfachung bei der Einnahmen-Überschuss-Rechung. [...]
  • Hallo Johannes,

    stimmt, die Einnahmen beziehen sich immer auf den Tag, an dem die Verbindlichkeit entstand. In Bezug auf die Liquiditätskontrolle ist die Ist-Betrachtung jedoch ein gutes Argument. Wir werden in Zukunft das Thema Auswertung Reports deutlich ausbauen und diesen Hinweis bei der weiteren Entwicklung berücksichtigen.
    Danke und viele Grüße
    Christian
  • Nützlicher Beitrag.
    Ich verwende FastBill eigenhändig seit ein paar Wochen. Gerade habe ich gesehen, dass meine im Juli gestellten und im August als Zahlungseingang gebuchten Rechnungen im Dashboard dem Juli zugeordnet werden :-(
    Könnte ein Schritt in die Ist-Betrachtung nicht sein, dass Rechnungen im Dashboard in dem Monat erscheinen, in dem sie tatsächlich bezahlt werden?
  • Hallo Pascal,

    einen gegliederten EÜR-Report gibt es aktuell noch nicht bei FastBill, außer das Dashboard . Wenn dein Steuerberater die EÜR für dich macht, dann kann er die Buchungsdaten per Export (auch DATEV konform) aus FastBill exportieren und in seinem Buchhaltungstool importieren, um dort die EÜR und alles weitere zu erstellen. Der Export ist unter Rechnungen -> Export.

    Hast du konkrete Ideen oder Vorstellungen, wie das mit FastBill funktionieren sollte? Dann lass es uns gerne wissen.
    Gruss
    Christian
  • Ein schöner Beitrag.
    Was mir gefehlt hat, ist ein Beispiel wie ich das Thema mit Fastbill integriere.
    Ich kann zwar meine Eingangs- und Ausgangsrechnungen erfassen aber wie geht es weiter.
    Da würde ich mich über ein Beispiel freuen.

    Gruß
    Pascal

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