Degressive Abschreibung - So geht's richtig

Hendrik Kehres 13. MĂ€rz 2020 0
Degressive Abschreibung - So geht's richtig

Die degressive Abschreibung gehört zu den wichtigen Begriffen aus dem Steuerrecht, die fĂŒr jeden Unternehmer und SelbstĂ€ndigen von Bedeutung sind. Wir informieren dich ĂŒber alle wichtigen Fragen zur degressiven Abschreibung.

Inhalt

1. Was bedeutet degressive Abschreibung?

2. Wie unterscheiden sich degressive und lineare Abschreibung?

3. Welche VermögensgegenstÀnde kann ein Unternehmer degressiv abschreiben?

4. Vorteile bei degressiver Abschreibung 

Definition: Was bedeutet degressive Abschreibung?

Die degressive Abschreibung ist (neben der linearen Abschreibung) eine Methode, mit der du VermögensgegenstĂ€nde des Anlagevermögens deines Unternehmens planmĂ€ĂŸig abschreiben kannst (in Übereinstimmung mit § 253 Absatz 3 des Handelsgesetzbuches).

Abschreibungen werden vorgenommen, um der im Zeitverlauf erfolgenden Wertminderung eines Anlagegegenstandes Rechnung zu tragen. Bei Anwendung der degressiven Abschreibung verringert sich der Abschreibungsbetrag fĂŒr ein Wirtschaftsgut von Jahr zu Jahr.

  • Wird der Betrag der Abschreibung als Prozentwert des Anschaffungs- oder Herstellungswertes oder des (in der Bilanz des letzten GeschĂ€ftsjahres ausgewiesenen) Restbuchwertes des Vermögensgegenstandes ausgewiesen, dann spricht man von geometrisch-degressiver Abschreibung.
  • Wenn die jĂ€hrlichen AbschreibungsbetrĂ€ge nicht mit einem Abschreibungssatz, also nicht als Prozentanteil des Anschaffungswerts (oder des Restbuchwerts) ermittelt werden, sondern die AbschreibungsbetrĂ€ge vone Jahr zu Jahr um einen gleichbleibenden Euro-Betrag abnehmen, dann liegt eine arithmetisch-degressive Abschreibung vor (auch „digitale Abschreibung“).

Anstelle des Begriffs „degressive Abschreibung“ werden auch die Synonyme „degressive AfA“ und „Buchwertabschreibung“ verwendet.

  • „AfA“ ist das KĂŒrzel fĂŒr „Absetzung fĂŒr Abnutzung“ und bezeichnet gemĂ€ĂŸ der in § 7 Absatz 1 Satz 1 Einkommensteuergesetz enthaltenen Definition die steuerlich maßgebliche Wertminderung von beweglichen, abnutzbaren WirtschaftsgĂŒtern des Anlagevermögens innerhalb ihrer gewöhnlichen Nutzungsdauer.
  • SchĂ€tzwerte fĂŒr die individuelle betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer abnutzbarer WirtschaftsgĂŒter werden in den sogenannten „AfA-Tabellen“ ausgewiesen, die das Bundesfinanzministerum veröffentlicht. Die AfA-Tabellen stellen zwar keine Rechtsnorm im engeren Sinn dar, werden aber steuerrechtlich allgemein anerkannt.

Hier haben wir einen ĂŒbersichtlichen Artikel inklusive einer AfA-Tabelle fĂŒr dich vorbereitet.

Welche Faktoren beeinflussen den jÀhrlichen Abschreibungsbetrag?

Die Höhe der jÀhrlichen AfA auf VermögensgegenstÀnde des Anlagevermögens wird bestimmt durch

  • die Anschaffungs- beziehungsweise Herstellungskosten,
  • die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer eines beweglichen Anlagegegenstandes (die ĂŒber die Gesamtdauer der Abschreibung entscheidet) und
  • die Abschreibungsmethode (linear oder degressiv).

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Wie unterscheiden sich lineare und degressive Abschreibung?

Die lineare AfA ist die Grundregel der Abschreibung. Bei der linearen Abschreibung erfolgen die „Absetzungen fĂŒr Abnutzung“ in gleich hohen JahresbetrĂ€gen, verteilt auf die gesamte betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer. Das Wirtschaftsgut verfĂŒgt bei linearer Abschreibung am Ende der gewöhnlichen Nutzungsdauer ĂŒber einen Restbuchwert von 0 Euro. Den frĂŒher geforderten „Erinnerungswert“ von 1 Euro, der nach den GrundsĂ€tzen ordnungsgemĂ€ĂŸer Buchhaltung an die weitere Existenz eines Wirtschaftsguts erinnern sollte, das durch das Unternehmen auch nach vollstĂ€ndiger Abschreibung weiter genutzt wird, musst du in der Bilanz nicht mehr ausweisen.

Bei der degressiven Abschreibung nehmen die AbschreibungsbetrĂ€ge von Jahr zu Jahr ab. Der deutsche Gesetzgeber Ă€nderte in den letzten Jahren mehrfach den fĂŒr die Buchwertabschreibung zulĂ€ssigen Abschreibungssatz, der sich im Anschaffungs- beziehungsweise Herstellungsjahr eines Wirtschaftsgutes auf den Anschaffungs- beziehungsweise Herstellungswert bezieht. FĂŒr die Folgejahre wird die Höhe des Abschreibungsbetrags unter Anwendung des gleichbleibenden Abschreibungssatzes auf den in der letzten Bilanz ausgewiesenen Restbuchwert berechnet.

Ein Anlagegut wird bei degressiver Abschreibung niemals vollstĂ€ndig abgeschrieben, da sich der bisherige Restbuchwert jeweils nur um einen bestimmten Prozentsatz vermindert und somit immer ein Restbetrag verbleibt. Aus diesem Grund ist ein einmaliger Wechsel von der degressiven zur linearen Abschreibung zulĂ€ssig (§ 7 Absatz 3 Satz 1 Einkommensteuergesetz). Als Zeitpunkt fĂŒr den Wechsel von der degressiven zur linearen AfA wird gewöhnlich dasjenige GeschĂ€ftsjahr gewĂ€hlt, in dem der lineare Abschreibungsbetrag erstmals den rechnerischen degressiven Abschreibungsbetrag ĂŒbersteigt.

Berechnung des Abschreibungsbetrags bei degressiver Abschreibung

Die Höhe des Abschreibungsbetrags ermittelst du bei degressiver Abschreibung wie folgt:


Abschreibungsbetrag = Abschreibungssatz (in Prozent) x Restbuchwert des letzten GeschÀftsjahres.


Im Jahr der Anschaffung eines Vermögensgegenstandes des Anlagevermögens weist du die Anschaffungskosten, bei Herstellung des Anlagegegenstands durch den Unternehmer die Herstellungskosten in deiner Bilanz aus. In den Folgejahren wird der nach den bisher erfolgten Abschreibungen verbleibende Restbuchwert in der Bilanz angesetzt.

Berechnung der AbschreibungsbetrÀge bei linearer Abschreibung

Im Unterschied zur degressiven AfA erfolgt die lineare Abschreibung in gleichbleibend großen Jahresraten:


jÀhrlicher Abschreibungsbetrag = Anschaffungskosten (beziehungsweise Herstellungskosten) dividiert durch die Jahre der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer.


Welche VermögensgegenstÀnde kann ein Unternehmer degressiv abschreiben?

Wie jede Abschreibungsmethode bezieht sich auch die Buchwertabschreibung auf bewegliche, abnutzbare WirtschaftsgĂŒter des Anlagevermögens.

Die degressive Abschreibung ist nach derzeitiger Rechtslage zwar hinsichtlich neu erworbener oder angeschaffter AnlagegĂŒter in der Handelsbilanz, nicht aber fĂŒr die Steuerbilanz zulĂ€ssig. Der aktuelle § 7 des Einkommensteuergesetzes sieht zwar die Möglichkeit der linearen Abschreibung, aber nicht mehr die Anwendung der degressiven Abschreibung vor.

Unternehmen dĂŒrfen jedoch bereits vor 2011 aufgenommene degressive Abschreibungsmethode fortsetzen. Die degressive Abschreibung lĂ€uft aber allmĂ€hlich aus, da sie auf WirtschaftsgĂŒter, die ab Anfang 2011 angeschafft oder hergestellt wurden, steuerrechtlich nicht mehr anwendbar ist.

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Im einzelnen galten fĂŒr neu erworbene oder hergestellte VermögensgegenstĂ€nde des Anlagevermögens bei Buchwertabschreibung folgende jĂ€hrliche AbschreibungssĂ€tze:

  • vor 2001: dreifacher Wert des linearen AfA-Satzes, maximal aber 30 Prozent,
  • 2001 bis 2005: doppelter Wert des linearen AfA-Satzes, maximal jedoch 20 Prozent,
  • 2006 und 2007: dreifacher Wert des linearen AfA-Satzes, maximal aber 30 Prozent (als konjunkturpolitische Sondermaßnahme der Bundesregierung),
  • 2008: keine Buchwertabschreibung zulĂ€ssig fĂŒr alle AnlagegĂŒter, die im Kalenderjahr 2008 angeschafft beziehungsweise hergestellt wurden.
  • 2009 und 2010: zulĂ€ssig war die degressive Abschreibung in Höhe des 2,5-fachen des linearen AfA-Satzes, maximal aber 25 Prozent,
  • Ab 2011 gilt wieder die steuerrechtliche Situation des Jahres 2008: keine ZulĂ€ssigkeit der degressiven Abschreibung fĂŒr neu angeschaffte oder hergestellte AnlagegĂŒter.

Fazit zur ZulÀssigkeit der degressiven Abschreibungsmethode

  • Handelsrechtlich ist die degressive Abschreibung stets möglich, soweit sie mit den GrundsĂ€tzen ordnungsgemĂ€ĂŸer BuchfĂŒhrung ĂŒbereinstimmt.
  • Steuerrechtlich hingegen ist degressives Abschreiben fĂŒr ab dem Jahr 2011 angeschaffte oder hergestellte WirtschaftsgĂŒter nicht mehr zulĂ€ssig.

Welche GrĂŒnde sprechen fĂŒr eine degressive Abschreibung?

Bei degressiver Abschreibung sind die AbschreibungsbetrĂ€ge zu Beginn der Nutzung eines Wirtschaftsguts deutlich höher als bei linearer Abschreibung. Die erhöhte Abschreibung fĂŒhrt zu einem geringeren zu versteuernden Gewinn und damit in den Anfangsjahren nach der Anschaffung beziehungsweise Herstellung eines Anlagegegenstandes zu einer geringeren Steuerlast deines Unternehmens. Selbst wenn in spĂ€teren Jahren die Steuerlast deines Unternehmens aufgrund geringer werdender Abschreibungen ansteigen sollte, so bewirkt die Buchwertabschreibung - bei ĂŒber die Jahre der Anlagennutzung entsprechend hohem BetriebsĂŒberschuss - doch jedenfalls einen Steuerstundungseffekt und damit einen Zinsvorteil.

Der Steuervorteil der degressiven Abschreibungsmethode macht sich insbesondere bei langlebigen WirtschaftsgĂŒtern mit einer Nutzungsdauer von ĂŒber fĂŒnf Jahren bemerkbar. Bei einer kĂŒrzeren betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer bewirkt die degressive Abschreibung gegenĂŒber der linearen Abschreibung nur vergleichsweise geringe Steuervorteile.

Die degressive Abschreibungsmethode hat zudem den Vorzug, dass du zu jedem dir aus steuerlichen GrĂŒnden sinnvoll erscheinenden Zeitpunkt in die lineare Abschreibung eines Vermögensgegenstandes wechseln kannst. Wenn du dich jedoch einmal fĂŒr die lineare Abschreibung eines Wirtschaftsguts entschieden hast, dann ist ein Wechsel zur degressiven Abschreibung fĂŒr die gesamte betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer ausgeschlossen.

Steuerrechtlich ist degressives Abschreiben also sinnvoll, um bei entsprechend hohem BetriebsĂŒberschuss Steuern zu sparen. Auch handelsrechtlich (also fĂŒr deine Handelsbilanz) kann die degressive Abschreibungsmethode entsprechend den GrundsĂ€tzen ordnungsgemĂ€ĂŸer BuchfĂŒhrung sachgerecht sein, da GegenstĂ€nde des Anlagevermögens (wie beispielsweise Maschinen) gerade in der ersten Zeit ihrer Nutzung besonders stark an Wert verlieren.

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