Bootstrapping: wie du aus eigener Kraft dein Business startest

Stefanie Kruse 22. Januar 2016 2
Bootstrapping: wie du aus eigener Kraft dein Business startest

Bootstrapping kann für deine Gründungsfinanzierung eine echte Alternative sein. Gerade, wenn du keine Lust auf seitenlange Businesspläne und Konzepte und einen Pitch nach dem anderen bei Banken und Investoren hast.

In diesem Artikel erfährst du …

  • … was Bootstrapping bedeutet,
  • … was du beachten musst
  • … und für welche Geschäftsmodelle und Gründer es sich lohnt.

Bootstrapping – die Finanzierung aus eigenen Mitteln

Bootstrapping ist eine Form der Gründungsfinanzierung, bei der du auf externe Finanzmittel verzichtest. Du baust dein Unternehmen aus einer Kraft auf, indem du nur eigenes Geld investierst. Entweder weil fremde Finanzierungsquellen nicht verfügbar sind oder als bewusste Entscheidung. Denn ein bootstrappender Gründer hat einen entscheidenden Vorteil: Er behält die Kontrolle über sein Unternehmen.

So hat es übrigens auch FastBill gemacht. Das Unternehmen wurde ohne Venture Capital und andere institutionelle Finanzierungen gegründet, was sogar mit dem eco Internet Startup Award 2014 ausgezeichnet wurde.

Der Begriff „Bootstrapping“ stammt aus dem Englischen und leitet sich vom „bootstrap“ – dem Schnürsenkel oder Stiefelriemen ab. Mit diesem Stiefelriemen kannst du dich sprichwörtlich ohne fremde Hilfe aus einem Sumpf ziehen – so wie es der Legende nach der Baron Münchhausen getan hat. Kurz gesagt geht es beim Bootstrapping also darum, etwas aus eigener Kraft zu erreichen. Und in der Gründerszene steht das für die Finanzierung deines Start-ups.

Du kannst es auch so sehen: So wie du deine Schnürsenkel festziehen solltest, musst du auch bei einer Bootstrapping-Finanzierung deine Strategie eng an deine knappen finanziellen Ressourcen anpassen. Also: so schnell wie möglich den Umsatz steigern ohne unnötige Ausgaben zu tätigen. Damit das funktioniert, gibt es einige wichtige Prinzipien für das Bootstrapping, die du beachten solltest. Welche das sind, erfährst du weiter unten.

Woher nehmen, wenn nicht stehlen?

Statt Venture Capital, Business Angels und Bankkrediten setzt man beim Bootstrapping auf folgende Finanzierungsinstrumente: Gründerkapital (also dein eigenes Geld), Family-and-Friends-Kapital und öffentliche Fördermittel. Und sobald das erste Produkt am Markt ist, finanziert sich das Unternehmen über die Kunden, die Vorkasse bezahlen und die Lieferanten, deren Zahlungsziele ausgenutzt werden.

Manchmal liest man auch, dass eine Bootstrapping-Finanzierung auch Bankkredite beinhalten kann. Das ist in meinen Augen allerdings Unsinn, denn damit machst du dich von den Banken abhängig. Du fängst wieder an, ein 100-Seiten Businessplan-Paket für die Bank zu schnüren, auch wenn du nur 5.000 Euro haben willst. (Glaube mir, ich habe mir das selbst einige Jahre lang auf der Seite der Bank ansehen müssen).

Stattdessen hältst du dich aus deinen eigenen Mitteln so lange über Wasser, bis dein Unternehmen genügend Cash-Flow generiert, mit dem du dann organisch wachsen kannst. Dafür benötigt es vor allem zwei Dinge:

  • Erstens ein Produkt, für das deine Kunden zahlen.
  • Und zweitens, dass du weniger Geld ausgibst, als du verdienst.

Übrigens: Bootstrapping heißt nicht, dass du niemals Geld von externen Kapitalgebern beanspruchen kannst. Oft werden für die Wachstumsfinanzierung Gelder von Venture Kapitalgebern und Banken eingeworben. Das funktioniert dann auch besser, weil dein Unternehmen schon eine erfolgreiche Gründung, ein Produkt und Kunden vorweisen kann.

Damit das gelingt, solltest du die folgenden Bootstrapping-Prinzipien beachten:

Die wichtigsten Prinzipien beim Bootstrapping

Wenn dir niemand Geld schenkt, hast du logischerweise nicht so viele Ressourcen wie fremdfinanzierte Unternehmen. Trotzdem musst du irgendwie deine geschäftlichen und auch deine privaten Ausgaben decken. Das bedeutet also, dass du so schnell wie möglich schwarze Zahlen schreiben musst. Also kommt zu den begrenzten Ressourcen noch ein enger Zeitplan.

Wie schaffst du es also, in kurzer Zeit einen positiven Cashflow zu erreichen?

Steige so schnell wie möglich in das operative Geschäft ein

Verwende nicht zu viel Zeit auf dein Konzept, das Design deiner Webseite oder die letzten Details deines Produktes. Baue dir ein Minimum Viable Product und verkaufe es. Dann fließt erstes Geld und du kannst dein Produkt auf Basis des Kundenfeedbacks weiter verbessern. Einer der kostspieligsten Fehler von Gründern: Tolle Features entwickeln, die dein Kunde gar nicht braucht, die aber die Kosten in die Höhe treiben.

Cash-Flow kommt vor Wachstum und Wachstum kommt vor Gewinn

Wenn du ohne fremdes Kapital auskommst, kannst du nicht so schnell wachsen wie andere Unternehmen. Fokussiere dich also nicht auf schnelles Wachstum, sondern auf einen positiven Cashflow. Und wenn der da ist, dann investiere ihn wieder, anstatt dich auf den Gewinnen auszuruhen, damit du dann im zweiten Schritt wachsen kannst.

“Buy low, sell high, collect early, pay late”

Klingt wie das kleine BWL-Einmaleins. Wird aber nicht von allen Unternehmen umgesetzt. Achte darauf, dass du eine vernünftige Marge hast, die du reinvestieren kannst. Und schau, dass du deine Kosten drückst, wo es möglich ist. (Ein Wort der Warnung dazu gibt’s gleich).

Wichtig für einen positiven Cashflow ist aber nicht nur die Höhe deiner Einnahmen und Ausgaben, sondern auch der Zeitpunkt. Lass deine Kunden so früh wie möglich bezahlen – am besten Vorkasse – und nutze gleichzeitig die Zahlungsziele bei deinen Lieferanten. Das ist auch eine Form der Finanzierung, die es dir ermöglicht, für die Produktion nicht in Vorleistung gehen zu müssen. Und das schont deine Liquidität.

Was du dazu brauchst? Einen guten Überblick über deine Rechnungen und Zahlungen.

Achte auf deine Kosten

Wenn du dein Business bootstrappst, dann ist das teure Büro und der Firmenwagen nicht drin, so viel sollte klar sein. Aber auch an anderer Stelle lässt sich sparen, zum Beispiel durch kostenlose Tools oder günstige Online Services. Gleiches gilt übrigens für den privaten Lifestyle: Verzichte für die Zeit der Gründung auf Luxus und schraube deine Ausgaben herunter.

Überlege welche Aufgaben du selbst übernehmen kannst, statt sie einzukaufen. Das spart nicht nur Geld, sondern du lernst, entwickelst dich weiter und behältst das Know-How bei dir.

Und auf alle Fälle lohnt sich ein Preisvergleich bei den Dingen und Leistungen, die du einkaufst. Oft kann ein wenig Recherche günstige Angebote zu Tage fördern.

Spare nicht an allen Ecken und Enden

Viele Menschen verwechseln Bootstrapping mit einem Sparwahn. Ziel ist nicht, dass du alles selbst machst und jeden Cent sparst. Sondern, dass du dein Geld und deine Zeit effizient einsetzt.

Hier mal ein Beispiel: Natürlich kannst du in drei Wochen die Grundlagen der Webseiten-Programmierung lernen und dir eine eigene Webseite bauen. Das hat dich dann nichts gekostet. Aber du hast drei Wochen deiner Zeit investiert und das Ergebnis ist womöglich nur mittelprächtig. Du kannst dir aber auch eine professionelle Homepage kostengünstig erstellen lassen. Dann kannst du deine Zeit sinnvoller einsetzen und die Dinge tun, die du wirklich gut kannst.

Fokussiere dich auf den Vertrieb

Du willst so schnell wie möglich den ersten Euro verdienen. Damit dein Produkt auch gekauft wird, musst du es aktiv verkaufen. Wenn du also nicht so der Verkäufertyp bist, solltest du dir einen Partner an Bord holen, der das ausgleicht.

Wähle das richtige Geschäftsmodell

Dein Geschäftsmodell muss in der Lage sein, schnell Cash zu generieren. Das geht nicht mit jeder Idee. Welche Geschäftsmodelle sich für Bootstrapping eignen und welche nicht, habe ich für dich zusammengestellt:

Wann sich Bootstrapping lohnt – und wann nicht

Bootstrapping funktioniert nicht für jede Art von Gründung und auch nicht mit jedem Gründertyp. Wenn du zu den risikobereiteren Menschen gehörst, in einer Nische mit wenig Konkurrenz unterwegs bist und dein Geschäftsmodell innerhalb kurzer Zeit den Break Even erreichen kann, dann ist es jedoch eine Alternative für dich.

Diese Geschäftsmodelle sind besonders gut geeignet für Bootstrapping:

  • Freelancing, Agenturgeschäft, Projektgeschäft: Du führst deine Leistung selbst gegen Bezahlung aus und bekommst zügig Geld.
  • Apps und Software-as-a-Service: Deine Kunden bleiben lange, dadurch werden deine Erlöse kalkulierbar und stabil und du kannst mit der Zeit neue Features hinzufügen, während du schon Geld einnimmst.
  • Arbitrage-Handel: Du kaufst günstiger ein als du verkaufst und kannst deine Lieferanten später bezahlen, als du Geld von deinen Kunden bekommst.

Andere Geschäftsmodelle sind dagegen nicht so gut geeignet. Entweder weil sie viel Anfangskapital für Produktion oder Infrastruktur benötigen oder weil sie eine lange Entwicklungsphase haben. Wenn du also einen Pizzalieferdienst mit zwanzig Autos aufmachen oder ein neues Medikament entwickeln willst, solltest du doch eher nach Geldgebern Ausschau halten.

Auch wenn du auf einem Markt unterwegs bist, wo du Konkurrenz durch große fremdfinanzierte Unternehmen hast, bist du im Nachteil. Denn die sind durch ihr Kapital einfach schneller als du und gewinnen schon alle Marktanteile für sich, während du noch langsam wächst.

Und zum Schluss solltest du auch nicht bootstrappen, wenn du das Risiko nicht alleine tragen kannst. So unschön es ist, die Kontrolle mit Kapitalgebern zu teilen – sie nehmen dir auch einen Teil vom Risiko ab. Wenn du also eine Familie mit drei Kindern und eine Eigenheimfinanzierung hast, ist Bootstrapping auch nicht unbedingt das richtige.

Wann Venture Capital die bessere Alternative zu Bootstrapping ist, verrät dir Christian Häfner auf LetsSeeWhatWorks.com.

Fazit

Bootstrapping kann eine gute Alternative für die Gründungsfinanzierung sein – vorausgesetzt das Geschäftsmodell stimmt und die Gründer können das Risiko der Gründung auch ohne Investoren tragen. Auch wenn eigenfinanzierte Unternehmen langsamer wachsen als Start-up mit dicker Finanzspritze, behalten die Inhaber im Gegenzug die Kontrolle und können sich statt auf den nächsten Pitch vor einem Geldgeber auf die Verbesserung ihres Produktes konzentrieren. Den besonderen Herausforderungen von Bootstrapping kannst du mit den hier vorgestellten Prinzipien gut begegnen. Und bei erfolgreicher Gründungsfinanzierung damit sogar spätere Geldgeber beeindrucken.

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2 Kommentare

  • […] mein Tipp: Mach dich so wenig finanziell abhängig wie möglich und setze auf Bootstrapping. Also die Selbstfinanzierung als Gründer. Das erspart dir eine Menge Druck und ermöglicht dir […]
  • Hi Stefanie,
    guter Beitrag! Deiner Beschreibung kann ich voll und ganz zustimmen. Ich habe mein Sideproject http://golfclub-szene.de/ durch bootstrapping gegründet. dabei hatte ich anfangs einige schnelle Verkäufe, von denen es dann weiter ging. :)
    Grundsätzlich ein sehr cooles Prinzip, wenn man es auch noch ohne Risiko nebenzu betreiben kann.
    Viele Grüße Jan

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